Pascal Koradi: «Bedaure sehr, dass ich von der Post nie angehört wurde»

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Tritt als CEO der Aargauischen Kantonalbank zurück: Pascal Koradi. (Bild: André Albrecht)

Pascal Koradi habe sich entschieden, von seiner Funktion als Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank (AKB) zurückzutreten. Dies teilte die AKB gestern mit. Koradi habe dies nach reiflicher Überlegung im Interesse und zur Wahrung der Reputation der Bank getan. Der Bankrat zolle dem Entscheid, «der von einem hohen Verantwortungsbewusstsein zeugt», grossen Respekt. Die persönliche Integrität und das Vertrauen in Koradi seien zu keinem Zeitpunkt infrage gestellt gewesen.

Pascal Koradi habe in den knapp zwei Jahren seiner Amtszeit die Weichen für eine zukunftsgerichtete Weiterentwicklung der Bank gestellt, sagt Bankratspräsident Dieter Egloff. In seiner Wirkungszeit habe sich die AKB sehr erfolgreich positioniert. Der Bankrat danke Koradi «für sein ausserordentlich grosses und erfolgreiches Engagement und sein erfolgreiches Wirken».

Entschluss zu Sitzungsbeginn

Doch wie freiwillig war der Rücktritt? Koradi habe seinen Entschluss zu Beginn einer am Montagabend anberaumten Bankratssitzung mitgeteilt, sagt Egloff. Die Sitzung war einberufen worden, damit der Direktionspräsident seine Sicht der Dinge zu den ihn belastenden Textstellen im Untersuchungsbericht darlegen konnte.

Was Koradi sagte, lasse tatsächlich einiges in anderem Licht erscheinen, so Egloff. Er finde es sehr schade, dass Koradi im Rahmen dieser Untersuchung nicht angehört wurde. Die Frage, ob der Bankrat Koradi nach seinen Erklärungen zum Rücktritt aufgefordert hätte, sei mit der Rücktrittsankündigung obsolet geworden. Im Bankrat habe man Koradi als sehr korrekten Menschen kennen gelernt, betont Egloff: «Unsere Wahrnehmungen entsprechen überhaupt nicht dem Eindruck, den man beim Lesen bestimmter Passagen im Untersuchungsbericht gewinnen könnte.»

Keine Abgangsentschädigung

Eine Abgangsentschädigung gibt es für CEO Koradi nicht. Das sieht das Gesetz nicht vor, «er hatte aber sowieso keinerlei solche Erwartungen», so Egloff. Jetzt konzentriere man sich darauf, seinem Nachfolger Dieter Widmer einen guten Start zu ermöglichen.

Der Regierungsrat respektiere den Entscheid von Pascal Koradi, sagt Finanzdirektor Markus Dieth. Koradi habe seine Entscheidung mit Blick auf die Reputation der AKB und damit zum Wohl ihrer Mitarbeitenden und Kunden gefällt, aber auch zum Wohle des Aargaus als Eigentümer der AKB und seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Er habe die Bank erfolgreich geführt. Dieth: «Der Regierungsrat dankt Pascal Koradi für seine grossen Verdienste.»

Der Untersuchungsbericht zum Postauto-Skandal belaste Pascal Koradi massiv, sagt FDP-Kantonalpräsident Lukas Pfisterer. Dass er im Februar noch verkündete, von allem nichts gewusst zu haben, erstaune. Vor diesem Hintergrund begrüsse die FDP den Rücktritt. Das gute Renommée der AKB werde bewahrt. Er sei aber ebenso erstaunt, so Pfisterer weiter, dass Koradi in der Untersuchung von den Verantwortlichen der Post gar nicht angehört wurde.

Ruf nach lückenloser Aufklärung

Sie könne den Entscheid Koradis nachvollziehen, sagt die frisch gewählte Aargauer SP-Präsidentin Gabriela Suter. Es gehe dabei um den Schutz der Reputation der AKB. Suter: «Ihr grösstes Kapital ist das Vertrauen der Kundinnen und Kunden.» Die Frage der Verantwortung Koradis im Postauto-Skandal stehe weiter im Raum. Suter fordert lückenlose Aufklärung. Sie fragt sich, ob der Bankrat bei Koradis Einstellung hätte davon wissen müssen. Und sie will wissen, wie das zu viel bezahlte Geld wieder zurück in den Kanton und in die Gemeinden kommt.

