Mit einer Lok unter Volldampf von Cadenazzo nach Luino

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Urban Zimmerli mit einem seiner Fotoalben –ein stolzer Lokführer auf «seiner» 2954. bkr

In diesen Tagen wird er 90 Jahre alt – der pensionierte Lokomotivführer Urban Zimmerli aus Aarburg. Er gehört einer Generation an, die noch auf Dampflokomotiven ausgebildet wurde. Er ist überzeugter Gewerkschafter geblieben und gab an der Zofinger 1.-Mai-Kundgebung in seinem Referat Einblick in die Arbeitswelt eines «Bähnlers» während der 1950er-Jahre.

Die Faszination für die Eisenbahn wurde beim jungen Urban Zimmerli während des Zweiten Weltkriegs in der Sekundarschule Oftringen geweckt: « Wir lasen Niklaus Riggenbachs – Erfinder des Zahnradbahnsystems und der Gegendruckbremse – Biografie. Dieses Büchlein hat mich begeistert».

Auf dem Weg zum Lokführer absolvierte er erst eine Mechaniker-Lehre und war danach bei Franke in Aarburg tätig. Eine Zeit, die Zimmerli in sehr guter Erinnerung hat: «Patron Walter Franke war äusserst kreativ und präsentierte alle zwei Wochen ein neues Produkt». 1950 wird Zimmerli Fahrdienstanwärter. «Im damaligen Ausbildungsprogramm waren zuerst 300 Tage in einer SBB-Hauptwerkstätte zu absolvieren, um den Aufbau einer Lok kennen zu lernen». Weil es im Depot Bellinzona zu wenig Heizer gab, wurde Zimmerli auf eine Dampflok eingeschult. Mit Dampf wurden Personenzüge von Como nach Chiasso gezogen – der unterschiedlichen Bahnstromsystem wegen. Zudem war die Linie Cadenazzo-Luino dampfbetrieben und rangiert wurde ebenfalls mit Dampfloks.

Die Arbeitszeiten? «Die betrugen 11 Stunden pro Tag. Pro Jahr gab es 56 arbeitsfreie Tage – 52 Sonntage sowie Neujahr, Karfreitag, Auffahrt und Weihnachten.» So sei das bis 1957 geblieben. Rasch ist das Gespräch zurück im Bereich der Eisenbahntechnik und einem fachbuchwürdigen Exkurs zum Thema. Eisenbahnwagen wurden zur Dampflokzeit mit Dampf beheizt. Spannte man vor solche Wagen eine elektrische Lok, dann musste in Heizwagen mitgeführt werden. «Einmal war ich auf so einem Wagen eingeteilt. Es handelte sich um einen sogenannten Agentur-Zug, der Italienische Gastarbeiter aus Belgien für die Feiertage in ihre Heimat brachte».

Februar 1956 – Eiseskälte – Zimmerli absolviert die praktische Führerprüfung. «Diese dauerte zwei Tage. Am ersten Vormittag war ein mit Dampflok bespannter Güterzug von Muttenz nach Delsberg zu führen. Selbst auf der Dampflok im dicken Eisenbahnermantel.» Die letzten zwei fahrplanmässigen Personenzugsverbindungen mit Dampflok wurden 1960 eingestellt. Darunter jene im Wehntal mit einer Endstation direkt an der Grenze zum Aargau. Zimmerli erinnert sich gerne und gut an vergangene Zeiten, ist aber genauso à jour und lobt gute und richtige Weichenstellungen der SBB-Führung.

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