Die Aarburger Spitex wies zu hohe Kosten aus

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In den nächsten Jahren wird die Nachfrage nach Spitex-Dienstleistungen im Aargau markant steigen – für die Gemeinden bringt diese Entwicklung auch höhere Restkosten mit sich. Bild: Keystone/Gaetan Bally

Ab dem 1. Januar 2019 schliessen sich die öffentlichen Spitex-Organisationen Brittnau, Murgenthal, Oftringen, Rothrist, Vordemwald und Zofingen zu einer gemeinnützigen, nicht gewinnorientierten Aktiengesellschaft zusammen. Strengelbach entscheidet am 13. Juni an der Gemeindeversammlung (siehe Artikel unten). Als einzige Gemeinde in der Region nicht dabei ist Aarburg. Mit dem Wechsel zu einem neuen Spitexanbieter will sie 50 Prozent der Restkosten, die sie für die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu Hause zahlen muss, sparen. Die erste Auswertung nach drei Monaten zeigt, dass die Einsparungen höher sind als budgetiert. Der Aargauer Spitex-Verband hinterfragt die Zahlen (siehe Ausgabe vom Dienstag). Vor verfrühter Euphorie warnt auch Adrian Schmitter. Der CEO des Kantonsspitals Baden ist Gemeinderat von Rothrist, wirkt in dieser Funktion im Vorstand der Spitex Rothrist mit und ist Mitglied der Steuerungsgruppe Koordination Pflegegesetz des Regionalverbands zofingenregio.


Adrian Schmitter, die Gemeinde Aarburg präsentiert nach drei Monaten mit ihrem Modell beachtliche Einsparungen. Kann die Spitex Rothrist dies auch?
Adrian Schmitter: Der Spitex-Verein Rothrist präsentiert nicht erst seit drei Monaten, sondern schon seit sechs Jahren solche Zahlen wie es nun Aarburg tut und dies nicht nur bei den medizinischen, sondern auch bei den übrigen Kosten. Es gilt zu bedenken, dass die Aarburger Spitex vor dem Wechsel extreme hohe Kosten auswies. Nun befinden sich diese auf einem durchschnittlichen Niveau der umliegenden Spitex-Organisationen. Ein Grund war sicher, dass in Aarburg kein Vertreter des Gemeinderates im Vorstand der Spitex Einsitz hatte. Damit fehlte die Einflussnahme durch den Gemeinderat. Hätten sie sich an den anderen, gut geführte Spitex-Vereinen orientiert, hätte es finanziell geklappt. Beim neuen Aarburger Modell gilt es genau hinzuschauen, welche Leistungen erbracht werden. Also ob neben der Krankenpflege auch hauswirtschaftliche Leistungen, der Mahlzeitendienst, die Ausbildung und gesetzlich vorgeschriebene Spezialgebiete erbracht werden.


Kann die neue Spitex-Organisation überhaupt Kosten einsparen?
Primär muss die Spitex helfen, die Kosten im stationären Bereich, sowohl im Pflegebereich, als auch im Spitalbereich dämpfen zu können. Im Pflegebereich können damit zum Beispiel teure Bettenausbauten vermieden werden, da durch ein vergrössertes Spitex-Angebot mehr Menschen zu Hause betreut werden können. Die regionalisierte Spitex kann zudem im administrativen und organisatorischen Bereich der Spitex weitere Einsparungen realisieren. Die Erfahrungen in Brugg haben gezeigt, dass es da namhafte Beträge sind. Zofingenregio hat eine Vergleichsrechnung mit regionalisierten Spitex-Organisationen aufgestellt. Es wird damit gerechnet, dass der Aufwand pro verrechnete Stunde um 10 Prozent sinken dürfte. Dabei muss berücksichtigt werden, dass diese Einsparungen im nicht pflegerischen Bereich zustande kommen und die Kunden damit in keiner Art und Weise von Sparmassnahmen negativ betroffen sind. Weil die Spitex per Gesetz noch mehr Dienstleistungen anbieten muss, rechnet der Verband mit einem zusätzlichen Effizienzgewinn. Grundsätzlich führt die Fusion zu einer Kostensenkung im Gesundheitsbereich. Wir haben aber bereits in der Gründungsphase schon einige Kosten eingespart.


