Esther Marbach (64) sagt Abfallsündern den Kampf an - und packt täglich selber an - VIDEO

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Esther Marbach sammelt Abfall ein, während die Autos an ihr vorbeibrausen. (Bild: Lilly-Anne Brugger)
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(Bild: Lilly-Anne Brugger)
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(Bild: Lilly-Anne Brugger)
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Die Ausbeute von 90 Minuten. (Bild: Lilly-Anne Brugger)

Zwei Plastiksäcke, Handschuhe und eine Leuchtweste. Esther Marbach ist bereit für ihre Abfall-Sammelrunde durch Rothrist. Heute geht sie der Neuen Aarburgerstrasse entlang, vom Coop bis zum Kreisel hinter der SBB-Brücke. Vor 14 Tagen hat sie das letzte Mal hier Abfall eingesammelt. Erst führt die Route zu den LKW-Abstellplätzen an der Neuen Aarburgerstrasse. Die Rothristerin bückt sich, hebt die ersten Schoggipapiere, Plastikverpackungen und Glasflaschen auf. «Zigarettenstummel nehme ich hier nicht mit. Da würde ich nie fertig werden», sagt sie. Im Verlaufe der nächsten 90 Minuten zeigt sich, wie recht sie hat. Der Strassenrand ist übersät mit Stummeln, sie alle einzusammeln würde einer Sisyphusarbeit gleichen.

Abfall sammeln als Berufung
Das hohe Gras am Strassenrand verdeckt den Abfall, den die Autofahrer achtlos aus dem Fenster geworfen haben. Doch Esther Marbachs Augen entgeht nichts: Da eine Flasche, dort ein Red-Bull-Dösli. Die beiden Säcke füllen sich. Im einen sammelt die Rothristerin jeglichen Abfall, im anderen Flaschen und Dosen. Von den Flaschen und Dosen fertigt sie eine Statistik an: 6916 Stück hat sie seit Anfang Jahr bis Montagmorgen gesammelt. «Die 7000-er-Grenze knacke ich heute wohl nicht», meint sie. Lange wird es aber nicht mehr dauern. Ihr Ziel, 1000 Stück Glas, PET und Alu im Monat einsammeln, hat die 64-Jährige deutlich übertroffen.

Seit mehreren Jahren ist sie auf dem Gemeindegebiet von Rothrist unterwegs. Seit ihrer Pensionierung, sie hat zuletzt in der Altenpflege gearbeitet, hat Esther Marbach ihre Müll-Sammel-Ausflüge intensiviert. «Ich mache nicht gerne Haushalt. Lieber halte ich mich in der Natur auf und bewege mich», sagt die alleinstehende Frau. Wenn sie nicht gerade in Rothrist am «Fötzelen» ist, geht sie auch gerne in den Bergen wandern. Achtlos an Müll vorbeilaufen kann sie aber auch da nicht. Meist hat sie einen Abfallsack dabei und bringt das, was die Wanderer dort haben liegen lassen, wieder ins Tal.

Die Autos fahren an Esther Marbach vorbei. Die Lastwagen dröhnen, wenn sie Gas geben. «Hören Sie die Frösche?», sagt sie die Journalistin, als der Verkehrslärm kurz nachlässt. Tatsächlich: Hinter dem Gebüsch, das die Neue Aarburgerstrasse säumt, quaken einige Frösche. Wer sich achtet, kann Vogelstimmen hören. «Ich liebe die Natur. Darum kann ich nicht verstehen, dass man einfach achtlos Dinge wegwirft.» Beim Kreisel bei der Sennhofgarage geht Esther Marbach über die Strasse und sammelt Abfall ein, der auf dem Kreiselmittelpunkt liegt. Als sie zurückkommt, glänzen ihre Augen. «Sehen Sie die Blume da drüben? Das ist ein Weisser Germer. Der ist richtig selten!» Dann wechselt sie die Seite und geht an der Garage Lerch vorbei zum nächsten Kreisel. Dort verschwindet sie im Gebüsch zwischen Neuer Aarburgerstrasse und Pfaffnern und kehrt nach ein paar Minuten mit den Händen voller Müll zurück.

