Aargauer Exklusivität: Pflegeheim Sennhof beschäftigt eine eigene Haus-Apothekerin

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Apothekerin Miriam Ruf arbeitet an vier Tagen pro Woche im Pflegeheim Sennhof. Sie beaufsichtigt unter anderem das Richten der Medikamente. CKI

Pflegeheime sind gesetzlich verpflichtet, die pharmazeutische Versorgung ihrer Bewohner sicherzustellen. Dazu gehört auch, dass sie bei Belangen rund um die Medikamentenabgabe einen Apotheker oder eine Apothekerin als Fachperson beiziehen. Manche Heime schliessen dazu einen Vertrag mit einer Apotheke ab. Andere Heime im Aargau arbeiten wiederum mit dem Kantonsspital Aarau zusammen, wo Spezialisten der klinischen Pharmazie die Medikationen der jeweiligen Heimbewohner überprüfen.

Auf ein eigenes Modell vertraut das Pflegeheim Sennhof in Vordemwald – und bildet damit eine Ausnahme im Kanton: Es beschäftigt eine eigene Apothekerin. Miriam Ruf ist verantwortlich für die Versorgung der «Sennhof»-Bewohner mit Medikamenten. Sie ist zuständig für die korrekte Lagerung der Arzneimittel und beaufsichtigt zudem das Apotheken-Team, das die Tabletten und Tropfen in Wochenblister abfüllt.

Angefangen hat die Zusammenarbeit vor 16 Jahren. Damals bekam Miriam Ruf vom Pflegeheim den Auftrag, die Medikamentenlisten der Bewohner zu kontrollieren, mögliche Generika zu prüfen und Bestellungen zu tätigen. Später unterstützte sie das Pflegepersonal fachlich beim Richten der Medikamente. «Die Zusammenarbeit hat sich offenbar bewährt», sagt die Apothekerin. Heute ist sie im «Sennhof» fest angestellt, arbeitet mit ihren zwei Pharma-Assistentinnen an vier Tagen pro Woche im Heim. Das Team ist für 100 Bewohner verantwortlich, die unterschiedlichste Medikamente nehmen. «Besonders häufig sind Schmerzmittel, Herz-Kreislauf-Medikamente oder bei Bedarf Medikamente zur Sedierung von Demenz-Patienten, wenn die Unruhe keine andere Ursache hat», sagt Miriam Ruf.

Näher dran an der Fachperson
Eine eigene Apothekerin im Haus biete für ein Pflegeheim viele Vorteile. «Sie ist bei Fragen und Problemen jederzeit ansprechbar. Müssten wir zuerst mit einer externen Apotheke oder einem Arzt Kontakt aufnehmen, gäbe das Verzögerungen», sagt Renata Muff, Leiterin Pflege/Betreuung und Fachverantwortliche Demenz. Die meisten Fragen, mit denen Miriam Ruf konfrontiert wird, drehen sich um die Darreichungsform der Arzneimittel: Darf diese Tablette geteilt werden, wenn der Bewohner unter Schluckstörungen leidet? Gibt es dazu Alternativen? Und welche Mittel können leicht über eine Magensonde verabreicht werden? Alle Medikamente seien zudem immer schon im Haus vorhanden, meint Renata Muff. «Wir müssen nie einem Rezept nachrennen.»

Mehrfach geprüft
Die ständige Erreichbarkeit sei besonders bei Fehlmedikationen wichtig. «Wenn jemand eine falsche Tablette schluckt, können wir sofort bei einer Fachperson nachfragen, welche Massnahmen wir treffen müssen», ergänzt Heimleiter Urs Schenker. «Denn Fehler passieren überall.» Mit einer Apothekerin vor Ort könne das Heim solchen Fehlern entgegenwirken. Wissen sei dabei die beste Voraussetzung, meint Miriam Ruf. «Weil wir die Medikamente kennen und sie hier vor Ort für die Bewohner richten, überlegen wir uns zweimal, ob wir die richtigen Tabletten vor uns haben.» Zudem werden die von den Heimärzten verordneten Medikamente vor der Abgabe nochmals von mindestens zwei Personen überprüft, indem sie mit der Medikamentenliste der einzelnen Bewohner verglichen werden.

So wenig Medikamente wie nötig
In vielen Pflegeheimen werden die Medikamente nicht mehr von Hand abgefüllt: Manche lassen die Arzneimittel in sogenannten Blisterzentren in kleine Plastikbeutel abpacken. Die automatische Methode garantiere zwar fast hundertprozentige Sicherheit, meint Urs Schenker. «Sie ist jedoch nicht optimal, wenn es in der Medikation eines Bewohners Veränderungen gibt.» Wenn Miriam Ruf die Medikamentenlisten prüft, achtet sie nämlich nicht nur auf mögliche Nebenwirkungen der Medikamente, sondern auch auf deren Notwendigkeit. So würden einige Medikamente ab einer gewissen Pflegestufe eher schaden als nützen – oder dem schwer kranken Patienten einfach nicht mehr helfen.

Kostengünstige Alternativen
«Wir möchten so wenig Medikamente wie nötig geben», sagt Urs Schenker. Das sei auch auf Kostenseite ein Vorteil: Bei einer Tagespauschale von 6 Franken pro Bewohner für Medikamente versuche das Heim, wirtschaftlich mit den Ausgaben umzugehen. Dies könne auch mit Generika erreicht werden, die von der Apothekerin im Heim geprüft werden. «Viele Heimbewohner erhalten im Spital nämlich teure Medikamente, für die wir nach dem Spitalaustritt günstigere Alternativen suchen», sagt Dr. med. Reto Keller, einer der drei Heimärzte des «Sennhofs». Er schätzt das Modell der Heimapotheke ebenfalls. In einem Heim mit Apotheken-Team, das die Medikamentenabgabe organisiere, bleibe dem Pflegepersonal wieder mehr Zeit für die Bewohner.

100

Bewohner sind im Pflegeheim Sennhof auf Medikamente angewiesen. Schmerzmittel, Herz-Kreislauf-Medikamente oder bei Bedarf Medikamente zur Sedierung von Demenzpatienten, wenn die Unruhe keine andere Ursache hat, werden am häufigsten eingenommen.

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