Inwiefern?
Bei der Findung des Verwaltungsrates haben wir auf das teure Headhuntingverfahren verzichtet und haben den Weg mit der öffentlichen Ausschreibung gewählt. Das spart einiges Geld ein. Auch im Bereich der IT haben wir eine effiziente und kostengünstige Lösung wählen können, von der alle Spitex-Organisationen profitieren werden. Mit dem Hauptsitz im ehemaligen Raiffeisengebäude in Vordemwald fallen auch viel tiefere Mietkosten als geplant an. Zudem haben wir praktisch keine Ausgaben für das Mobiliar, weil wir dieses kostenlos übernehmen dürfen.


Die Steuerungsgruppe ist aktiv. In Vordemwald entsteht der Hauptsitz der neuen Organisationen, deren Name Spitex Region Zofingen AG lautet. Wäre für solch wichtige Entscheide nicht der Verwaltungsrat verantwortlich?
Nein, denn wir haben von allen sechs mitmachenden Gemeinden die Befugnis, den Standort, den Namen und die Besetzung des Verwaltungsrates zu bestimmen. Wir haben die uns erteilte Kompetenz wahrgenommen, weil die Zeit drängt und wir vor allem vorwärts kommen wollen. Bis zum 1. Januar 2019 gibt es noch viele Pendenzen. Bei der Entscheidung zum Standort haben wir ausschliesslich nach sachlichen und fachlichen Kriterien entschieden.


Dennoch stellt sich die Frage, weshalb gerade Vordemwald?
Wenn wir effizient sein wollen, dann müssen wir an einen Ort, der für alle schnell erreichbar ist. Dies um Zeit und Kosten zu sparen, weil sich die Mitarbeiter regelmässig treffen. Zudem ist wichtig, dass der Standort über preiswerte und genügend Parkplätze verfügt. Die Anfahrt erfolgt mit Fahrzeugen, weil danach Einsätze bei den Klienten anstehen. Wir haben bei der Wahl des Standorts darauf geachtet, wie die Erreichbarkeit von allen Stützpunkten ist. Vordemwald ist ideal gelegen und liegt nicht an den stockenden Verkehrsachsen. Der ehemalige Sitz der Raiffeisenbank ist für uns als Hauptsitz eine rundum ideale Liegenschaft.


Alle Spitex-Stützpunkte bleiben bestehen und alle Mitarbeitende erhalten neue Arbeitsverträge. Unter anderem werden die Administration und die Buchhaltung am Hauptsitz zusammengeführt. Das heisst, es braucht künftig nicht mehr sechs Buchhalter. Es gibt also doch Entlassungen?
Wir können sicher alle Personen im Pflegebereich übernehmen. Es kann Verschiebungen, Veränderungen und Kombinationen insbesondere in den Bereichen Finanzen, Informationstechnik und Gesamtleitung geben. Die Entscheidung liegt beim Verwaltungsrat. Es kann sein, dass dieser diese Posten öffentlich ausschreibt.


Die Spitex-Vereine werden nächstes Jahr aufgelöst? Was geschieht mit dem Vermögen der einzelnen Vereine?
Da gibt es verschiedene Lösungsansätze, weil jeder Verein andere Statuten hat. In Rothrist ist festgehalten, dass das Vermögen an die Gemeinde oder eine gleichen Organisation in der Gemeinde kommt. Weil die neue Organisation ihren Sitz aber nicht mehr in Rothrist hat, müsste es via Gemeinde in die neue Spitex Region Zofingen AG einfliessen. Der andere Weg ist an der nächsten GV eine Statutenänderung zu beschliessen, die erlaubt, dass das Vermögen in eine gleiche, regionale Organisation überführt werden darf. Die Abklärungen laufen hier mit jedem Verein.


