Pfingsten als Energiebooster

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Bild: Max Hartmann

Es gibt Tage, da haben Mann und Frau so viel Energie, als könnten sie Bäume ausreissen. Es ist ein fantastisches Gefühl. Gut ist auch, wenn die Kraft ausreicht, den Alltag sinnvoll zu bewältigen. Doch es gibt Tage, da ist die Energie gleich null. Die Kraft und Motivation fehlen. Eine innere Unruhe quält, negative Gedanken nehmen überhand.

Ein Energiebooster müsste her – etwas, das neu antreibt und den leeren inneren Tank füllt. Ab und zu braucht es dringend einen frischen Wind. Nur so einfach lässt es sich nicht machen. Geduld ist nötig. Es kann sich aber auch ein neuer Schub unerwartet melden.

«Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.» Das war der letzte Satz von Jesus, bevor er sich aus seiner sichtbaren Präsenz in dieser Welt entzog. Was meint er damit? Wann soll was geschehen? Diese Fragen werden wohl alle bewegt haben. Der Grund ihrer Hoffnung, Jesus Christus, wurde gekreuzigt. Danach war nur noch Verzweiflung. Wider jede Erwartung kam es zu mehrfachen Erscheinungen des auferstandenen Jesus. Doch nun war er endgültig weg.

Zehn Tage später geschah es. Der Geist meldete sich. Er kam wie ein gewaltiger Sturm. Zungen wie Feuer legten sich über die einzelnen. Es war ein gewaltiger Energiebooster. Die Folgen davon sind bis heute spürbar. Eine neue Bewegung entstand. In wenigen Jahren wurden christliche Gemeinschaften in allen grösseren Orten des römischen Reiches gegründet. Die damaligen Machthaber sahen sich dadurch bedroht. Da gab es Leute, die behaupteten, nicht der Kaiser, sondern Jesus Christus sei der wahre Herr. Heftige Verfolgungen konnte die Ausbreitung des christlichen Glaubens nicht stoppen. Heute ist diese neue Bewegung längst globalisiert. Die Mehrzahl der Gläubigen lebt ausserhalb von Europa. In Europa allerdings erscheint die christliche Kirche weniger dynamisch. Es ist von einem «postchristlichen Zeitalter» die Rede.

Deutlich wird: Die Vormachtstellung der Kirchen löst sich auf. Eine Kirchenmitgliedschaft ist längst nicht mehr selbstverständlich. Ist das zu beklagen? Schmerzhaft ist es, wenn ich zum Beginn meiner Arbeit den Briefkasten leere und schon wieder einen Austritt finde. Was mache ich, was machen wir falsch?

Was eigentlich macht eine Kirchenmitgliedschaft aus? Wie war es im Ursprung gemeint? Müssen wir die Vormachtstellung der Kirchen über Jahrhunderte nicht auch kritisch sehen?

Wie oft erlagen sie der Versuchung, sich allzu sehr in eine Machtrolle zu verstricken, die dem Geist Jesu widerspricht? Waren die Leute damals aus eigener Überzeugung Christen oder musste man es sein, um nicht ausgegrenzt zu werden?

Eine neue Bewegung bleibt nie dauerhaft dynamisch. Es kann sehr wohl sein, dass sich ein anderer Geist als der ursprüngliche einnistet. Die Bewegung wird zur Institution. Reglemente entstehen, Ordnungen, Paragraphen. Sie können übermächtig werden.

Offensichtlich ist: Nicht nur jeder Mensch, auch jede Gemeinschaft und Institution braucht ab und zu einen «Energiebooster», einen neuen Energieschub. Im Blick auf die Kirchen ist es ein «neues Pfingsten». In einem unserer Kirchenlieder wird die Bitte um den Heiligen Geist zu einem Gebet gefasst. Die etwas altertümlichen Worte sind höchst aktuell. «O so send ihn uns hernieder, uns als neuer Lebenssaft dringe er durch alle Glieder und belebe sie mit Kraft. Fache an der Liebe Glut, weck der ersten Zeugen Mut.»

Erneuerung, frischer Wind, Heiliger Geist tut Not. Und es geschieht bereits. Sogar in alten Kirchen ist oft mehr Leben, als von aussen wahrgenommen wird. Viele sind engagiert dran, sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen. Wichtig erscheint mir, dass die notwendige Erneuerung nicht gegen oben delegiert wird. Kirchenleitungen sind mitgemeint. Aber oft meldet sich das neue Leben von unten her.

Gottes Geist weht auch heute. Zumeist geschieht es sanft und leise, hie und da wird es zu einem Sturm, wo es schüttelt und rüttelt und sich zeigt, was wirklich Bestand hat. Dazu gehört, dass sowohl die Kirchen und freikirchlichen Gemeinschaften als auch die einzelnen Christinnen und Christen sich nicht länger gegenseitig ausgrenzen, sondern neu in dem verbinden, was sie eins macht: Jesus Christus.

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