Hans Aemisegger: «Ich ziehe den Hut vor der Arbeit, die die Vereine leisten»

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Seit 2011 ist Hans Aemisegger der «oberste Fussballer» im Kanton Aargau. Die Balance zu finden zwischen seinem Amt als AFV-Präsident und dem Beruf ist für den Inhaber eines Architekturbüros nicht einfach. Pro Woche wendet er rund einen Tag für Verbandsarbeiten auf.

Hans Aemisegger, wenn Sie sich als Spieler zwischen dem Cupsieg und dem Meistertitel entscheiden müssten, wie würde Ihre Wahl ausfallen?
Hans Aemisegger: Der Meistertitel ist der Lohn für die Arbeit das ganze Jahr hindurch. Das ist sicher auch schön, spontan entscheide ich mich aber für den Cupsieg. Es ist ein Fussballfest mit vielen Zuschauern und du musst an einem Tag fit sein. Die Zuschauerkulisse und das ganze Ambiente rund um das Spiel bleiben für den Rest des Lebens haften.

Als Präsident des Aargauischen Fussballverbands (AFV) werden Sie beim Cupfinaltag in Frick am nächsten Donnerstag dem Sieger des Aktiven-Endspiels den Pokal überreichen. Wie sieht der Stand der Vorbereitungen aus?
Wir sind auf Kurs. Der FC Frick als Organisator ist bereit und freut sich auf den Anlass, auf die qualifizierten Vereine und auf möglichst viele Zuschauer. Und wenn der AFV feiert, ist das Wetter immer schön (lacht). Spass beiseite: Der FC Frick müht sich und ist für den Event gerüstet.

Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen dem AFV und dem Organisator des Aargauischen Cupfinaltags ab?
Der Verband gibt die Bedingungen vor, schaut die Sache mit den Vereinen vor Ort an und bietet Hilfestellungen an. Grundsätzlich gibt es aber ein Drehbuch, an das sich die Vereine halten müssen.

In diesem Jahr findet am gleichen Tag der Super-League-Knüller zwischen dem FC Basel und den Young Boys statt, zudem spielt der FC Aarau in Rapperswil und der FC Wohlen empfängt Servette. Wie ärgerlich ist diese Terminkollision?
Sehr. Vor allem für den FC Frick, der auf viele Zuschauer angewiesen ist. Es tut mir Leid für den Klub, denn er leistet grosse Arbeit. Wir haben beim Schweizerischen Fussballverband in Bern interveniert, worauf mich Adrian Knup (Anm. d. Red.: Mitglied Geschäftsleitung Swiss Football League) angerufen hat. Er erklärte, dass eine Verschiebung der Aarau- und Wohlen-Spiele auf Mittwoch nicht möglich ist, weil sie am Montag das Derby bestreiten – und dieses wird im Fernsehen übertragen. Ich habe mich schon vor einem Jahr geärgert, als an Auffahrt der Schweizer Cupfinal in Genf stattgefunden hatte. Wir haben uns danach beim SFV gemeldet und uns wurde in Aussicht gestellt, dass Aarau und Wohlen am Mittwoch spielen. Irgendwie hat es trotzdem nicht geklappt. Jetzt gilt es, den Entscheid zu akzeptieren. Toll ist das nicht, aber wir geben alles, dass viele Leute nach Frick kommen.

Bringt der Spieltermin an Auffahrt zu viele Probleme mit sich?
Momentan sind wir eindeutig der Meinung, dass wir an der Durchführung an Auffahrt festhalten. Das ist eine Tradition, die über 20 Jahre gewachsen ist und uns dazu verpflichtet, sie weiter zu führen. Gerade der Cup lebt von der Tradition und Emotionen. Deshalb verstehe ich es nicht, wenn der SFV ständig Ort und Termin des Cupfinals ändert. In Deutschland findet das Endspiel immer am gleichen Samstag in Berlin statt, dasselbe in England mit dem Wembley als Finalort. Nur in der Schweiz war nach den Halbfinals nicht klar, wo der Final ausgetragen wird. Das finde ich nicht gut und habe es den Verantwortlichen auch so mitgeteilt.

