Was hat Jodeln mit Ramadan zu tun?

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Iftikhar Zafari erklärt seinen Gruppenmitgliedern, welche Traditionen er aus seinem Heimatland Pakistan kennt. (Foto:rzu)

Ein blauer Ball macht die Runde. Dreissig Menschen sitzen in einem Kreis und stellen sich vor. Das erinnert an den ersten Schultag. Die meisten haben diesen aber schon lange hinter sich. Da sitzt beispielsweise eine Schötzerin, die ihr 80. Lebensjahr schon lange erreicht hat. Eine andere stellt sich vor und sagt: «Ich komme hierher, damit ich Gesichter sehe, die ich sonst nicht sehe.» Ein Dutzend der Anwesenden sind Schötzerinnen und Schötzer. Sie treffen an diesem Montagabend auf Menschen, die sich noch nicht lange in der Schweiz befinden: auf Asylsuchende.

28 Alleinstehende und fünf Familien, die im Asylverfahren stehen, leben in Schötz. Ob das Dorf nur eine Station ist oder es ihr langfristiges Zuhause wird, wissen sie nicht. Sie warten auf ihren Asyl-Entscheid. Viele kommen aus Afghanistan, und viele lieben Fussball. Immer mehr trudeln ein, der Sitzkreis füllt sich wie ein Fussball, der aufgepumpt wird. Aufgepumpt mit Neugierde – wer kommt noch, wer ist das? Letztendlich sind mehr als die Hälfte der in Schötz lebenden Asylsuchenden in den Pfarrsaal gekommen. Da sind beispielsweise Iftikhar, Sarwari und Mohammad.

Jeden dritten Montag findet in der Gemeinde die Veranstaltung Tea and Talk statt. Das ist die vierte Veranstaltung, Anfang Jahr hat die Asylkommission mit Freiwilligen und den Asylsuchenden das Treffen ins Leben gerufen, um den Austausch von Patinnen und Asylsuchenden zu vereinfachen. Diese Patenschaften sind ein Bestandteil der Asylkommission und damit der Integrationsbestrebungen der Gemeinde. Mit ihnen sollen die Asylsuchenden flankierend durch Arbeit, Freizeit und Deutschunterricht integriert werden.

Nr. 7 ist der beliebteste Posten

Nach der Vorstellungsrunde nimmt Linus Fischer, ebenfalls Pate, das Zepter in die Hand. Er löst die Anspannung auf und teilt den Sitzkreis in verschiedene gemischte Gruppen mit Schweizerinnen und Asylsuchenden auf. Dann erklärt er die Posten, bei denen sich die Gruppen besser kennen lernen sollen. Die Posten beinhalten Denkaufgaben und Gesprächsthemen: «Erzählt uns, was Ramadan ist; wir erzählen euch, was das Jodlerfest ist.»

An einem Tisch sitzen beispielsweise die ehemalige Theologin Marie-Theres Kaufmann und Iftikhar Zafari, der vor drei Jahren aus Pakistan in die Schweiz geflüchtet ist. Sie sprechen über Traditionen. Kaufmann hatte in der Vergangenheit eine Frau aus Sri Lanka bei sich aufgenommen, die über 23 Jahre bei ihr lebte. Nun hat sie wieder eine Frau aus Sri Lanka bei sich beherbergt. «Ich wollte wieder einen Flüchtling aufnehmen», sagt die über 80-Jährige. Auch Iftikhar Zafari kommt gerne an die monatliche Veranstaltung ins Pfarrheim. «Hier kann ich Leute kennen lernen, Deutsch sprechen; und wir haben Unterhaltung.» Die Gespräche beginnen bei Traditionen und enden meist bei kulturellen Unterschieden wie beispielsweise den Rollenbildern von Mann und Frau. Sprachliche Lücken werden durch die englische Sprache überbrückt. Der beliebteste Posten ist die Nummer 7, der Töggelikasten. Hier gibt es keine kulturellen Unterschiede.

Integrationsgruppe in Reiden

Kanton und Gemeinden sind gemäss Ausländergesetz (AuG, Artikel 53) verpflichtet, die Integration der Ausländerinnen und Ausländer zu fördern. Der Spielraum ist jedoch gross, einen Integrationsauftrag hat die Gemeinde nicht. In anderen Gemeinden springen vielfach auch Vereine und Integrationsgruppen in die Bresche. Gemäss der Fachstelle für Beratung und Integration von Ausländerinnen und Ausländern (FABIA) gibt es in Dagmersellen die Integrationsgruppe Espera. Sie bietet Anlässe wie Asyltreff, Café International oder Deutschkurse an. In Nebikon gibt es das «Kontaktnetz», in Reiden eine Integrationsgruppe. In Schötz ist es die Asylkommission, die seit 2017 Integration fördert.

«Es ist sehr schwer, sich ohne Hilfe der ansässigen Bevölkerung zu integrieren», sagt Gemeinderätin Ruth Bachmann-Schärli auf die Frage, wieso die Gemeinde die Kommission vor einem Jahr ins Leben gerufen hat. «Je mehr wir einander kennen lernen, umso mehr lernen wir miteinander zu leben und einander Respekt entgegen- zubringen.» Je besser sich die Asylsuchenden integrierten, umso so höher sei die Chance, dass sie mittelfristig auf den eigenen Beinen stehen könnten. Die Gemeinde macht gute Erfahrungen mit den Asylsuchenden. Und auch das Feedback aus der Bevölkerung sei gut, sagt Bachmann.

An der letzten 1.-August-Feier zum Beispiel haben Asylsuchende serviert. Damals befürchtete die Gemeinderätin, dass das bei der Bevölkerung nicht so gut ankommen könnte. Es zeigte sich aber: Die Bedenken waren völlig unbegründet. Nun sollen die Asylsuchenden auch am Jodlerfest mithelfen, das in wenigen Wochen stattfindet. Iftikhar Zafari willigt ein, als ihn eine Schötzerin im Pfarrsaal fragt, ob er mithelfen möchte. Aber eins nach dem anderen: Zuerst erklärt sie ihm, was das überhaupt ist, dieses Jodeln.

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