Littering: Die Gemeinde Rothrist sucht freiwillige «Fötzeler»

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Esther Marbach (v. l.) erhält von Gemeindeammann Ralph Erismann, Stv. Werkhofchef Walter Braun und Gemeinderat Hans Rudolf Sägesser eine Leuchtweste. Foto: Bruno Muntwyler

«Wir Menschen machen die Natur kaputt. Die Natur jedoch kann ohne uns, wir aber nicht ohne sie», sagt Esther Marbach. Die Rothristerin sammelt seit Jahren auf freiwilliger Basis Abfall zusammen. Fast täglich ist sie unterwegs, zu Fuss oder mit dem Velo, und trägt Abfallsack um Abfallsack zum Werkhof zum Entsorgen. Von der Gemeinde erhält sie Gebührensäcke – auch zum privaten Gebrauch – und Handschuhe. Am Freitag überreichten Gemeindeammann Ralph Erismann, Gemeinderat Hans Rudolf Sägesser und der stellvertretende Werkhofchef Walter Braun Esther Marbach eine Leuchtweste. Gleichzeitig versprachen sie, weitere Freiwillige zum Abfallsammeln zu motivieren.

Unterstützung durch Vereine
«Es ist wichtig, schon die Jungen zu sensibilisieren», waren sich Esther Marbach und die Gemeindevertreter einig. Darum würden schon seit einiger Zeit die Schüler rund um die Schulhäuser «Fötzelen». Hans Rudolf Sägesser ist sich sicher, dass er auch Jugendliche zum Mitmachen motivieren kann. Ausserdem sollen Vereine entsprechend sensibilisiert werden. Auch rüstige Rentner möchte Hans Rudolf Sägesser zum Mithelfen einladen. Ferner sollen Asylbewerber als Unterstützung für den Werkhof für Littering und Landschaftspflege-Arbeiten eingesetzt werden. Die ersten Einsätze sind laut Walter Braun schon für die nächsten Tage geplant.
Das Ziel ist, dass sich mehrere Zweier-Teams bilden, die dann ein zugeteiltes Gebiet von Abfall befreien. Bis es so weit ist, wird Esther Marbach auch weiterhin alleine oder mit der Unterstützung der Rothristerin Heidi Sutter den Strassen entlanggehen und Abfall einsammeln. «Ich habe mir zum Ziel gesetzt: 1000 Stück Aludosen, PET-Flaschen, Glasflaschen oder Getränkekartons im Monat einzusammeln», sagt die 64-Jährige. Die Statistik führt sie ganz genau: Bis vergangenen Freitagabend hat sie 6478 Stück zusammengelesen – und damit ihr Monatsziel bei weitem übertroffen. Wirklich freuen kann sie sich darüber nicht. Zu gross sind die Gefahren, die vom Abfall ausgehen, für Pflanzen und Kühe, aber auch für kleine Kinder.

Mehr Abfalleimer helfen nicht
Wenn Esther Marbach unterwegs ist, sieht sie vieles und stellt auch mal fest, wie frech andere Menschen sind. Während sie am einen Ort Abfall einsammelt, lassen ihn andere nebenan gleich wieder liegen. «Kürzlich habe ich am Bahnhof Abfall eingesammelt. Da haben zwei Jugendliche ihre Glacepapiere liegen lassen. Ich bin hinterher und hab ihnen gesagt, sie hätten da was verloren», erzählt Esther Marbach. Einer der beiden Jugendlichen sei wütend geworden, am Ende hätten aber beide ihre Papiere in den fix installierten Abfalleimer geworfen. Wobei, da sind sich Esther Marbach und der stellvertretende Werkhofchef Walter Braun einig: Mehr Abfalleimer nützen nur bedingt. «Oft hat es im Umfeld von Abfalleimern nur noch mehr Müll, der herumliegt», beobachtet Walter Braun. Darum spricht er sich für Pfand aus, sowohl für PET-Flaschen als auch für Alu-Dosen. In den grossen deutschen Städten würde das ja auch funktionieren und es liege kaum etwas herum. «Und wenn, dann nur noch Papier und Plastik. Und der ist nicht so schlimm für die Umwelt wie Alu-Dosen», so Esther Marbach.