Trotz dieser unglücklichen «Nebengeräusche» ist der Aargauer Cupfinaltag ein Erfolgsprodukt. Warum?
Es ist der wichtigste und grösste Anlass, den der AFV durchführt, und an dem sich die Fussballfamilie trifft. Über den Tag verteilt sind zwischen 4000 und 5000 Zuschauer vor Ort, das letztjährige Finalspiel in Muri verfolgten 1800 Leute. Der Tag läuft feierlich und friedlich ab, es brauchte bis heute keine Polizisten oder Sicherheitspersonal. Den genauen Grund des Erfolgs kann ich nicht nennen, aber wir freuen uns, dass das so ist. Für den Verband sind Traditionen wichtig, und speziell der Cup lebt ja davon.

Welchen Stellenwert hat der Cupfinaltag für den AFV?
Einen sehr hohen. Dem Verband ist wichtig, dass dieser Anlass optimal organisiert ist und die teilnehmenden Vereine sehen, dass alles klappt. Für die Spieler stellt dieser Tag ein Highlight dar, das spüre ich jedes Mal. Egal, ob bei den kleinen oder bei den 50-jährigen Fussballern. Wir sind der Ansicht, dass der Cupfinaltag für Alle da ist. Deshalb lassen wir auch Menschen mit Behinderung spielen, das kommt sehr gut an – auch bei den Zuschauern. Wenn ich die leuchtenden Augen dieser Spieler sehe, finde ich das sensationell.

Wie können die Vereine vom Cupfinaltag profitieren?
Der Organisator durch die Einnahmen. Wenn der Anlass gut vorbereitet ist und alle Besucher verpflegt werden können, bleibt etwas in der Kasse übrig. Die genauen Zahlen kennt der AFV nicht, aber man darf von einem Gewinn im fünfstelligen Bereich ausgehen – vorausgesetzt, der Organisator macht seine Sache gut. Der Ertrag steht dem Verein vollumfänglich zu, denn der AFV muss keinen finanziellen Profit aus dem Cupfinaltag schlagen. Wir sind Ausrichter des Wettbewerbs und geben sogar Geld aus, beispielsweise in Form von Werbung oder Geschenken für die Sieger.

Der Eintritt am Cupfinaltag bleibt also weiterhin kostenlos?
Keinen Eintritt zu verlangen, ist ein wichtiger Faktor, damit möglichst viele Leute erscheinen und der Cupfinaltag zu einem Fest wird. Der organisierende Verein kann sich mit dem Verkauf von Essen und Getränken entlohnen. Für den AFV ist der Anlass nicht dazu da, um Gewinn zu machen. Es ist das Erlebnis, das zählt.

Wo sehen Sie beim Cupfinaltag noch Optimierungsbedarf?
Da kommt mir spontan nichts in den Sinn. Wir sind rundum glücklich damit, wie sich die Situation momentan präsentiert. Ich muss den Hut vor den Organisatoren der letzten Jahre ziehen. Ob Muri, Lenzburg, Wohlen, Brugg, Gränichen oder Schöftland: Das hat überall immer sensationell funktioniert. Schade ist einzig, das sich nicht jeder Verein für die Durchführung des Cupfinaltages bewerben kann, denn neben zwei grossen wird auch ein kleiner Rasenplatz für den 9er-Fussball benötigt. Das schränkt das Feld der Kandidaten ein und man weiss von den 85 Aargauer Fussballvereinen schnell, wer als Organisator in Frage kommt.

Ist es demzufolge schwierig, Vereine als Veranstalter für den Cupfinaltag zu gewinnen?
Nein, überhaupt nicht. Wenn der Anlass ausgeschrieben ist, erhalten wir immer Bewerbungen. Oft sind es mehrere, so auch in diesem Jahr. Der AFV achtet dann darauf, den Cupfinaltag ausgewogen zu vergeben, damit wir in allen Regionen des Kantons regelmässig zu Gast sind.

