Technikwandel: Sendeschluss für das UKW-Radio

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(Bild: https://antiqueradio.org)

Das UKW-Radio hat ein Verfallsdatum. Ende letzten Jahres legte der Bundesrat fest, dass die Migration aufs digitale Radio DAB+ bis spätestens 2024 geschafft werden soll. Nun zeigen neue Unterlagen, dass das Ende früher kommt: Bis 2021 sollen alle UKW-Sender vom Netz sein.

Digital statt analog – das ist die Strategie hinter der Umstellung von UKW-Sendern auf DAB+. DAB+ bezeichnet dabei eine digitale Möglichkeit, Radio zu empfangen. Bedingung ist ein entsprechendes, DAB+- fähiges Radio. 2017 zeigte sich erstmals, dass mehr Hörer in der Schweiz Radio digital hören. Der Bundesrat sah dies als Anlass, die digitale Migration weiter zu unterstützen. «Die Revision der Radio- und Fernsehverordnung sieht vor, dass ab 2020 DAB+ zum Hauptverbreitungsweg wird», schrieb der Bundesrat letzten Herbst. Den Radios wird bei der Umstellung auf den digitalen Standard finanziell unter die Arme gegriffen. Die Radiobranche ist sich derweil einig, dass man auf DAB+ umstellen will.

Bei der Umstellung gibt es aber einige Hürden. So verweist das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) in neuen Unterlagen für eine DAB+-Kommunikationsoffensive darauf, dass einzelne Radiogeräte die international festgelegten Normwerte unterschreiten. Dies könne dazu führen, dass Hörer, die solche Geräte besitzen, DAB+ als Technologie infrage stellen. Dies, weil die Qualität nicht stimmt. Zudem sei heute noch nicht klar, ob das DAB+-Netz so ausgebaut werden kann, dass keine Empfangslücken bestehen bleiben.

Das Problem der Autoradios
Ein anderes Problem betrifft die Radiostationen selber. Das Bakom verweist auf Erfahrungen aus Norwegen, wo das UKW-Netz bereits abgeschaltet wurde. Dort gingen die Nutzerzahlen aller Radios nach der Abschaltung zurück. Für die Radiosender bedeuten die drohenden sinkenden Nutzerzahlen auch Umsatzeinbussen. Diese könnten nur teilweise kompensiert werden, weil die Kosten für DAB+ tiefer ausfallen als die von UKW-Radio.

In Norwegen haperte es vor allem bei der Umsetzung in den Autoradios, die noch nicht alle auf DAB+-Standard umgerüstet wurden. Gerade wer ein älteres Auto fährt, hat kein DAB+-Radio und die Umrüstung ist teuer. Das Bakom schreibt, dass in der Schweiz momentan 1 Million solcher DAB+-Autoradios im Umlauf sind. Also bei weitem nicht alle Fahrzeuge können das digitale Radio empfangen.

Insgesamt sind rund 3,5 Millionen DAB+-fähige Radios in der Schweiz im Einsatz. Offenbar hat vor allem die Umstellung des Radiosenders Beromünster die Beliebtheit von DAB+ in die Höhe schnellen lassen. Durch die Verbreitung des Volksmusikprogramms Musigwälle 531 über DAB+ seien deutlich mehr DAB+-Radios verkauft worden.

Doch: 2017 waren 52 Prozent aller verkauften Radiogeräte nicht DAB+-fähig. «Insgesamt muss sich der Handel noch stark bewegen, damit UKW ohne Ersatzprobleme abgeschaltet werden kann», schreibt das Bakom in den Unterlagen, die der «Nordwestschweiz» vorliegen. Über 60 Prozent der Radio-Hörer greifen heute auf digitale Technologien zurück, um Radio zu hören. Also entweder auf DAB+, aufs Internet oder auf Kabelempfang. Dabei macht DAB+ den Hauptteil aus: jeder dritte Radiohörer nutzte diese Technologie. Doch während in der Deutschschweiz die Nutzung von digitalem Radio steigt, stagniert er im Tessin. Und in der Romandie will man wenig wissen vom neuen Standard. Dort sind die Nutzerzahlen laut Ausschreibungsunterlagen gar leicht rückläufig.

Das Bakom hat nun die Kommunikationsbemühungen rund um die Umstellung öffentlich ausgeschrieben. Dabei geht man von einem engen Zeitplan aus. Bis Anfang 2021 soll das DAB+-Netz weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig soll ab 2019 eine Imagekampagne gestartet werden, um die Umstellung zu unterstützen. Mitte 2019 soll kommuniziert werden, dass UKW-Sender abgeschaltet werden. Dieser Schritt, so die vorläufige Planung, soll bis Ende 2021 passiert sein. Die begleitende Kampagne kostet 5,5 Millionen Franken aus Billag-Gebühren, wie das Bakom in einer Medienmitteilung schreibt.

Höhere Radiokosten drohen
Gleichzeitig werden die Vergütungen für Radiosender, welche den Technologieausbau vorantreiben, gekürzt. Momentan erhält jeder Radiosender 80 Prozent jener Kosten zurück, welche durch die Verbreitung über DAB+ anfallen. Diese Förderung wird bis spätestens 2022 aufgehoben. Das Problem: kleinere Radios könnten in existenzielle Schwierigkeiten geraten, wenn sie alle Kosten selber tragen müssen.

Das Bakom verweist darauf, dass das Netz für DAB+ nur bei Vollbelegung kosteneffizient betrieben werden könne. Dies bedeute, dass ein Ausstieg eines oder mehrerer Radios ein Risiko sei. Denn dann müssten die Kosten für die verbleibenden Radios erhöht werden. Gerade Radiosender, welche in der Vergangenheit erst wegen der tiefen, weil subventionierten Kosten im DAB+-Netz ihren Betrieb aufgenommen haben, werden betroffen sein. Konzessionierte Radiosender hingegen dürften die bald fehlenden Subventionen mit dem Wegfall der Kosten für den Vertrieb über das UKW-Netz kompensieren können.

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