«Grösse alleine ist kein Erfolgsgarant»

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Stefan Züsli ist seit acht Jahren Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank Leerau. Bild: Lilly-Anne Brugger

Die Handwerker geben sich am neuen Hauptsitz der Bank Leerau in Kirchleerau die Klinke in die Hand. Baustellenlärm ist zu hören. «So ist es halt», sagt Stefan Züsli, Vorsitzender der Bankleitung, «zum Ende pressierts dann plötzlich. Ende Woche haben wir Eröffnung und die Handwerker bringen jetzt die letzten Türen.» Die Wohnungen oberhalb der Bank sind seit zwei Wochen fertig. Nun konzentrieren sich die Arbeiten der Handwerker auf die Bankräume. Und Stefan Züsli ist ein gefragter Mann. Wie soll das genau organisiert werden mit dem neuen Kassensystem? Und welche Töpfe braucht es für die Blumen? «Der Bankausbau ist kritisch. Vor einer Woche hatte ich noch Bedenken», sagt Stefan Züsli, «aber jetzt bin ich überzeugt: Es kommt gut.» Ob es wirklich gut gekommen ist, davon kann man sich heute gleich selber überzeugen. Am Tag der offenen Türe am neuen Hauptsitz in Kirchleerau.

Herr Züsli, im Neubau in Kirchleerau wird nicht nur die Bank Leerau untergebracht sein, sondern auch Wohnungen. Während sich Unternehmen allerorts aufs Kerngeschäft konzentrieren, steigen Sie ins Immobiliengeschäft ein.

Stefan Züsli: So ganz fremd ist das Immobiliengeschäft ja nicht für unsere Bank. Unser Kerngeschäft ist das Finanzieren von Immobilien. Wir haben uns gut überlegt, ob wir überhaupt einen Neubau realisieren wollen. Am Ende war das die sinnvollste und nachhaltigste Variante. Wir hätten unser Bankgebäude umfassend sanieren müssen und es ist zudem sehr schlecht ausgenutzt. Wir benötigen nicht mehr die Fläche, die wir momentan zur Verfügung haben. Wir besitzen eigenes Land, und so haben wir entschieden, neu zu bauen und gleichzeitig besser auszunutzen. Verdichtetes Bauen liegt ja momentan im Trend. Insofern wissen wir ganz gut, auf was wir uns einlassen. Wir haben den Markt beobachtet und wissen, dass im Moment sehr viel gebaut wird. Wir haben den Bedarf bei uns in der Umgebung analysiert und sind überzeugt, dass das Angebot, das wir anbieten, auch aufgenommen wird. Die Mietwohnungen tangieren unser Kerngeschäft keinesfalls.

Sind die Wohnungen schon vermietet?

Die Wohnungen sind noch nicht alle vermietet. Wir haben Reservationen für die Wohnungen, eine ist bereits vermietet. Das läuft jetzt erst so richtig an. Die Leute wollen die Wohnungen anschauen. Das ist erst seit zwei Wochen möglich. Seit dann sind die Wohnungen fertig.

Es ist auch geplant, eine Arztpraxis im Neubau zu integrieren. Wie sieht es da aus?

DDa sieht es im Moment noch nicht gut aus. Wir haben uns intensivst bemüht um junge Ärzte, die eine Gemeinschaftspraxis einrichten könnten, auch um andere Anbieter im Gesundheitswesen. Aber es ist ernüchternd, wie schwierig es ist. Es gibt einfach zu wenige junge Ärzte, die auf dem Land eine Hausarztpraxis eröffnen möchten. Die Ärzte wollen heute mehr ins Angestelltenverhältnis und nicht mehr selber Unternehmer sein. Aber auch Praxisanbieter finden keine Ärzte. Und der Aargau ist noch etwas spezieller: Einerseits ist die Selbstmedikation der Ärzte nicht möglich, andererseits gibt es einen Zulassungsstopp für ausländische Ärzte. Wir sind jetzt noch mit einer Praxisgruppe im Gespräch. Wenn das falliert, dann müssen wir uns überlegen, was wir machen.

Und das wäre?

Es ist ja nicht nur eine Arztpraxis möglich im Neubau, sondern auch ein Gewerbeangebot mit Büronutzung. Ist auch eine Vermietung ans Gewerbe nicht möglich, wäre dann der Plan C Wohnungen einzubauen.