Bescheidener Medienstar
Momentan ist Esther Marbach meist alleine auf dem Gemeindegebiet von Rothrist unterwegs. Mit dem Velo fährt sie bis in Nachbardörfer und sammelt unterwegs alles ein, was sie an Abfall finden und tragen kann. Der Gemeinderat Rothrist weiss, was er an Esther Marbach hat: «Wir sind erfreut über Esther Marbachs private Initiative und unterstützen sie dabei mit Abfallsäcken und Handschuhen», sagt Gemeinderat Hans Rudolf Sägesser. Ausserdem hat der Gemeinderat die Bevölkerung aufgefordert, Esther Marbach bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Eine Person habe sich auf den Aufruf hin gemeldet, erzählt sie. Am Dienstag sind sie das erste Mal gemeinsam auf Abfall-Tour gegangen. Der Aufruf des Gemeinderates hat Esther Marbach zu einem kleinen Medienstar gemacht. Radio und Zeitungen musste sie Auskunft geben. Sie macht das mit einem Lächeln. Ganz wohl fühlt sie sich aber nicht dabei. «Ich bin eher der Macher im Hintergrund und möchte mich nicht so vordrängen», sagt sie.

30 Flaschen in 90 Minuten
Die Uhr zeigt noch nicht 10 Uhr, aber es ist schon drückend heiss entlang der Teerstrassse. «Die Luftfeuchte ist das Problem», sagt Esther Marbach und wischt sich den Schweiss von der Stirn. Auf der anderen Seite der Neuen Aarburgerstrasse geht es nun zurück zum Coop. Hier gibt es mehr Abfall zum Aufsammeln, als eine Stunde zuvor auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Beim letzten Mal mähen sind Papiere geschreddert worden. Die Einzelteile liegen nun weit verstreut in den Wiesen. Schlag 10 Uhr ist Esther Marbach zurück bei ihrem Auto, das sie beim Coop parkiert hat. «Heute waren wir schnell», meint sie. Dies liegt einerseits daran, dass weniger Abfall herumlag als gewohnt, andererseits hatte Esther Marbach heute Unterstützung von der Journalistin. Die Rothristerin schaut in ihre Tüte, etwa 30 Stück Glas, PET und Alu hat sie heute zusammengelesen, sowie einen halben 60-Liter-Sack voller Abfall. Das alles wird sie nun fachgerecht entsorgen bei der Gemeinde oder im Entsorgungszentrum. Und dann geht Esther Marbach ihren Hobbys nach. Schwimmen zum Beispiel. Und am Wochenende will sie im Wallis den Bienenfresser, einen kleinen farbigen Vogel, suchen.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Ich ziehe meinen Hut...

Kirsten Lux
schrieb am 08.06.2018 11:12
liebe Frau Marbach,

leider kann ich Sie persönlich nicht erreichen.
Hoffentlich erhalten Sie mein Lob über das Zofinger Tagblatt dennoch.

Ich ziehe meinen Hut vor Ihrem Engagement.
Es ist für mich immer wieder wunderbar, dass es noch Leute wie Sie gibt.
Sie tun das, was die Gesellschaft ihren Nachkommen offensichtlich nicht mehr vermittelt. Sie räumen den Menschen hinterher, die es besser wissen müssten.

Ich war lange Jahre als Journalistin in Deutschland tätig und durfte damals auch über einen Herren berichten, der wie Sie die Stassenränder "entmüllt" hat.
Es war eine tolle Erfahrung und ich war tief beeindruckt, was dieser schwerkranke Mann für die Gemeinschaft tat. Ich war dann auch auf seiner Beerdigung.

Machen Sie bitte weiter so. Es bräuchte auch in der Schweiz viel mehr Menschen wie Sie.
Meine Hochachtung haben Sie.

Ich wünsche Ihnen alles Gute weiterhin.

Herzlichste Grüsse aus Zofingen

Kirsten Lux
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