Wozu braucht es einen Gönnerverein?
Wir sind ursprünglich davon ausgegangen, dass dieser in der Region nicht mehr realisierbar ist. Wir durften jedoch feststellen, dass andere regionale Spitex-Organisationen erfolgreich einen Gönnerverein betreiben. Es geht um den Zusammenhalt, die Identifikation und Information. In Rothrist werden wir wohl im nächsten Frühling mit der Rechnung die Mitglieder informieren, dass sie mit dem Einzahlen Mitglied des regionalen Gönnervereins sind.

Strengelbach: Spitex-Fusion zum Zweiten

In rund einem Monat kommt der Beitritt zur regionalisierten Spitex nochmals vor die Gmeind.

Die Strengelbacher Stimmbürgerinnen und Stimmbürger befinden an der Gmeind vom 13. Juni erneut über die Zukunft ihrer Spitex: Sie müssen entscheiden, ob sie bei der Fusion mitmachen oder nicht. Bereits letzten Herbst stand das Stimmvolk vor dieser Frage. An der Gemeindeversammlung vom 24. November lehnte es den Beitritt zur regionalisierten Spitex knapp ab. Stattdessen hiess es einen Antrag des Seniorenzentrums Hardmatt gut, das den Gemeinderat beauftragte, mit ihm eine Leistungsvereinbarung abzuschliessen. Ein Komitee aus Mitgliedern von CVP, FDP und SP sowie Spitex-Mitarbeiterinnen ergriff daraufhin das Referendum. Die Gruppe sammelte Unterschriften, um das Hardmatt-Modell an die Urne zu bringen. Am 4. März kam es schliesslich zur Abstimmung. Der Souverän lehnte den Abschluss einer Leistungsvereinbarung mit dem Seniorenzentrum deutlich ab. Das Komitee reichte daraufhin beim Gemeinderat eine weitere Initiative mit 454 gesammelten Unterschriften ein. Diese beauftragte ihn, den Beitritt zur Fusion am 13. Juni erneut der Gemeindeversammlung vorzulegen.

Zukunftsfähige Lösung

Das Initiativbegehren entspricht exakt dem damaligen Antrag des Gemeinderates an der Gmeind: Die Übernahme der Trägerschaft der Spitex Region Zofingen und die Gründung der neuen Aktiengesellschaft als nicht gewinnorientierte Aktiengesellschaft anfangs 2018. Die Betriebsübernahme soll per 1. Januar 2019 erfolgen. Der Antrag beinhaltet weiterhin die Zustimmung zur Zeichnung des Aktienkapitals der Gemeinde von 42 000 Franken. «Die regionalisierte Spitex bietet eine auf lange Sicht zukunftsfähige und sichere Lösung, um die vom Pflegegesetz vorgesehenen Leistungen längerfristig zu erfüllen», schreibt das Komitee in der Initiative. Verwaltung und Planung würden regionalisiert, die Leistungen weiterhin von den bestehenden Stützpunkten mit dem bestehenden Personal erbracht. «Darüber hinaus ist die regionalisierte Spitex für Mitarbeitende ein attraktiver Arbeitgeber, was sich unmittelbar positiv auf die Qualität der Dienstleistungen auswirkt.» Die regionale Spitex-Organisation garantiere zudem die öffentliche Mitsprache der beteiligten Aktionärsgemeinden.

Der Gemeinderat hat nun eine Vorlage für das Geschäft ausgearbeitet. Er unterstützt die Initiative; erachtet die Regionalisierung als langfristig nachhaltige Lösung für die Entwicklung und Sicherstellung der ambulanten Pflege. «Damit können die heute guten Leistungen sowie das Know-How gebündelt genutzt und weiterentwickelt werden», heisst es in der Vorlage.

Der Spitex-Verein Strengelbach-Vordemwald-Brittnau hat im letzten Winter seine Auflösung per 31. Dezember dieses Jahres beschlossen. Sollten sich die Stimmbürger im Juni gegen den Beitritt zur fusionierten Spitex entscheiden, wird der Gemeinderat eine Übergangslösung prüfen müssen, damit die gesetzlich verlangte Hilfe und Pflege daheim ab dem 1. Januar 2019 weiter angeboten werden kann. Später würde er mögliche Alternativen prüfen, etwa in Form einer öffentlichen Ausschreibung.

von Caroline Kienberger

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