Die mobilen Ärzte übernehmen – aber die Notfallstation bleibt

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Bleibt wichtige Anlaufstelle: Die Notfallstation des Spitals bleibt in Betrieb; eingestellt wird die Notfallpraxis. SANDRA ARDIZZONE

Wer im Bezirk Zofingen am Wochenende und an Feiertagen auf ärztliche Behandlung angewiesen ist, kann seit Januar 2016 die Notfallpraxis des Spitals Zofingen aufsuchen. Diese hat an jenen Tagen jeweils von 12 bis 20 Uhr geöffnet und wird nicht von spitaleigenen Medizinern, sondern von Allgemein- und Spezialärzten des Bezirks betreut. Damit ist ab Ende Monat jedoch Schluss (wir berichteten). Als Ersatz delegieren die Ärzte des Bezirks den Notfalldienst an das private Unternehmen Mobile Ärzte AG mit Sitz im Kanton BaselLand. Auf Abruf machen jeweils zwei mobile Ärzte Hausbesuche bei den Patienten. Ihre Fahrzeuge sind ausgerüstet mit einem Labor- und Diagnostikgerät. Diese Alternative soll vor allem die Hausärzte entlasten. Durch den vorherrschenden Ärztemangel waren Notfalldienste für die ohnehin stark ausgelasteten Hausärzte nur noch schwer machbar.

Der Wechsel zu den mobilen Ärzten bedeutet nicht, dass die Notfallstation des Spitals geschlossen wird, wie CEO Christian Reize sagt: «Die Notfallaufnahme ist natürlich weiterhin in Betrieb.» Auch künftig soll der Notaufnahme ein Filter vorgelagert sein, um einfachere Fälle schnell und unkompliziert zu diagnostizieren und zu behandeln. «Die zukünftige Organisation ist skizziert und die Umsetzung ist im Gange», sagt Reize.

Positives Fazit im Oberaargau
Im Berner Verwaltungskreis Oberaargau zirkuliert die Mobile Ärzte AG schon seit Anfang dieses Jahres. Sie ersetzt damit den ehemaligen Hintergrunddienst der Hausärzte, welcher Haus- und Heimbesuche bei besonderen Fällen beinhaltete. Christoph Ott, Präsident des Ärztlichen Bezirksvereins Oberaargau mit Hausarztpraxis in Langenthal, bestätigt, dass der Hintergrunddienst sehr unbeliebt war. Dies vor allem bei jungen Ärzten, welche die ständige Einsatzbereitschaft nur schwer mit ihrer Familienbetreuung vereinbaren konnten.

«Es war ausserdem nicht angenehm, wenn man mitten in der Nacht auf einem abgelegenen Bauernhof mit einem bösen Hund kämpfen musste», sagt Ott. Heute Abend will der Ärztliche Bezirksverein an seiner Sitzung eine erste Bilanz zum Service der mobilen Ärzte ziehen. Sein persönliches Fazit sei aber sehr positiv, betont Ott. Und auch die Patienten seien zufrieden.

Vorbehalte beim KSA
Auch in den Aargauer Bezirken Aarau und Lenzburg steht das Angebot der mobilen Ärzte bereits zur Verfügung. Auf die Notfallpraxis des Kantonsspitals Aarau beim Bahnhof hat dieses aber kaum Auswirkungen. Dort wurden zwischen Januar und Mai dieses Jahres sogar 17 Prozent mehr Patienten behandelt als in der Vorjahresperiode ohne die mobilen Ärzte. Laut dem Leiter des Praxiszentrums Dr. Stephan Koch könne man in der Praxis eine umfangreichere Diagnostik und Behandlung anbieten als in den Fahrzeugen der mobilen Ärzte. «Wir bieten im Praxiszentrum nicht nur eine Momentbeurteilung an, sondern wir behandeln den Patienten bis zum Abschluss weiter. Dadurch bauen wir eine Beziehung mit dem Patienten auf, welche ein wichtiger Faktor darstellt», betont Koch.

Das Angebot der mobilen Ärzte könne ausserdem nur einen kleinen Teil der Bedürfnisse der Notfallversorgung abdecken. Auch wenn es sich beim Angebot der «Mobilen Ärzte AG» um einen Notfalldienst handelt, ist bei lebensbedrohlichen Situationen ohnehin die Ambulanz (144) zu rufen, da die mobilen Ärzte keine Rettungseinsätze fahren dürfen.

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