Tauscht man sich auch unter den Regionalverbänden in Sachen Cup aus?
Grundsätzlich findet ein reger Austausch unter den 13 Regionalverbänden statt. Komischerweise wird aber nie über den Cupfinaltag gesprochen. Ich denke, das hängt mit den unterschiedlichen Traditionen in den verschiedenen Regionen zusammen. Ausserdem ist es ein sportlicher Anlass, bei dem die Abläufe gleich sind. Es spielen immer zwei Mannschaften gegeneinander – mit zwei Siegern, wie ich zu sagen pflege.

Der Cupfinaltag zählt, gemeinsam mit dem Kickoff-Spiel, der Gala oder dem Allstar-Game zu den Highlights des Aargauer Fussballjahres. Welche innovativen Ideen hat der AFV für die Zukunft im Köcher?
Vorläufig keine. Einzig in der 4. Liga werden die Mannschaften künftig nach der Vorrunde in Meister- und Abstiegsgruppen eingeteilt. Danach ist die Zeit gekommen, diese Neuerungen wirken zu lassen. Wir dürfen die Vereine nicht überfordern.

Wie haben die Vereine auf diese Änderungen reagiert?
Sie scheinen glücklich zu sein, bisher sind keine negativen Meldungen zu mir durchgedrungen (lacht). Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb für die Vereine. Wenn sie etwas nicht wollen, machen wir das als Verband auch nicht. Aus diesem Grund sind wir oft auf den Fussballplätzen anzutreffen. Wir wollen die Vereine spüren, damit wir agieren können.

Apropos Zukunft: Welche Sorgen bereitet Ihnen die Stadion-Problematik rund um den FC Aarau?
Das ist ein leidiges Thema. Die Diskussionen über das neue Stadion Torfeld Süd des FC Aarau tun dem Fussball in der Region nicht gut. Der Aargau ist schon jetzt ein Kanton, der von allen Seiten bedrängt wird. Deshalb wünsche ich mir, dass alle Beteiligten gemeinsam Stärke zeigen und sagen: «Wir bauen das Stadion und stehen zur Spitze.»

Welche Auswirkungen hätte ein Stadion-Verzicht auf den Aargauer Regionalfussball?
Die Folgen will ich mir nicht ausdenken. Es ist für mich unvorstellbar, dass im Aargau ein Szenario wie im Kanton Solothurn eintreffen könnte. Früher war dieser durch den FC Solothurn und den FC Grenchen im Schweizer Spitzenfussball vertreten, und plötzlich ist er von der Landkarte verschwunden. Das tut nicht gut.

Wie stufen Sie die Situation des Aargauer Spitzenfussballs ein?
Er kränkelt ein bisschen. Als ich erfuhr, dass sich der FC Wohlen freiwillig zurückzieht, hat mir das grosse Sorgen bereitet – obwohl ich den Entscheid nachvollziehen kann. Vom FC Baden ist bekannt, dass er in finanziellen Schwierigkeiten steckt, und auch der FC Aarau kommt nicht vom Fleck. Das macht mir zu schaffen. Obwohl 98 Prozent der Aargauer Spieler im Breitenfussball zuhause sind, brauchen wir die Spitze – etwa als Vorbilder für die Jungen.

Wieso klappt das, was in der Breite zum Erfolg führt, nicht auch im Spitzenfussball?
Das ist schwer zu sagen. An der Spitze spielt der Faktor Geld eine grosse Rolle, während in der Breite mit Leidenschaft viel wettgemacht werden kann. Ohne jemanden zu kritisieren: Ich denke oft, was möglich wäre, wenn überall seriös gearbeitet werden würde. Ich bin davon überzeugt, dass jeder die Quittung erhält für das, was er im Leben gemacht hat.

Themawechsel: Sie sind AFV-Präsident und besitzen ein Architektur-Büro. Wie bringen Sie diesen Aufwand unter einen Hut?
Das geht nur mit Leidenschaft. Ich bin ein leidenschaftlicher Planer und übe meinen Beruf aus, seit ich 15 Jahre alt war. Als Architekt kann ich kreativ sein und habe mit Leuten zu tun, das ist für mich sehr wichtig. Im Fussball ist das genau gleich: Wenn ich mit Leuten zusammenarbeiten kann, die meine Leidenschaft teilen, finde ich das genial.

