Thomas Knapp: «Ich brauche den Schützi-Job nicht, um über die Runden zu kommen»

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Thomas Knapp wird der neue Schützi-Geschäftsführer. (Bild: Hansruedi Aeschbacher)

Das ist eine Überraschung: Buchverleger Thomas Knapp wird ab Anfang 2019 neuer Geschäftsführer des Kulturzentrums Schützi, wie der Trägerverein am Montag mitteilt. Er wird damit Nachfolger von Oli Krieg, der per Ende Jahr vorzeitig in Pension geht. «Es ist vielleicht die letzte berufliche Herausforderung», sagt Knapp auf Anfrage zu seinem Motiv. Seit 13 Jahren leitet der 57-Jährige den von ihm gegründeten Knapp Verlag, vorher war der gelernte Buchhändler als Journalist bei diversen Regionalzeitungen tätig.

«Ich will den Schützi-Geist bewahren», sagt Knapp. Das heisst, weiterhin sind beim Kulturzentrum die verschiedenen Veranstalter aus allen kulturellen Bereichen, aber auch Vereine, Firmen und Private willkommen, die einen Event buchen möchten. Er wolle versuchen, das Standbein mit den privaten und geschäftlichen Anlässen zu stärken. Der Grund dafür: Mit kommerziellen Veranstaltungen verdient die Schützi ihr Geld, um die Kulturanlässe, die zu tieferen Mietpreisen durchgeführt werden, zu unterstützen. Knapp will beim Betrieb nicht viel verändern.

«Zuerst werde ich mir einen Einblick in alle Arbeitsabläufe verschaffen. Vorerst gilt es, die Kontinuität zu bewahren», heisst es in der Mitteilung. Derzeit laufe die Schützi gut, so Knapp. Oli Krieg und sein Team machten einen ausgezeichneten Job. Wie bisher soll das Kulturzentrum nicht selbst als Veranstalter auftreten und Anlässe organisieren. Zur derzeit nicht verlängerten Leistungsvereinbarung mit der Stadt Olten, will der designierte Geschäftsführer nur sagen, dass er schon jetzt in alle Entscheidungsprozesse involviert sei. Dazu gehöre auch die Leistungsvereinbarung.

Knapp wird den Job zuerst in einem 50-Prozent-Pensum wahrnehmen, mit 20 Prozent wird der bisherige Geschäftsführer Krieg sowie seine Partnerin Esther Straumann ihn unterstützen und in die Arbeit einführen. Nach einem halben Jahr soll Knapp dann sein Pensum auf 70 Prozent aufstocken können. Eine Lösung, für die sich der neue Geschäftsführer eingesetzt hat, wie es in der Mitteilung heisst: «So erhalte ich Gelegenheit, von ihrer grossen Erfahrung zu profitieren.» Bereits sein Vorgänger hat ein 70-Prozent-Pensum inne und war so der einzige Angestellte der Schützi. Die weiteren Aufgaben werden an freie Mitarbeiter vergeben.

Änderungen beim Knapp Verlag
Was der neue Job für seinen Buchverlag heisst, ist dem umtriebigen Berufsoltner noch nicht vollends klar. Vorläufig will Knapp zwar weiterhin Verlagsleiter bleiben und verweist auf die schlanken Strukturen und die zum Teil ausgelagerten Aufgaben wie Logistik, Grafik und Lektorat. Er sagt aber auch: «Wenn die Doppelbelastung zu gross wird, muss ich mir überlegen, wie es weitergeht.» Mit anderen Worten: Der neue Job könnte dazu führen, dass sich Knapp aus dem Tagesgeschäft des Verlags zurückzieht.

Um die Belastung gleich von Beginn an zu reduzieren, will er künftig weniger Bücher pro Jahr erscheinen lassen. Statt bisher 10 bis 12 sollen es neu nur noch etwa 8 sein. Zudem wird der Verlagssitz vom bisherigen Standort an der Gartenstrasse 25 weggezügelt. Wohin, ist noch nicht klar. Er kann sich nach Gesprächen mit dem Schützi-Trägerverein vorstellen, die Verlagsarbeit an seinem neuen Arbeitsplatz zu erledigen. «Das kommt gut aneinander vorbei und so wäre ich jederzeit in der Schützi präsent», sagt Knapp.

Eines will Knapp aber festhalten, um falschen Schlüssen entgegenzutreten: «Ich brauche den Schützi-Job nicht, um über die Runden zu kommen. Der Knapp Verlag ist finanziell gesund.» Er bezeichnet den Arbeitsaufwand auf rund 70 Prozent für den Verlag, der Rest arbeitete er für seine Kommunikationsfirma. Vor allem im letzten Bereich will er zurückbuchstabieren, um den Schützi-Job ausführen zu können.

Trägervereins-Präsident Walter Rickenbacher ist überzeugt, mit Knapp die richtige Person als Geschäftsführer bestimmt zu haben. «Er bringt alle Voraussetzungen mit, den grossen Fussabdruck, den Oli Krieg hinterlässt, auszufüllen. Er ist über die Region hinaus bestens vernetzt, sowohl in der Kulturszene als auch beim Gewerbe und in der Politik», heisst es in der Mitteilung. Der Job war nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern im Gespräch hätte sich die jetzige Lösung ergeben, so Rickenbacher auf Anfrage.

Der Vorstand wolle vorerst am 70-Prozent-Pensum festhalten, auch wenn der Stadtrat in seiner Antwort zum Vorstoss von Daniel Kissling (Olten jetzt!) und Florian Eberhard (SP/Junge SP) schreibt, dass «die Schützi Mühe habe, ihre Kosten zu decken, dies trotz vieler unbezahlter Überstunden des Geschäftsführers Oli Krieg». Angesprochen auf die Doppelrolle, die Knapp künftig als Verleger und Geschäftsführer im Schützi-Büro ausübt, sagt Rickenbacher: «Er wird die beste Lösung für den Verlag finden. Wir dürfen sogar froh sein, wenn werktags morgens bis abends eine Ansprechperson vor Ort ist.» Dies sei bisher wegen des Teilzeit-Pensums von Oli Krieg nicht der Fall gewesen und hätte einen Teil seiner Zusatzbelastung ausgemacht, weil auch Anfragen ausserhalb der Arbeitszeit reinkamen. Diese habe Krieg immer gewissenhaft erledigt.

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