Wer hilft Abfall einsammeln?
Da das Littering ein Dauerthema ist, werden weitere freiwillige Helferinnen und Helfer gesucht, die in Zweier-Gruppen jeweils ein Gebiet von Rothrist betreuen und vom liegengelassenen Abfall befreien. Interessierte Rothrister Einwohner können sich bei Esther Marbach (Tel. 062 794 34 24) melden.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Pflästerlipolitik

Markus Rüegger
schrieb am 09.06.2018 16:18
Ich finde das gut und recht, was die Frau Marbach da jeden Tag macht. Ich hatte früher selber eine solche Gruppe (Bio Rothrist), die den Abfall der anderen Leute aufhob. Mit der Zeit musste ich feststellen, dass das nicht die Lösung sein kann. Danach habe ich mich in diversen Gremien, u.a. in der Litteringkommission, dafür eingesetzt, dass es den Verursachern, nämlich den Abfallsündern, an den Kragen geht, u.a. auch mit dem Einsatz von Überwachungskameras an exponierten Orten. Ich habe verschiedene Vorstösse unternommen, um die geltenden Gesetze anzuwenden, sprich das Versursacherprinzip anzuwenden und nicht Symptombekämpfung zu machen. Doch bis heute, mehr als 20 Jahre danach, habe ich noch keinen einzigen Teilerfolg erzielen können. Die Gemeinde schaut einfach weg (d.h. sie hat die Litteringkommission aufgelöst) und "beklagt" sich dann in den öffentlichen Medien (Mittellandzeitung) über die Missstände. Gemeindearbeiter müssen jeden Morgen um die Schulhäuser herum Abfall einsammeln, was das Gemeindebudget von Rothrist enorm belastet, aber was soll's? Privatpersonen müssen scheinbar in Rothrist, der attraktiven Gemeinde, für Ordnung und Sauberkeit sorgen. So weit sind wir gekommen. Immerhin macht die Regionalpolizei in letzter Zeit vermehrt Kontrollen um die Schulhäuser herum.
Lasst doch bitte einmal die betroffenen Bauern aussagen, die durch scharfkantige Stücke von Aludosen Kühe verloren haben. Ich verstehe die heutige Zeit nicht mehr, dass man die "Täter", die man in vielen Fällen problemlos ermitteln könnte, einfach in Ruhe gelassen werden und dann freiwillige Helfer deren Dreck wegmachen müssen.

Für eine saubere Schweiz

Mättu
schrieb am 30.05.2018 14:44
@Peter Kaufmann: Das Schweizer Erfolgsrezept ist eben grad, dass jeder mithilft die Schweiz sauber zu halten und sich selber bückt um Dreck aufzuheben und in den nächsten Abfalleimer zu werfen. Ich wurde so erzogen und immer wenn ich was rumliegen sehe, bücke ich mich. Bin mir auch nicht zu schade andere Leute darauf hinzuweisen, wenn Sie einfach etwas auf den Boden werfen. Und gerade dann, wenn man selber erfährt wie mühsam das ist, schaut man auch selber darauf, nichts zu verdrecken. So braucht es nicht immer mehr Gemeindeangestellte die hinter einem Aufräumen. Und bedenken Sie auch, dass alle diese Wegwerver/innen von Ihren Eltern erzogen wurden. Einzig bei den Bussen geben ich Ihnen recht. Sofort 2'500 Busse, wenn jemand etwas auf den Boden wirft.

Den Güselsündern an den Kragen

Peter Kaufmann Oftringen
schrieb am 29.05.2018 15:46
Sind wir eigentlich schon so weit und hilflos, dass wir nun freiwillige Leute aus der Bevölkerung anstellen müssen, um unsere Schweiz sauber zu halten? Was Littering Sünder verursachen, grenzt an eine totale Sauerei und statt "Fötzeler", wäre es sinnvoller polizeiliche Massnahmen von privaten Helfern einzustellen. Abfallsünder müssen gebüsst werden und merken wie weh es tut eine saftige 100 Franken Busse zu zahlen. Stellt doch nur 3 Leute an einem Samstagabend im Umkreis von 700 Meter um den MC Donald`s hin und mindestens 5 Sünder tappen rein.
Einfach tragisch wenn wir uns einer Minderheit faulen, unbelehrbaren Einwohner unterwerfen müssen.

«Fötzeler»

Arnold
schrieb am 29.05.2018 08:44
Ich bin auch «Fötzeler» und mache das fast wöchentlich !!!
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