Aufstieg und Fall der Billie Holiday

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«Blue Moon» beleuchtet Glanz und Gloria sowie Abgründe im kurzen Leben der Jazzsängerin Billie Holiday. KBB

«Ich singe, was ich fühle» – diese Worte stammen von Billie Holiday, gelten aber auch für Sona MacDonald, die im Musical «Blue Moon» die Rolle von Billie Holiday übernimmt. Das Theater in der Josefstadt Wien zeigte die Produktion auf Einladung von Musik und Theater im Zofinger Stadtsaal. Zusammen mit Nicolaus Okonkwo und der begleitenden Band werden mit höchster musikalischer und schauspielerischer Kompetenz Licht und Schatten, Erfolg und Absturz, Glanz und Gefängnis, Lebensfreude und Drogenabhängigkeit reflektiert.

«Blue Moon» bedeutet das zweimalige Erscheinen des Vollmondes innerhalb eines Monats, also eine Seltenheit. Eine solche war auch die Jazz-Ikone Billie Holiday. Zuerst tritt Sona MacDonald im glitzernden Kleid auf, zuletzt sitzt sie gebeugt in ärmlichen Kleidern auf der Bühne, auch die vorher so strahlende Stimme klingt nun rau, tief und gebrochen. Im Hintergrund sind die Worte «Hope» und «Dreams» durchkreuzt. Die Inszenierung ist so lebensnah und erschütternd, dass sie unter die Haut geht. Das spürte auch das Publikum und bedankte sich ergriffen mit langem Applaus.

Bei Verwandten aufgewachsen
Billie Holidays kurzes Leben begann am 7. April 1915 als Kind des unverheirateten Teenagerpaares Sarah Fagan und Clarence Holiday. Kurz nach der Geburt von Eleonora trennte sich der Vater und begann eine Karriere als Jazzmusiker. Von 1916 bis 1924 wuchs das Kind bei Verwandten in Baltimore auf. Mit neun Jahren wurde es wegen Schulschwänzens verurteilt und musste neun Monate eine streng katholische Reformschule besuchen.

Nach einem Vergewaltigungsversuch eines Nachbarn 1926 war erneut die Einweisung in die Reformschule fällig. Danach fand Eleonora in einem Bordell einen Job als Mädchen für alles. Dort kam sie erstmals in Berührung mit der Musik von Louis Armstrong und Bessie Smith. Im Frühjahr 1929 zog die 14-Jährige zur Mutter nach Harlem/New York und kam bei einer Bordellbesitzerin unter; Mutter und Tochter verdienten ihren Lebensunterhalt als Prostituierte. Bei einer Razzia im Mai 1929 wurden beide festgenommen und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Nach der Entlassung im Oktober folgten Auftritte in einem Harlemer Nachtclub, Eleonora legte sich den Künstlernamen Billie Holiday zu. Unter diesem fand sie Zugang auch in andere Clubs, was ihr zu einem Engagement als Sängerin im Club Coven’s verhalf, wo der Musikproduzent John Hammond auf sie aufmerksam wurde. Dieser arrangierte für Billie Holiday zwei Aufnahmen im Studio von Benny Goodman. Das war der Beginn einer steilen Karriere.

1935 erhielt die nun 20-Jährige eine Rolle in einem Kurzfilm von Duke Ellington, 1937 machte sie eigene Aufnahmen, im Frühjahr 1938 erhielt Billie Holiday als eine der ersten schwarzen Künstlerinnen ein Engagement bei einer weissen Band, bekam aber auch die Rassentrennung zu spüren, als sie im Lincoln Hotel den Dienstbotenlift benutzen musste, und 1939 wurde sie von Columbia Records unter Vertrag genommen. Von nun an reihte sich Erfolg an Erfolg: Sogar die «New York Times» nahm von ihr Kenntnis und Platten wie «God bless the Child» erreichten Millionenauflagen. Billie Holiday geriet unter Erfolgsdruck und begann Drogen zu nehmen.

Rauschgift als Schicksalsfalle
In den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts erreichte Billie Holiday den kommerziellen und künstlerischen Höhepunkt ihres Lebens und zugleich auch einen Wendepunkt. 1947 und 1949 wurde sie wegen Drogenbesitzes verhaftet. Ihre Reputation war nun angeschlagen, in den New Yorker Clubs mit Alkoholausschank durfte sie nicht mehr auftreten. Holidays Gesundheitszustand wurde durch Drogenmissbrauch, Alkoholsucht und Beziehungen zu gewalttätigen Männern kritisch, auch ihre Stimme litt unter diesem Lebenswandel. Trotzdem unternahm sie 1954 und 1959 noch erfolgreiche Europatourneen und nach einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall jubelt die Presse: «Billie war spitze, unbestreitbar eine der besten und ehrlichsten der noch lebenden Jazz-Sängerinnen.» Das sollte nicht mehr lange dauern. Im März 1959 wurde bei ihr eine Leberzirrhose festgestellt. Im Krankenhaus untersuchte sie die Polizei auf Drogen und verhaftete sie auf dem Sterbebett. Sie starb am 17. Juli völlig verarmt.

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