SVP schickt für Ständeratswahlen Knecht ins Rennen: «Ich bin kein Ämtlifresser»

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Hansjörg Knecht (58), SVP-Nationalrat und bald wieder Ständeratskandidat (Bild: Sandra Ardizzone)

Gewählt wird erst am 20. Oktober 2019. Doch der Ständeratswahlkampf ist schon lanciert. Als Erste macht die SVP Nägel mit Köpfen. Sie schickt erneut den Nationalrat, Energiepolitiker und Müllereiunternehmer Hansjörg Knecht (58) aus Leibstadt ins Rennen.

Schon 2015 war dieser angetreten, um für die SVP den vier Jahre zuvor an Pascale Bruderer (SP) verlorenen Sitz zurückzuerobern. Im ersten Wahlgang landete Knecht als erster Verfolger der klar bestätigten Pascale Bruderer mit 6000 Stimmen Vorsprung vor Philipp Müller (FDP) auf dem zweiten Platz. Im zweiten Wahlgang machte aber FDP-Schweiz-Präsident und Nationalrat Müller mit 9000 Stimmen mehr das Rennen.

Knecht führt das damalige Ergebnis nicht zuletzt auf einen Korrektureffekt zurück. Viele hätten nach dem Wahlsieg der SVP mit einem nie da gewesenen Wähleranteil von 38 Prozent seine Partei nicht auch noch im Ständerat stärken wollen. Knecht: «Es lag nicht an meiner Person.»
Musste er sich zur erneuten Kandidatur durchringen? Dass die Findungskommission ihn vorschlage, ehre ihn, sagt Knecht. Er wolle Milizpolitiker bleiben.

Er schätzt, dass er übers Jahr gesehen pro Woche etwa 45 Stunden im Beruf arbeitet, und etwa 25 Stunden als Politiker sowie als Präsident des Hauseigentümerverbandes (HEV) Aargau unterwegs ist. Das ginge auch als Ständerat auf, ist er überzeugt. Dies aufgrund des kleineren Rates und der dadurch effizienteren Arbeitsweise. Zudem könne er als Energiepolitiker oft von Synergien profitieren. Ein Ämtlifresser sei er nicht. Er konzentriert sich auf wenige Aufgaben, «die mache ich dafür mit Herzblut».

Frühstart für Bekanntheit?

Vor vier Jahren war der im Vergleich zu Pascale Bruderer, Philipp Müller und Ruth Humbel (CVP) deutlich tiefere Bekanntheitsgrad des erst 2011 in den Nationalrat gewählten Knecht sein grosses Handicap. Darum startete die SVP damals sehr früh mit der Kampagne, um dies auszugleichen. Steckt wieder dieser Gedanke hinter der frühen Bekanntgabe? Knecht verneint. Man sei einfach früh dran: «Es macht keinen Sinn, mit der Öffentlichmachung künstlich zuzuwarten».

Slogan steht noch nicht fest

Vor vier Jahren setzte der SVP-Nationalrat auf den Slogan «Knecht wählen. Könige gibt es genug». Kommt der wieder? Ob er so oder ähnlich wieder zu hören ist, stehe aber noch nicht fest, so Knecht. Er sagt aber, «dass in der direkten Demokratie das Volk der Chef ist und ich als Volksvertreter mich diesem Grundsatz folgend auf die sachorientierte Arbeit konzentriere».
Und als Ständerat? Da sehe er sich als eine Art verlängerter Arm der Kantonsregierung: «Kantonale und regionale Interessen stehen für mich vor dem Parteiinteresse.»

Zum Beispiel? Als Nationalrat setzte er sich innerhalb der SVP für die Park-innovaare-Vorlage ein. Die schweizerische SVP lehnte die Vorlage ab. Knecht und seine Aargauer SVP-Kollegen stimmten aber zu. Lediglich die Aargauer Regierungsposition in Bern vertreten würde er dann aber schon nicht. So ist ihm die Haltung der Aargauer Regierung zur Steuervorlage 17 zu zaghaft: «Ich würde unbedingt mehr Autonomie für die Kantone verlangen als sie.»

Partei als Handicap?

Als Ständeratskandidat muss man unbedingt auch überparteilich Stimmen holen, um gewählt zu werden. Steht ihm da seine kompromisslos auftretende Partei und seine dezidiert kernenergiefreundliche Haltung nicht im Weg? Erst recht, nachdem das Schweizervolk die Energievorlage des Bundes zur Energiestrategie 2050 gutgeheissen hat?

Das sieht Knecht gar nicht so. Er habe gezeigt, dass er durchaus kompromissfähig sei, wenn es der Sache diene. Zur Energiepolitik verweist er darauf, dass der Aargauer Souverän die Energievorlage abgelehnt hat. Es sei ihm schon klar, dass man ein KKW mit den heutigen Reaktortypen nicht mehr bauen könnte und dass sich heute kein Investor fände, «aber ich bin gegen Technologieverbote. Arbeitsplätze im Energiebereich sind für den Aargau enorm wichtig».

So bekämpfte er in Bern erfolgreich eine Laufzeitbeschränkung für KKW: «Sie sollen so lange in Betrieb sein dürfen, als sie sicher betrieben werden können.» Da dürfte ihm, der heute in der SVP Schweiz den Lead in der Energiepolitik hat, entgegenkommen, dass just im Wahljahr 2019 über das aargauische Energiegesetz debattiert wird. Ein Wahlkampfthema steht also schon mal fest.

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