Kein Scherz: Das Eidgenössische Turnfest 2019 wird das weltgrösste Sportfest

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Letztmals fand 1972 ein ETF in Aarau statt, wie das Bild zeigt: Damen-Gymnastik im Schachen. DUKAS/RDB/GODY BÜRKLER

Die Fussball-Weltmeisterschaft? Niemals. Die Olympischen Spiele? Nein. Der NewYork-Marathon? Auch nicht. Sie alle haben weit weniger Teilnehmende als das Eidgenössische Turnfest 2019 (ETF) – und machen dieses somit, zumindest laut OK, zur «grössten Sportveranstaltung der Welt». 70000 Turnerinnen und Turner, 150000 Besucherinnen und Besucher, 8000 Helferinnen und Helfer: Die Zahlen des ETF, die am Dienstag im Aarauer Kultur- und Kongresszentrum präsentiert wurden, sind beeindruckend. Und sie liessen die Frage aufkommen: Kann Aarau eine derart grosse Kiste stemmen? Dafür spricht sehr viel.

■ Erstens: Die Organisation hinter der Organisation. Aarau hat kräftige Partner. Es ist nicht die Stadt, die das Fest allein organisiert, sondern ein breit abgestützter Trägerverein, bestehend aus dem Kanton Aargau, der Stadt Aarau, dem Aargauer Turnverband, dem Kreisturnverband Aarau-Kulm, dem Bürgerturnverein BTV Aarau, dem Regionalplanungsverband «Aarau Regio», dem Aargauischen Gewerbeverband sowie Aargau Tourismus.

■ Zweitens: Die Menschen an den entscheidenden Stellen. Das ETF wird 2019 der wichtigste Breitensportanlass in der Schweiz sein. Entsprechend wurde bei der Auswahl des Personals nichts dem Zufall überlassen. An höchster Stelle steht der höchste Sportsfreund im Kanton: Mit dem Regierungsrat und Landammann 2018, Alex Hürzeler, präsidiert der Vorsteher des Aargauer Departements Bildung, Kultur und Sport das OK. Der operative Chef ist auch ein Aargauer: Stefan Riner stammt aus einer Schofiser Turnerfamilie, heute wohnt er in Rupperswil. Nach 16 Jahren bei der Kantonspolizei Aargau studierte er Kommunikation und erhielt die Stelle als Geschäftsführer noch während des Studiums. Weitere Aargauer in entscheidenden Chargen sind Ruedi Hediger (Präsident der ETF-Kommission und Geschäftsführer des Schweizerischen Turnverbands STV, Gemeindeammann Rupperswil), Thomas Jäger (Gesamtwettkampfleiter, Villigen), Marcel Suter (Events/Rahmenprogramm, Aarau) und Andi Schärer (Marketing/Sponsoring, Ehrendingen).

■ Drittens: Die vorhandene Infrastruktur. Mit den Sport- und Schulanlagen in und um Aarau wie der grossen Freiluftanlage und den Hallen im Schachen, dem Stadion Brügglifeld, den Anlagen in der Telli, in Buchs und Rohr stehen Örtlichkeiten bereit, die keinen allzu grossen Aufwand erfordern, um sie in die Grossveranstaltung einzubinden. Sie liegen alle ziemlich nah beieinander, bieten Platz für temporäre Bauten und sind gut erreichbar.

■ Viertens: Die grosse Erfahrung mit «Eidgenössischen». Aarau ist die eidgenössische Festhütte schlechthin. «Das ETF ist hier das fünfte ‹Eidgenössische› in nur 13 Jahren», sagte Marcel Suter. 2005 fand das Jodlerfest in Aarau statt, 2007 das Schwingfest, 2010 das Schützenfest und 2015 das Volksmusikfest. So gibt es nicht nur Leute wie Suter, die bei allen Festen in der einen oder anderen Form engagiert waren, sondern man liess sich von dieser beispiellosen Serie auch inspirieren. Das Schützenfest 2010 war der Ursprung der Idee, das ETF wieder nach Aarau zu holen, wie Ruedi Hediger erzählte: «An der Schlussfeier hiess es, jetzt fehle nur noch das Turnfest, um den Reigen der ‹Eidgenössischen› in der neueren Zeit in Aarau komplett zu machen. Am Apéro ging ich sofort zu Alex Hürzeler.» Die Abteilung Sport des Kantons habe umgehend eine Bewerbung ausgearbeitet, nur ein halbes Jahr später habe man sie eingereicht. 2012 erhielt Aarau den Zuschlag, es war die einzige Kandidatur. Für das übernächste «Eidgenössische» 2025 gibt es bereits zwei Interessenten. Die STV-Abgeordneten werden diesen Oktober in Suhr entscheiden, ob es nach Luzern oder Lausanne vergeben wird.

Fest an den Gründungswurzeln
Für Aarau ist das ETF in mehrfacher Hinsicht eine Herzensangelegenheit. Aarau hat eine grosse Turntradition und ist die «Turnhauptstadt» der Schweiz. In der ZurlindenVilla unweit des Bahnhofs befindet sich die STV-Geschäftsstelle. In Aarau wurde der STV vor 186 Jahren gegründet und hier fand im gleichen Jahr, am 24. April 1832, das erste Eidgenössische Turnfest statt. «Es wird ein Fest an den Gründungswurzeln», bemerkte Ruedi Hediger. Weil die Geschichte des STV und des Turnfests derart eng mit Aarau verknüpft ist, wird man dem sportlich die Reverenz erweisen: Im Telliring, wo die Premiere 1832 ausgetragen wurde, werden die Sieben- und Zehnkämpfer im Juni 2019 ihren Wettkampf austragen. Der zweite Grund, warum der Name Aarau bei Turnerinnen und Turner, insbesondere bei älteren Semestern, Hühnerhaut auslöst: Bereits sechsmal wurde das ETF hier ausgetragen – 1843, 1857, 1882, 1932, 1972. Turner, die schon bei der letzten Durchführung 1972 dabei waren, dürften sich speziell auf die Rückkehr freuen.

Aus Biel gelernt
Beim Eidgenössischen Turnfest 2019, das an den zwei Wochenenden zwischen dem 13. und 23. Juni stattfindet, gibt es zwei Neuerungen im Bereich Wetter. Das letzte ETF in Biel 2013 geriet in die Schlagzeilen, weil Stürme Fest- und Zeltplatz verwüsteten. Es gab zahlreiche Verletzte, ein Opfer verstarb später an den Folgen. «Wir haben aus Biel gelernt», versicherte Stefan Riner: «Für 80 mögliche Risiken haben wir jetzt Szenarien.» Neu werde zudem ein Meteorologe fester Bestandteil der Sicherheitsabteilung sein. Denn auch das weltgrösste Sportfest hat Petrus nicht in seinem OK.

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