Seit 2011 sind Sie als Verbandspräsident tätig. Wie lange wollen Sie das Amt noch ausüben?
Ich mache es, solange die Lust vorhanden ist. Ein Datum habe ich keines fixiert. Am Ende bestimmen ohnehin die Vereine an der Delegiertenversammlung, ob sie mich oder jemanden anders als Präsidenten wollen. Diesen Entscheid gilt es dann zu akzeptieren. Aber die Arbeit macht mir viel Spass, wir sind ein gutes Team beim Verband und die Mischung auf der Geschäftsstelle stimmt ebenfalls. Das macht es einfacher, den Aufwand auf sich zu nehmen.

Können Sie sich eine Rückkehr als Trainer oder Sportchef vorstellen oder ist nach der Präsidentschaft «Schluss» mit Fussball?
Was ich nicht anstrebe, ist eine Karriere in Richtung Bern oder bei der Amateurliga. Bezüglich Rückkehr zu einem Verein muss ich sagen: Warum nicht? Wenn man körperlich fit und mehr Zeit vorhanden ist, erachte ich es als wichtig, dass auch ältere Leute in den Vereinen integriert werden. So, wie ich das verstehe, bilden Jung und Alt zusammen ein intaktes Vereinsleben. Deshalb ziehe ich den Hut vor der Arbeit, die die Vereine leisten. Wie zum Teil mit wenig Ressourcen so viele junge Leute bewegt werden, ist sensationell.

Schliessen wir den Bogen des Gesprächs und kehren zum Aargauer Cup zurück. Was wünschen Sie sich für den Finaltag?
Ich hoffe auf faire Spiele vor einer tollen Kulisse, und dass der Tag ein bleibendes Erlebnis wird. Ich bin überzeugt, dass der Cupfinaltag für alle Teilnehmer etwas Prägendes ist.

Wer gewinnt den Final?
Da muss ich politisch neutral bleiben (lacht). Ich erwarte ein offenes Spiel zwischen zwei Klubs, die den Cup in den letzten Jahren schon einmal gewinnen konnten. Hier der FC Klingnau, der sehr ambitioniert ist. Auf der anderen Seite der FC Suhr als Traditionsverein, der auf den gesperrten Stürmer Goran Antic verzichten muss. Ich wünsche den Erfolg beiden Klubs.

Zur Person
Hans Aemisegger wurde am 8. Januar 1956 geboren und wohnt in Unterkulm. Der Inhaber eines Architekturbüros ist verheiratet mit Anita und hat zwei erwachsene Kinder: Oliver und Fabienne. Zu seinen Hobbys zählt Aemisegger Motorradfahren, Lesen und Musik – sofern es die Zeit zulässt. Denn seine grosse Leidenschaft ist der Fussball: Als Schöftler Junior schaffte Aemisegger den Sprung in die Schweizer Nachwuchsauswahlen. Später war er Captain des SC Schöftland und Spieler in Gränichen sowie Spielertrainer in Reinach und Gontenschwil. Nach dem Karrierenende amtete Hans Aemisegger neun Jahre als Sportchef beim SC Schöftland und von 2009 bis 2011 als Präsident der Technischen Kommission des Aargauischen Fussballverbands. Seit 2011 steht er dem Regionalverband als Präsident vor.

Aargauer Cupfinaltag in Frick
Donnerstag, 10. Mai, 10 Uhr. Senioren 40+: Fislisbach - Frick. – Junioren C: Suhr - Wettingen. – Juniorinnen: Bremgarten - Zelgli Aarau. – 12.15 Uhr. Promi-Spiel: Reha Bellikon - PluSport Team 2000. – 13 Uhr. Senioren 30+: Mellingen - Würenlos. – Junioren B: Baden - Wettingen. – Junioren D: Suhr - Windisch. – 15.30 Uhr. Frauen: Bremgarten - Erlinsbach. – Junioren A: Brugg - Muri. – Senioren 50+: Othmarsingen - Juventina Wettingen. – 18 Uhr. Aktive: Klingnau (2. Liga) - Suhr (2.).

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