Auf der Suche nach Hausärzten

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Voller Terminplan: Franz Burkart ist einer der Hausärzte in der Gemeinschaftspraxis in Reiden. (Foto: André Widmer)

«In Reiden haben wir die ganze Bandbreite an Klienten: Vom Ungeborenen bis zum Greis», sagt der Hausarzt Franz Burkart. «Hausarzt ist ein spannender Beruf, man kommt mit Menschen in Kontakt, kann die medizinische Betreuung festlegen.» Eine Herausforderung sei es, die medizinischen Probleme der Menschen lösen zu dürfen. Für Franz Burkart ist klar: «Ich kann behaupten, ich würde wieder Hausarzt werden.»

Dennoch ist es für die Gemeinschaftspraxis Hausärzte Region Reiden, die Burkart im Jahre 2013 mit fünf weiteren Berufskollegen gegründet hat, nicht einfach, junge Ärzte zu rekrutieren. Dabei würden diese in der Gemeinschaftspraxis mit Modellcharakter organisatorisch und infrastrukturell ideale Voraussetzungen vorfinden: Anders als bei der Gründung einer eigenen Praxis, die Anfangsinvestitionen von rund einer Viertelmillion Franken bedingen würde, genügt in Reiden die Beteiligung am Aktienkapital im tieferen fünfstelligen Bereich. Drei der derzeit sieben beteiligten Ärzte sind in Ultraschalldiagnostik ausgebildet und es wurden erst kürzlich Investitionen in die sonst schon moderne Infrastruktur getätigt. Reiden ist verkehrstechnisch ideal erschlossen – Franz Burkart beispielsweise reist während der Woche täglich aus Bern an, es besteht keine Residenzpflicht. Auch die Randzeiten der Sprechstunden können arbeitsplantechnisch gut organisiert werden. Burkart ist es ein Rätsel, warum es bei der Nachwuchssuche harzt. «Das ist es, was erstaunt: Es gibt kein Risiko.»

Aufnahmestopp aufgehoben

2015 musste die Gemeinschaftspraxis Hausärzte Region Reiden aufgrund des hohen Patientenaufkommens und des Ärztemangels zu einer drastischen Massnahme greifen: Aufnahmestopp. Dieser wurde in der Zwischenzeit wieder aufgehoben. Allerdings ist seit 2017 nicht mehr jeden Samstag ein Arzt in der Reider Praxis.

Vor einem Jahr startete Raphael Budmiger mit einem Vollzeitpensum, Beatrice Müller mit 50 Prozent. Hingegen trat Martin Kleeb auf dieses Jahr den Ruhestand an. Mit der Pensionierung von Urs Abt auf Anfang 2019 könnte wieder ein Engpass entstehen, zumal auch schon heute die Belastung gross ist. Am Tag des Gesprächs mit dieser Zeitung beispielsweise hatte Franz Burkart 38 Patiententermine, die Ärzte in der Gemeinschaftspraxis führen im Schnitt pro Tag 35 bis 45 Konsultationen durch. «Um genügend Zeit pro Patienten aufwenden zu können, wären 30 Termine pro Tag ideal», so Burkart. Um sich auf die Kernaufgaben konzentrieren zu können, haben die Ärzte gewisse Leistungen, die nicht zwingend ein Doktor vornehmen muss, den medizinischen Praxisassistentinnen übertragen. Darunter fallen beispielsweise Injektionen setzen, Ohren spülen oder Blutdruckmessen. Eine Arztgehilfin hat zudem eine Spezialausbildung für Diabetesberatungen absolviert.