Im Suhrental hat es zu wenige Ärzte. Ist es die Aufgabe einer Bank, etwas gegen den Ärztemangel zu unternehmen?

Wir als regional verwurzelte, in einem kleineren Einzugsgebiet tätige Bank sehen es als unser Beitrag an die Region, dass wir etwas zur Behebung des Ärztemangels leisten. Daher haben wir das Raumangebot für eine Arztpraxis geschaffen. Wir haben uns aber nicht nur auf das Raumangebot beschränkt, sondern aktiv und auf eigene Kosten nach Ärzten oder Anbietern im Gesundheitswesen gesucht. Wir haben viel investiert, um der Bevölkerung etwas zurückgeben zu können. Schliesslich sind wir ja auch Teil des regionalen Lebens. Allerdings hat dieses Engagement Grenzen. Und die sind bald erreicht.

Die Bank Leerau ist eine kleinere Bank. Bis vor vier Jahren war die Bank im Clientis-Verbund, ist dann ausgetreten. Was ist seither anders?

Wir haben mehr Flexibilität, mehr Freiheiten, mehr eigene Entscheidungskompetenz gewonnen. Wir können heute selber bestimmen, wo wir den Werbefranken investieren, mit welchen Partnern wir zusammenarbeiten und welche Produkte wir einkaufen. In einem Verbund ist es immer ein gemeinsames Entscheiden. Mit allen Vor- und Nachteilen. Wir sind bis jetzt gut gefahren und ich glaube auch, dass es der richtige Entscheid war.

Haben Sie sich mit dem Ausstieg aus dem Clientis-Verbund stärker auf die Region konzentriert?

Mit Ausnahme vom Werbeauftritt nicht. Wir waren auch während der Zeit in der Clientis-Gruppe sehr stark auf unsere Region ausgerichtet. Das hat sich nicht geändert. An unsere Dienstleistungen und unserem Kundenkreis - das obere Suhrental und die umliegenden Gemeinden - daran hat sich nichts geändert.

Die Bank Leerau ist eine von wenigen kleinen Banken, die noch selbstständig sind. Würde das Konzept der Bank Leerau auch in einer anderen Region funktionieren?

Die Bank Leerau ist tatsächlich eine von wenigen Regionalbanken, die noch eigenständig sind, ohne Zusammenschluss. Ursprünglich gab es mal gegen 100 im Aargau. Die kleinen Banken sind tendenziell in ländlichen Gebieten. Ich glaube, es kommt nicht darauf an, in welchem Gebiet genau. Vor 181 Jahren wurde die Bank Leerau als Ersparniskasse Leerau gegründet und sie hat es geschafft mit vorsichtigem und bescheidenem Geschäften alle Krisen zu überstehen.

Die Eigenständigkeit ist nach wie vor das grosse Ziel?

Wir erachten dies als unseren Wettbewerbsvorteil im Moment und setzen alles daran, dass wir dies aufrechterhalten können. Sicher ist auch unsere Rechtsform als Genossenschaft eine wichtige Voraussetzung. Wir haben 2100 Genossenschafter und jeder hat nur eine Stimme. In einer genossenschaftlichen Form sind nicht die Ansprüche vorhanden wie bei einer börsenkotierten Aktiengesellschaft.

Spüren Sie Konkurrenz von den grossen Banken?

Die spüren wir. Wir spüren eigentlich alle Konkurrenten. Gerade heute, im Zeitalter der Digitalisierung, ist man ja standortunabhängig beim Anbieten vom Bankgeschäft, das sich eigentlich nicht unterscheidet. Es unterscheidet sich jedoch die Art und Weise, wie man berät. Am Schluss machen die Personen, die Mitarbeiter, das Persönliche den Unterschied. Das ist unsere grosse Stärke. Hier möchten wir uns von anderen Banken unterscheiden.

Mit der Pension des ehemaligen Bankleiters Emil Gafner verlieren sie eine regional verankerte Persönlichkeit. Haben Sie bereits einen Nachfolger gefunden?

