Eine kleine Revolution: Warum Aarau zum Papi-Paradies wird

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Angestellte der Stadt Aarau dürfen sich über 20 Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub freuen. (Symbolbild Thinkstock)

In den sozialen Medien erhält Aarau seit Montagabend Applaus aus der ganzen Schweiz. Der Einwohnerrat hat im revidierten Personalreglement etwas eingeführt, was es so noch selten gibt: Einen bezahlten Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen, die am Stück oder tageweise bezogen werden können. Zusammen mit den fünf Wochen Ferien, die alle Stadtangestellten mit dem neuen Reglement zugute haben, ergibt das neun Ferienwochen (bei einem 100-Prozent-Pensum).

Vorgesehen hatte der Stadtrat 10 Tage Vaterschaftsurlaub – wie bisher. Der Änderungsantrag auf 20 Tage war aus der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission gekommen. Schon dort war er, wie Kommissionssprecher Nicola Müller ausführte, intensiv diskutiert worden. Und schon dort fiel der Entscheid zum Antrag per Stichentscheid durch Präsident Ueli Fischer (Pro Aarau) nach einer 5:5-Patt-Situation (abwesend: Simon Burger, SVP).

Fischer sprach am Montag in seiner Funktion als Ratsmitglied bei der Debatte im Einwohnerrat: «Grosszügiger Vaterschaftsurlaub lohnt sich», so der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Das Gegenargument – Familiengründung sei reine Privatsache – treffe auch auf anderer Bereiche zu, «und da sind wir ebenfalls solidarisch».

«Zehn Tage grosszügig genug»
Patrick Deucher (FDP) befand, 10 Tage seien bereits «sehr grosszügig» – an den meisten Orten seien es nur drei Tage. «Das Reglement ermöglicht ausserdem, unbezahlten Urlaub zu nehmen.» Ausserdem werde auf nationaler Ebene über den Elternurlaub als Gesamtlösung diskutiert, wenn dieser dann kommen sollte, könne man das Reglement immer noch anpassen.

Die SVP hatte gemäss Fraktionssprecher Urs Winzenried «eine klare Haltung» zum Thema. Auch diese Fraktion befand, zehn Tage genügten. «Diskutiert wurde, ob man nicht stattdessen beim Tod des Ehegatten mehr bezahlten Urlaub erhalten soll, da ist die Belastung grösser, als wenn man Vater wird.» Wie bisher erhalten Angestellte in diesem Fall – wie auch beim Tod eigener Kinder – fünf Tage frei.

«Besser Teilzeitarbeit fördern»
Namens der CVP sage Lukas Häusermann, er verstehe die Intention hinter dem Antrag auf 20 Tage, seine Fraktion lehne ihn aber ab. «Es ist dem Vater durchaus zuzumuten, regulär Ferien zu nehmen.» Das sei bei ihm selber vor drei Jahren nicht anders gewesen. Die 10 Tage seien «durchaus angemessen» und «im Vergleich mit Privatunternehmen bereits eine komfortable Lösung». Häusermann betonte aber – zuhanden des Stadtrats und der Verwaltung – es sei wichtig, Vätern die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit einzuräumen. «Das ist leider im Personalreglement nicht regelbar, sondern eine Frage von Führung und Unternehmenskultur.»

Die anderen Parteien stellten sich hinter den Antrag aus der Geschäftsprüfungskommission. Es kam wiederum zur Patt-Situation: 24 Ja zu 24 Nein. Das Zünglein an der Waage spielte Matthias Keller (EVP). Der erst 29-jährige Einwohnerratspräsident fällte den Stichentscheid für ein Ja. Selber noch nicht Vater («Ich habe noch nichts gemacht mit Hand und Fuss», scherzt er), ist Keller das Thema dennoch nicht fremd: «Schon im Rahmen der nationalen Kampagne von männer.ch habe ich mich für einen erweiterten Vaterschaftsurlaub eingesetzt», erklärt der Ratspräsident gegenüber der AZ. Männer.ch ist der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisation. Er fordert mit der Volksinitiative «Vaterschaftsurlaub jetzt» ebenfalls einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen; das sei «notwendig, zeitge- mäss und bezahlbar».

Keller betont, ihm sei klar, dass bereits 10 Tage Vaterschaftsurlaub – wie bis anhin – eine gute Lösung gewesen wären. Und auch, dass die nun beschlossenen und im Personalreglement verankerten 20 Tage durchaus eine luxuriöse Variante seien, mit der Aarau in diesem Bereich obenaus schwingt. Aber: «Ich hatte die Mitarbeiter im Blick, die künftigen Väter. Wenn man als junger Vater gleich von Anfang an voll dabei sein will, ist es eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen.»

Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker hatte sich gegen den Antrag ausgesprochen. Einerseits, um die Kostenneutralität der Vorlage nicht zu kompromittieren. Andererseits auch, weil Aarau mit 20 Tagen eine absolute Ausnahme darstellen würde – auch im Vergleich mit den anderen Gemeinden im «Zukunftsraum Aarau», der sich mit den Ja aus allen beteiligten Gemeinden in den letzten Wochen so positiv entwickle. Tatsächlich sind Aaraus potenzielle Fusionspartner weit weniger grosszügig: Suhr, Densbüren und Oberentfelden gewähren nur gerade zwei Tage Vaterschaftsurlaub, Unterentfelden drei. Was im Falle eine Fusion übernommen würde, wäre Verhandlungssache.

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