Scharfer Brief an den Kanton: Gränichen rebelliert gegen Baustellen-Stau

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Der Verkehr staut sich bei der südlichen Suhrer Ortseinfahrt zurück in Richtung Gränichen – im Extremfall bis hinauf zur Abbiegung Schürbergstrasse. (Bild: Urs Helbling)

Unter dem Stauchaos, das die Kantonsstrassen-Sanierung ausgelöst hat, leidet nicht nur die Suhrer Bevölkerung. Stark betroffen ist auch die Nachbargemeinde Gränichen. Was da abgehe, konstatierte Gemeindeammann Peter Stirnemann an der Einwohnergemeindeversammlung, sei «zum Teil kein Zustand». Der Gemeinderat, so Stirnemann weiter, habe deshalb beschlossen, «dem Kanton einen saftigen Brief zu schreiben».

Übergelaufen war das Fass für den Gränicher Gemeinderat offenbar, nachdem sich der Verkehr während einer halben Woche ab dem Fussballplatz Zehndermatte durch ganz Gränichen bis hinunter nach Suhr gestaut hatte. Auslöser dieses akuten Debakels war ein technischer Defekt an einer Lichtsignalanlage gewesen. Dass dieser zu einem Stau führte, konnte man in Gränichen nachvollziehen. Nicht aber, dass tagelang keine wirksamen Massnahmen wie etwa die Einrichtung eines Verkehrsdienstes dagegen ergriffen wurden.

Ärger bereiten aber, auch in Gränichen, nicht nur solche Extremsituationen. Die Verkehrslage im Dorf hat sich wegen der Suhrer Baustelle generell massiv verschlechtert. Dies nicht zuletzt, weil die schmale Schürbergstrasse, die nach Seon führt, nun im grossen Stil als Umfahrung hinüber ins Seetal und weiter zur A1 in Richtung Zürich genutzt wird.

Schürberg fast ohne Konkurrenz
Alternativen dazu gibt es derzeit kaum, weil andere Übergänge ins Seetal beeinträchtigt oder gesperrt sind: Die Kantonsstrasse Dürrenäsch – Hallwil ist wegen Bauarbeiten für mehrere Monate gesperrt. Wegen des Neubaus der Wynenbrücke ist auch die Verbindung Gontenschwil – Zetzwil unterbrochen. Das wiederum führt dazu, dass auch die Route über die Wandfluh den Schürberg nicht entlasten kann. Denn der Verkehr aus der Luzerner Nachbarschaft via Rickenbach in Richtung Osten fliesst nun bis eingangs Gränichen talabwärts. Die Alternative im Süden (Reinach – Beinwil am See) ist, verglichen mit der Schürberg-Route, ein Umweg.

Nur ist die Schürbergstrasse nicht für das Verkehrsaufkommen ausgelegt, das ihr derzeit zugemutet wird. Aufgrund der Unübersichtlichkeit kommt es zu gefährlichen Situationen innerorts wie ausserorts. Hier fehlt es an Ausweichmöglichkeiten, dort an Trottoirs. Und im Quartier nördlich der Schürbergstrasse, wo nun auch der Schleichverkehr zugenommen hat, leben viele Familien mit schulpflichtigen Kindern. Die jetzige Situation, liess der Gränicher Gemeinderat die zuständigen kantonalen Stellen wissen, verursache zunehmend Unmut in der Bevölkerung. Abhilfe sei dringend geboten.

Der Gemeinderat möchte auch ein paar Fragen geklärt haben. Wie Ammann Peter Stirnemann an der Gmeind ausführte, steht dabei die Frage im Vordergrund, wieso in Suhr kein Zweischichtbetrieb eingeführt wird. Dass erstaunlich wenige Bauarbeiter im Einsatz sind, ist allgemein bekannt. Der Gemeinderat möchte vom Kanton nun wissen, bis wann die Arbeiten in Suhr abgeschlossen sein dürften – und ob man eigentlich noch im «Fahrplan» sei. Antworten erwartet man in Gränichen aber auch in Bezug auf den Baubeginn beim Kreisel in Teufenthal und beim Kreisel Oberfeld in Gränichen selber. Bei Letztgenanntem hat man die Hoffnung, dass noch dieses Jahr die Baumaschinen auffahren könnten, schon einmal begraben: An der Gmeind gab Peter Stirnemann bekannt, dass der Kanton entschieden hat, die Einwendungen selber zu behandeln. Und dafür werde er nach eigenen Angaben mindestens sechs Monate benötigen.

Mehr Fussgängerschutz gefordert
Was die Problemzone Schürbergstrasse angeht, hat der Gränicher Gemeinderat seine Vorstellungen dem Kanton gegenüber klar zum Ausdruck gebracht. Selber handeln kann er nicht: Bei der Schürbergstrasse handelt es sich um eine Kantonsstrasse. Erstens beantragt der Gemeinderat, dass auf dieser für die Dauer der Grossbaustelle in Suhr die zulässige Höchstgeschwindigkeit ausserorts auf 60 km/h beschränkt wird. Und zweitens solle der Kanton so schnell wie möglich klären, ob im bewohnten Gebiet ein separater Bereich für die Fussgänger von der Fahrbahn abgetrennt werden kann.

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