Im Moment sind wir eine Dreier-Geschäftsleitung mit Martin Haller, Emil Gafner und mir. Mit der Pensionierung von Emil Gafner werden wir im Moment eine Zweier-Geschäftsleitung weiterführen. Ich werde mein Büro an den Standort Kirchleerau verlegen und Martin Haller bleibt am Standort in Schöftland. So ist von der Geschäftsleitung an jedem der beiden Standorte jemand auch physisch vertreten. Die Aufgaben von Emil Gafner, insbesondere das Rechnungswesen, werden wir auslagern. Es gibt heute Anbieter am Markt, die diese Arbeiten übernehmen. So haben wir die Risiken von Stellvertretungen und Ausfällen gut abgesichert.

Mit Doris Häuselmann gibt es eine weitere Pensionierung. Steht die Bank Leerau vor einem Generationenwechsel?

Ja, das kann man vielleicht schon ein bisschen sagen. Doris Häuselmann war 35 Jahre bei der Bank Leerau, Emil Gafner 33 Jahre. Einerseits zeichnet dies den Arbeitgeber, also die Bank Leerau und ihr Umfeld aus. Auf der anderen Seite kommt es aber irgendwann soweit: Es gibt nicht Fluktuationen, weil die Mitarbeiter die Stelle wechseln, sondern weil sie pensioniert werden. Jetzt haben wir zwei Pensionierungen in einem Jahr, dann gibt es ein paar Jahre lang keine Pensionierungen mehr. Die beiden Pensionierungen bieten nun auch Chancen, neue Mitarbeitende in die Unternehmung zu nehmen, die neue Ideen haben, andere Ansichten haben. Das ist bereichernd.

Was macht die Bank Leerau anders als die grossen Banken?

Wir sind überzeugt, dass Grösse alleine kein Erfolgsgarant ist. Wir haben ein Geschäftsmodell gefunden, das sich bewährt, in dem wir erfolgreich sind. Dieses Geschäftsmodell wollen wir nicht mit einer Wachstumsstrategie aufs Spiel setzen. Ich glaube, wir machen es einfach gut. Unser Modell kommt an und daran halten wir fest.

Hat die Bank Leerau somit keine Expansionspläne?

Nein, die gibt es nicht. Wir haben auch mit dem Neubau am klassischen Dienstleistungsangebot festgehalten. Es gibt auch weiterhin einen Bankschalter, an dem man Ein- und Auszahlungen machen kann. Es ist im Moment der Trend, Filialen oder Schalter zu schliessen. Solange es Bargeld gibt, macht ein Bankschalter Sinn. Davon sind wir überzeugt. Wir wollen unsere Kunden auch weiterhin am Schalter beraten können. Das ist für uns sogar die Gelegenheit, eine gute Beratung zu machen und neue Kunden zu gewinnen. Die Rückmeldungen der Kunden bestärken uns darin, dass der Bankschalter unbedingt beibehalten werden sollte.

 

Tag der offenen Türe

Heute Samstag findet von 10 bis 16 Uhr das Eröffnungsfest des Neubaus der Bank Leerau in Kirchleerau statt. Der Gemeinderat Kirchleerau hat drei Böllerschüsse als Startschuss zum Fest bewilligt. Die Dorfstrasse ist gesperrt und kann als Festplatz genutzt werden.

Einige Attraktionen:
> Besichtigung des Bankgebäudes und der Wohnungen
> Besichtigung der Neuheit 24-Stunden-Tresor
> Nostalgie-Kinderkarussell
> Hau den Lukas
> Ballonwettbewerb
> Zauberkünstler
> Verpflegung für alle

Zur Person

Stefan Züsli (15. Juni 1963) ist seit 24 Jahren bei der Bank Leerau. Seit acht Jahren ist er Vorsitzender der Geschäftsleitung. Er hat seine Ausbildung bei der Bank Reinach gemacht und war danach während zehn Jahren für den ehemaligen Bankverein tätig.

Züsli ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Söhnen, von denen zwei bereits ausgezogen sind. Er bewohnt mit seiner Familie in Gontenschwil ein älteres Bauernhaus mit Pferden und weiteren Tieren. Die Tierpflege nimmt einen grossen Teil der Freizeit von Stefan Züsli und seiner Frau ein. Er geniesst es aber auch, gemeinsam in den Bergen zu wandern oder seiner Leidenschaft, dem Velofahren, zu frönen. Während Stefan Züsli früher Strassenrennen fuhr, ist er nun immer mehr mit dem Bike im Wald anzutreffen.

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