Aargauer Traditions-Unternehmen Künzli stellt seine Schuhe künftig in Albanien her

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Das Türschild wird neu in Albanien hängen (zVg)

Noch bis vor Kurzem prangte auf dem Logo der Schuhfabrik Künzli das Schweizer Kreuz. Doch nun ist es weg. Genauso wie der Spruch auf der Webseite "Mit Herzbluet produziert i de Schwiiz." Denn in Zukunft werden die Schuhe der Aargauer Traditionsfirma aus Windisch in Fushë-Prezë, Albanien, hergestellt. Der Entscheid führt am Firmensitz zu einem Abbau von sechs Stellen in der Montage, wie Künzli-Inhaberin und –Geschäftsführerin Barbara Artmann sagt. "Dieser Entscheid ist mir sehr schwergefallen, aber es ist ein Entscheid für die Zukunft der Firma."

Die Nähereiarbeiten, die bisher bei einer externen Firma in Bosnien bezogen wurden, werden in Albanien mit der Montage unter eigener Regie zusammengeführt. Was in Windisch bleibt, sind die Design- und Produktentwicklung, das Produktmanagement, der Vertrieb, der Kundenservice, die Reparatur und die Spezialanfertigung.

Künzli, 1927 von Werner Künzli in Trimbach bei Olten gegründet, hat in letzter Zeit wie viele andere Textil- und Schuhproduzenten den Preisdruck und die Verlagerung der Kundenströme ins Internet zu spüren bekommen. "Es ist zwar noch nicht fünf vor zwölf, aber die Zwölf ist in Sichtweite", sagt Artmann, welche die Firma 2004 mit ihren rund 25 Angestellten übernahm.

Bekannt ist Künzli vor allem für seine Gesundheitsschuhe, die oft von den Krankenkassen bezahlt werden. Sie machen rund 80 Prozent des Umsatzes aus. Doch zuletzt stagnierte das Geschäft laut Artmann, da der Markt in der Schweiz begrenzt sei. "Vor allem im Export konnten wir nicht mehr zulegen wegen der Konkurrenz von günstigen Alternativprodukten wie Bandagen und Stützen", sagt Artmann, die genaue Umsatz- und Gewinnzahlen ihrer Firma nicht bekannt gibt.

Rechtsstreit verloren
Beim modischen Sortiment musste Künzli vor vier Jahren einen schweren Verlust verkraften. In einem juristischen Streit, der sieben Jahre dauerte, verlor Künzli gegen die US-Schuhfirma K-Swiss, die einst aus Künzli entstanden war. Wie Künzli pochte K-Swiss auf die exklusive Verwendung von fünf Streifen auf seinen Tretern. Die Amerikaner gewannen, da Künzli – der eigentliche Erfinder der Streifen – es verpasst hatte, das Design zu registrieren und so für sich zu sichern. "Das hat Künzli stark zurückgeworfen, was umso bitterer war, als wir bis dahin jedes Jahr deutlich wachsen konnten", sagt Artmann.

In der Folge lancierte Künzli modische Sneaker-Schuhe mit fünf Quadraten statt fünf Streifen. In den vergangenen zwei Jahren habe man aber viele Geschäftspartner verloren, insbesondere kleinere Schuhfilialen, die dem starken Preiswettbewerb und der Verlagerung ins Internet nicht gewachsen waren und gezwungen wurden, aufzugeben.

Auf Amazon verkauft Artmann ihre Künzli-Schuhe bereits. Kommt bald auch Zalando hinzu? "Das ist nur eine Option, solange wir die Hoheit über unsere Rechnungslegung und die Lieferung behalten können, so wie bei Amazon", sagt Artmann. Erfolgreich sei hingegen bereits der vor vier Jahren lancierte eigene Webshop, womit die Firma allerdings ebenfalls wie Zalando die Künzli-Geschäftspartner konkurriert.

Artmann erhofft sich mit der tieferen Kostenstruktur im Ausland wieder wachsen und für die Zukunft notwendigen Investitionen tätigen zu können. In Albanien seien die Personalkosten rund zehnmal günstiger. "Anders geht es nicht, auch wenn es die Aufgabe unserer Swissness im Logo bedeutet." Preiserhöhungen seien im umkämpften Markt zuletzt zwar nötig, aber schlicht nicht möglich gewesen.

Im Balkan-Land profitiere man aber nicht nur von günstigeren Löhnen, sondern von einem grossen Know-how. In den letzten zehn, fünfzehn Jahren hätten viele italienische Schuhhersteller ihre Produktion nach Albanien ausgelagert, sagt Artmann. "Die Kompetenzen sind vor Ort vorhanden." Insgesamt entstehen dort bis im Juli rund 20 Stellen.

Gestern verkündete Artmann vor der Belegschaft die Hiobsbotschaft. Die betroffenen Mitarbeitenden werde man bei der Neuorientierung unterstützen, betont Artmann. Auch habe sie das Verständnis beim Personal für den Entscheid gespürt. "Traurig war der Moment dennoch."

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