Einen Dank für den Rücktritt bekommt Koradi von SVP-Präsident Thomas Burgherr: «Etwas anderes blieb ihm auch nicht übrig.» Burgherr hatte den Rücktritt gefordert. Er sei erstaunt, dass nicht schon der Bankrat diesen Schritt selbst eingeleitet habe, sagt der SVP-Präsident. Aus dem Untersuchungsbericht gehe schliesslich klar hervor, «dass Koradi Bescheid gewusst hat».

CVP-Präsidentin Marianne Binder erachtet Koradis Entscheid als einen wichtigen und konsequenten Schritt: «Solange man mit solchen Vorwürfen konfrontiert ist, kann man keine Bank führen. Die Version von Pascal Koradi würde mich aber schon interessieren.»

Koradi steht zu Entscheidungen

«Ich habe mich entschieden, mein Arbeitsverhältnis aufzulösen», wird Pascal Koradi selbst im Communiqué der AKB zitiert. Er denke hier in erster Linie an das Unternehmen, seine Kolleginnen und Kollegen sowie die Kundinnen und Kunden. Er persönlich sei sehr stolz, einen Teil zur Erfolgsgeschichte der AKB beigetragen zu haben. Das habe er mit viel Herzblut getan, und danke für das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde. Er stehe weiterhin zu all seinen damaligen Entscheidungen als Finanzchef des Konzerns Post, heisst es im Communiqué, und: «Ich bedaure sehr, dass ich bis zum heutigen Zeitpunkt von den heute Verantwortlichen der Post nie angehört wurde. Eine lückenlose Klärung der Vorkommnisse wäre mir persönlich am Herzen gelegen.»

Dieter Widmer wird neuer AKB-Chef

Gleichzeitig mit Koradis Weggang gab die AKB schon den Namen seines Nachfolgers bekannt: Dieter Widmer. Er ist seit 1998 in verschiedenen Führungsfunktionen für die AKB tätig und seit 1. Juli 2016 Mitglied der Geschäftsleitung. Er führt heute den Bereich Kundenlösungen.

Fragt sich: Wie kam die AKB so schnell Zeit zu einem neuen Direktionspräsidenten? Es sei Aufgabe eines strategischen Oberleitungsorgans, sich proaktiv mit allen Eventualitäten auseinanderzusetzen, sagt Bankratspräsident Dieter Egloff. Man habe sich daher schon zu einem früheren Zeitpunkt Gedanken darüber gemacht, was wäre, falls es bei der Stelle des Direktionspräsidenten zu einer Vakanz käme. Mit Dieter Widmer verfüge die AKB «über eine sehr fähige und intern hoch angesehene Persönlichkeit. Er ist der logische Nachfolger.»

Aber seit wann weiss Widmer selbst davon? Er habe von ihm, Egloff, erst am Montagabend gegen 23 Uhr telefonisch erfahren, dass der Bankrat ihn als neuen Direktionspräsidenten will – und er habe zugesagt. Doch wie steht es mit dem Lohn? Schöpft die Bank den gesetzlichen Spielraum (maximal doppeltes Gehalt eines Regierungsrats) aus? Zahlen nennt Egloff keine, aber Widmer habe selber eine abweichende Regelung vorgeschlagen.

Die Regierung begrüsst laut Finanzdirektor Markus Dieth, dass der Bankrat sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt mit möglichen Nachfolgeszenarien befasst hat: «Der Regierungsrat nimmt die Wahl von Dieter Widmer zur Kenntnis. Er ist überzeugt, dass sich die AKB und ihre Mitarbeitenden weiterhin auf ihre Geschäftstätigkeit konzentrieren können.»

Dieter Widmer ist eidgenössisch diplomierter Bankfachmann und verfügt über Abschlüsse zum eidgenössisch diplomierten Finanzanalytiker und Vermögensverwalter. Er durchlief mehrere Weiterbildungen. Er ist 51 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt mit seiner Familie in Unterentfelden. Seine interne Nachfolge als Bereichsleiter Kundenlösungen übernimmt ad interim Andreas Zollinger. (MKU)

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Wird neuer AKB-Chef: Dieter Widmer. (Bild: zVg)
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