Pitt Buchmüller: «Ich erlebte mit, wie Goma gross wurde»

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Peter «Pitt» Buchmüller mit einem Bild, dass ihn als 16-Jährigen zusammen mit der jungen Goma zeigt. Das Affenmädchen lebte ein Jahr lang in menschlicher Obhut. (Foto: cki)
Die erwachsene Goma. Bild: Zoo Basel
Ein Spaziergang im Garten der Familie von Zoodirektor Ernst Lang. (Bild: zvg)
Pitt Buchmüller mit Goma, die sich auf seinem Schoss ausruht. (Bild: zvg)

Der Basler Zolli nahm am letzten Donnerstag Abschied von einer Berühmtheit: Gorillaweibchen Goma verstarb im Alter von 58 Jahren. Sie war der erste Gorilla, der in Europa zur Welt kam – und der weltweit zweite, der in einem Zoo geboren wurde. Weil ihre Mutter sie nicht säugen wollte, kam Goma einen Tag nach ihrer Geburt am 23. September 1959 in die Obhut des damaligen Zoodirektors Ernst Lang und seiner Familie. Das Affenmädchen lebte rund ein Jahr bei seinen menschlichen Adoptiveltern. Medien aus aller Welt berichteten bald von ihr. Wie sie mit dem Haushund Bekanntschaft schloss, im Haus umherturnte und spielte.
«Ich erlebte mit, wie Goma gross wurde», erinnert sich auch Peter «Pitt» Buchmüller. Der Basler, der seit 16 Jahren in Strengelbach lebt und hier das Konsulat der Republik Togo führte, war früher oft bei der Familie Lang zu Besuch. Er war mit Ueli Lang befreundet, einem der beiden Söhne des Zoodirektors. «Ich verbinde mit Goma viele Jugenderinnerungen.

Gorilla-Baby in Windeln

Fast jeden Tag verbrachte er früher im Zoo Basel, wo das Haus der Familie Lang stand. Wenn der Zolli abends seine Türen schloss, nahm er das Gorilla-Baby bei der Hand und spazierte mit ihr durch den Zoo. Goma wollte oft von ihm getragen werden. «Sie war manchmal ein bisschen zu faul, um selbst zu laufen», sagt er und lacht. Pitt Buchmüller sah auch, wie das kleine Affenmädchen von seinen Adoptiveltern jeweils mit dem Fläschen gefüttert und gewickelt wurde. «Goma in Windeln zu sehen war ein herrlicher Anblick.»
Ein Jahr später mussten sich Gomas Adoptiveltern und ihre menschlichen Spielkameraden von ihr verabschieden: Sie war nun gross genug, um zu ihren Artgenossen ins Affengehege zu ziehen. Pitt Buchmüller besuchte sie von da an im Affenhaus, stattete ihr auch Jahre später noch Besuche ab. «Ob sie mich in ihrem Erwachsenenalter noch erkannt hat, weiss ich nicht», sagt er.

Direkter Augenkontakt

Es dauerte lange, bis sich Goma in ihre tierische Familie eingewöhnt hatte. Ihr teilweise menschliches Verhalten machte sie anfangs zur Aussenseiterin unter den anderen Gorillas. Sie blickte ihnen etwa direkt in die Augen – ein für Affen unübliches Verhalten, dass sie sich von ihrer menschlichen Familie abgeschaut hatte. Mit der Geburt ihres Sohnes Tamtam, den sie 1971 zur Welt brachte und liebevoll umsorgte, gelangen ihr erste Schritte im Anschluss an die Gruppe.
Als sich Pitt Buchmüller vor drei Monaten beim heutigen Zoo-Direktor Olivier Pagan nach Gomas Befinden erkundigt, berichtet dieser, dass sie inzwischen die Rolle der Grossmutter übernommen habe. Sie kümmerte sich etwa um den Nachwuchs der jungen Gorilla-Mütter und erfreute damit nicht nur die Besucher des Zoos, sondern auch ihre Artgenossen. «Es ging ihr damals im März noch gut», sagt Pitt Buchmüller. Der Zoodirektor berichtete, dass Goma nächstes Jahr ihren 60. Geburtstag feiern könne, wenn sie derart gesund bleibe, wie es gerade der Fall sei.
Dazu wird es nicht mehr kommen. Nachdem Goma in den letzten Wochen oft müde gewirkt hatte; verliessen sie am letzten Donnerstag engültig ihre Kräfte. Sie ass nur noch wenig; legte sich dann in eine Box und reagierte kaum mehr auf ihre Artgenossen. Am 7. Juni um 12.15 Uhr verstarb sie. «Wer sie näher gekannt hat, ist sehr traurig», sagt Pitt Buchmüller. «Auch ich.»

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