«Die Jungs werden mir am meisten fehlen» – eine Ära im Restaurant Moosersäge geht zu Ende

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«Es ist halt schon ein Loch»: Annette Steffen über die Lage der «Moosersagi» ganz hinten im Uerkental. RAHEL PLÜSS
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Annette Steffen

Eigentliche wollte sie als Norddeutsche nur einmal die Berge sehen, ein Jahr in der Schweiz verbringen. Doch es kam anders. Was Mitte der 70er-Jahre mit einer Saisonstelle als Ernährungsberaterin und einer Liebesgeschichte im Luzerner Kurhaus Sonnmatt begann, wurde zu einem Lebenswerk im obersten Zipfel des Uerkentals, an der Kantonsgrenze Aargau/Luzern.

Seit 36 Jahren führen Annette (67) und ihr Mann Kurt Steffen (69) das Restaurant Moosersäge im gleichnamigen Ortsteil von Wiliberg. Jetzt hören sie auf. Am 25. und 26. Mai ist Austrinkete.

«Die Jungs werden mir fehlen»
Gelächter am Stammtisch. Die Stimmung unter den Gästen ist gut an diesem Sonntagmorgen. Annette Steffen gesellt sich dazu, klopft einem der Männer auf die Schulter, verschenkt da ein Lächeln und dort ein gutes Wort.

«Meine Jungs werden mir am meisten fehlen», sagt sie nachher drüben im Saal, wo die Stimmen aus der Gaststube nur noch gedämpft zu hören sind. 36 Jahre sind eine lange Zeit. Annette Steffen hat immer gerne gewirtet, auch wenn sie sich nie von sich aus für diesen Weg entschieden hatte – sehr wohl aber für den Mann an ihrer Seite. Und dieser hatte fürs Leben gerne gekocht und bereits von seinem eigenen Restaurant geträumt, als sie sich kennen gelernt und er noch als Küchenchef im Luzerner Kurhaus Sonnmatt gearbeitet hatte.

Bis die beiden die «Moosersagi», wie die Leute hier sagen, übernehmen konnten, sollte es aber noch einige Zeit dauern. Das Paar machte zunächst einen Umweg über die Landwirtschaft: Auf dem Schweinezuchtbetrieb des Schwiegervaters im Reidermoos wurde ihre Hilfe benötigt.

Hunderte Konfirmationsessen
1982 war es dann so weit: Annette und Kurt Steffen starteten in der «Moosersäge». «Der Einstieg war nicht leicht», erinnert sich die Wirtin. Vor allem für sie als Quereinsteigerin nicht. «Ich habe die Wirteprüfung gemacht, der Rest war learning by doing.» Doch die beiden kamen schnell in Fahrt. Ihr Angebot war weitherum beliebt.

Hunderte von Konfirmations- oder Taufessen und andere Familienfeste sowie unzählige Vereinsanlässe haben in ihrem Saal – oder bei schönem Wetter draussen auf der Gartenterrasse – stattgefunden. Neben dem gutbürgerlichen Essen schätzten die Gäste die schönen Dekorationen und Blumenarrangements, die Annette Steffen immer mit Hingabe selber gestaltete. Das war eine ihrer liebsten Tätigkeiten. In der Küche machte ihr das Zubereiten von kalten Platten und Desserts am meisten Freude.

In den vergangenen Jahren hatte sie vermehrt auch das Kochen übernommen, weil ihr Mann zunehmend gesundheitliche Probleme hatte. Auch beim heutigen Gespräch kann er nicht teilnehmen. Die Doppelbelastung zehrte an den Kräften der Wirtin. Trotzdem wollte sie weitermachen. Aufzuhören, bevor ein Nachfolger für das Restaurant gefunden war, kam nicht infrage.

«Wir wollten einfach nicht, dass die ‹Mosersagi›, die seit 1873 ein Restaurant ist, zweckentfremdet wird», sagt sie. «Jetzt sind wir sicher, dass keine Wohnungen draus gemacht werden. Darauf sind wir stolz.» Neuer Besitzer und Wirt wird Oskar Urech, der seinen «Haldenhof» Hallwil (Einkaufs- und Erlebnisbauernhof) in andere Hände übergibt. Am 1. August will er die «Moosersäge» wiedereröffnen.

Annette und Kurt Steffen gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nicht nur die Gäste, auch die treuen Angestellten werden ihnen fehlen. Da ist sich Annette Steffen sicher. «Wir hatten es immer sehr gut und lustig untereinander. Ich glaube, das haben die Gäste gespürt und sich deswegen auch wohl gefühlt.» Die «Moosersagi»-Wirtin ist eine Frohnatur – und mit ihrer offenen, schlagfertigen Art um keinen Spruch verlegen.

Wegzug nach Grindelwald
Trotz der vielen guten Kontakte werden Kurt und Annette Steffen die Region verlassen. Seit rund sechs Jahren haben die beiden ein zweites Domizil in Grindelwald, das nun zu ihrem neuen Daheim werden soll. «Dort habe ich endlich wieder Weitblick», sagt die Wirtin und lacht. «Es heisst hier zwar Wili-Berg, aber es ist halt schon im Loch.»

Auch freut sie sich auf mehr freie Zeit. Zeit, um wieder einen Hund zu halten oder mal ins Kino, ins Konzert oder zu einem Familienfest zu gehen. In ihre Heimat ist sie in den vergangenen Jahren nur selten gereist. «Es war einfach zu weit und zu wenig Zeit.» Das wird sich jetzt ändern. Annette Steffen freut sich. Die Reise zu ihrer Familie an die Ostsee ist schon gebucht.

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