Auch Nebikon braucht mehr

Nicht nur in Reiden wären mehr Ärzte willkommen. «Das Team in Nebikon ist mehr als voll ausgelastet. Aufgrund weiterer Pensionierungen von Hausärzten in der Umgebung könnten wir im Einzugsgebiet von Nebikon und Altishofen zwei bis drei Ärzte beschäftigen. Entsprechende Gespräche laufen. Leider fehlen uns im Moment die geeigneten Räumlichkeiten, um die hohe Nachfrage nach Hausarztleistungen zu decken», sagt Connie Raif-Joss, CEO der Doktorhuus-Gruppe. «Klar ist: Attraktive, moderne Räumlichkeiten erleichtern die Suche nach qualifizierten Hausärzten und binden sie nachhaltig. Dies ist auch die Strategie, welche wir bei Doktorhuus verfolgen». Die Praxis in Nebikon führt die Doktorhuus-Gruppe seit Juni 2016. «Die Praxis in Nebikon gehörte vorher zu einer Praxisgruppe mit Hauptsitz in Sachseln. Wir fanden nach der Übernahme in Nebikon eine Ärztin vor, die Verständigungsprobleme hatte», erklärt Connie Raif-Joss, CEO der Doktorhuus-Gruppe. «Wir haben das grosse Glück, nach intensiver Suche einen jungen Hausarzt in der Person von Peter Schmidt gefunden zu haben, der sich seit Anfang Jahr kompetent und mit viel Engagement um seine Patientinnen und Patienten kümmert. Aufgrund des hohen Patientenaufkommens wird er weiterhin vom einstigen Praxisinhaber auf Teilzeitbasis unterstützt; dieser hat sich bereit erklärt, über sein eigentliches Pensionierungsalter vorübergehend zur Verfügung zu stehen», so Raif-Joss.

«Die Zukunft ist weiblich»

Praxen, die von einer Betreibergesellschaft finanziert werden und Ärzte anstellen. Oder Gemeinschaftspraxen: Diese Modelle sind womöglich die zukunftsträchtigsten Lösungsansätze für die Hausarztversorgung. Denn wie Beat Thoret, Co-Präsident der Vereinigung Luzerner Hausärzte, erklärt, gestaltet es sich für junge Ärzte schwierig, überhaupt eine eigene Praxis zu eröffnen. «Es ist nicht einfach, einen Kredit bei einer Bank zu bekommen.» Thoret erklärt auch, im Bereich der Hausärzte spiele kein Markt, wer anfange zu praktizieren, habe sehr schnell genügend Patienten. Im Kanton Luzern manifestiert sich der Mangel an Hausärzten in erster Linie auf der Landschaft, gemäss Beat Thoret weniger in der Agglomeration und der Stadt Luzern. Er prognostiziert: «Die Zukunft ist weiblich und mit mehr Teilzeitpensen.» Ein Hausarzt, der rund um die Uhr verfügbar sei und seine Praxis während 35 Jahren führe, das sei ein Auslaufmodell. Und auch, dass der Arzt das finanzielle Risiko trage. Dafür gebe es künftig Betreibergesellschaften, die die Infrastruktur zur Verfügung stellen würden. Beat Thoret sieht es auch als wahrscheinlich an, dass Gemeinschaftspraxen künftig die Versorgung für zwei, drei benachbarte Gemeinden übernehmen werden. Also so, wie es heute mit der Gemeinschaftspraxis Hausärzte Region Reiden bereits der Fall ist.

Weniger Risiko für Ärzte

Die Zukunft wird auch andernorts bereits vorgelebt. Doktorhuus-CEO Connie Raif: «Betriebswirtschafter kümmern sich um den Betrieb, die Ärzte um die Medizin. Mit dieser Rollenteilung können wir die gesamte Praxisadministration effizient führen und auch Synergien nutzen, zum Beispiel bessere Einkaufskonditionen für Verbrauchsmaterial aushandeln. Die Ärzte entscheiden über den medizinischen Behandlungspfad ihrer Patienten völlig selbständig und tragen dabei kein finanzielles Risiko. Wir stellen dem Arzt quasi eine fixfertige Praxis samt Personal und notwendigen Bewilligungen zur Verfügung.» Raif-Joss erläutert auch: «Die Rekrutierung von Ärzten für kleinere, moderne und medizinisch unabhängige Gruppenpraxen ist für uns am einfachsten, da dort auch Teilzeitpensen möglich und Stellvertretungen gewährleistet sind. Eine Einzelpraxis ist diesbezüglich deutlich unattraktiver und eine Nachfolge ist nur sehr schwierig sicherzustellen.» Zur Hausärztesituation generell meint Raif, dass der Bedarf an Hausärzten nicht allein durch Schweizer Ärzte abgedeckt werden könne, da sich diese vermehrt zu Fachärzten ausbilden lassen würden. «Eine zunehmende Herausforderung für uns ist es, bei einer Nachfolgeregelung allen gesetzlichen Rahmenbedingungen gerecht zu werden. Vor allem, wenn diese vom Staat kurzfristig geändert und kantonal unterschiedlich umgesetzt werden», so Connie Raif-Joss.

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