«Ich weiss nicht, ob schneller auch besser ist»

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Firmengründer Peter Bachmann (rechts im Bild) übergab die Geschäftsleitung kürzlich Sohn Daniel Bachmann (ganz links) und Hasper Hauri. (Bild: FDU)

Er ist etwas versteckt, der Eingang zum Büro auf dem Gelände des Baugeschäfts Bachmann. Gefunden werden die Chefs trotzdem. Die Kunden wissen, durch welche Baucontainer-Tür sie den Kopf strecken müssen, um beraten zu werden. Und jeder von ihnen darf sich des offenen Ohrs von Peter Bachmann sicher sein. Der 70-jährige Geschäftsgründer berät den Herrn, der wegen einer Frage zur Auftragsabwicklung eben seinen Kopf zur Tür reingestreckt hat, während er gleichzeitig über sein Lebenswerk erzählt.

Offiziell ist Peter Bachmann schon pensioniert. Vor kurzem hat er die Geschäftsleitung seines 50-jährigen Unternehmens an seinen Sohn Daniel (41) und seinen langjährigen Mitarbeiter Hasper Hauri (37) übertragen. Ins Kämmerchen verkriecht er sich deswegen aber noch nicht. Vorerst wird er weiter für die Bachmann AG wirken, wird seine Nachfolger mit Rat und Tat unterstützen. Um Rat sind die beiden auch dankbar, wie Sohn Daniel Bachmann sagt: «Bevor ich im April letzten Jahres ins Geschäft meines Vaters kam, habe ich bei einer grossen Baufirma gearbeitet und wollte gleich alle Abläufe von dort umsetzen. Da galt es zuerst zu lernen, dass die Dinge in einem kleinen Betrieb anders laufen.»

Zu zweit sei die Führung einfacher, sagt Peter Bachmann. «Da darf einer auch einmal krank sein. Er selber hatte das Privileg nicht, «das Team waren meine treue Bürofrau Ursel Rapolani und ich».

Zu ersten Aufträgen per Vespa

Der Unternehmergeist erwachte früh im damaligen Maurerlehrling Peter Bachmann. Erst 17 war er, als er ein Nachlassinventar eines Müheler Baugeschäfts aufkaufte. Mit 20 gründete er 1968 seine Ein-Mann-Firma. Er hatte kurz zuvor seine Maurerlehre bei Hauri in Reitnau abgeschlossen und besass gerade einmal die wichtigsten Werkzeuge. «Ich habe jeden auch noch so kleinen Auftrag angenommen. Und nach vielen kleinen kamen irgendwann grössere Aufträge.» Den ersten Mitarbeiter konnte er bereits zwei Monate nach Gründung anstellen. So ging es Stück für Stück aufwärts. Für seine ersten Maurerarbeiten musste die Vespa als Transportmittel reichen. Abgelöst wurde das Zweirad von einem Auto und dieses von einem VW-Bus.

Aus Rückschlägen lernen

«Immer arbeiten und immer vorwärtsschauen» lautet Peter Bachmans Antwort auf die Frage, wie ihm der Aufstieg gelungen sei. «Und natürlich immer korrekt mit den Kunden sein. Man kann es nie allen recht machen, muss es aber trotzdem jedes Mal aufs Neue probieren.» Gäbe es Rückschläge, so müsse man diese nutzen, um daraus zu lernen. Lernen musste der Jungunternehmer mit zunehmendem Erfolg vor allem neue Branchenzweige. Längst wurde er nicht mehr nur fürs Maurern geholt. Die Bauarbeiten, die in der Region anfallen, wollte ich abdecken können», sagt Peter Bachmann. So habe er eben immer wieder etwas dazugelernt.

Auf den Kran statt in die Badi

Inzwischen war die ganze Familie Bachmann in die Firma eingebunden: Mutter, Vater und Bruder Richard, der als Lehrling einstieg und danach gleich blieb. Auch Sohn Daniel packte schon als Schuljunge zu. Schon mit zehn Jahren durfte er auf den Kran steigen. Ein wahrgewordener Bubentraum? «Nicht in jeder Hinsicht», sagt er: «An warmen Mittwochnachmittagen wäre ich natürlich auch lieber mit den anderen in die Badi gegangen». Trotzdem: Das Bau-Fieber packte auch den Junior. Er lernte ebenfalls Maurer, später kam die Polierausbildung hinzu.

Zusammen mit Hasper Hauri übernahm er vom Vater ein Geschäft mit 20 Mitarbeitern. An ihnen ist es nun, den Erfolg halten zu können. Konkurrenzfähig sei man nur, wenn man stets mit derselben Leidenschaft und Faszination an die Arbeit gehe wie am ersten Tag, gibt Peter Bachmann hierfür auf den Weg. Und natürlich müsse sich die Branche jedem veränderten Kundenverhalten anpassen. So müsse der Bauführer heute viel flexibler sein als früher, müsse auf die Schnelllebigkeit reagieren: «Früher kauften die Leute Bauland, überlegten gut und konnten nach etwa einem Jahr ins neu gebaute Haus einziehen. Heute können sie nach dem Grundstückkauf kaum warten, bis sie bauen und einziehen können.» Klagen nütze da nichts, sagt Peter Bachmann. Nicht der Bauunternehmer stelle die Regeln auf, sondern der Markt, und wer klug sei, richte sich danach.

Vieles hat sich geändert, seit Peter Bachmann mit dem VW-Bus zu seinen Aufträgen fuhr. Die Technik ist ausgereifter, es gibt neue Materialien, bessere Betonsorten, alle lassen sie die Arbeit schneller erledigen. Ein Vorteil, sagen die beiden Jungen. Peter Bachmann ist skeptisch: «Ich weiss nicht, ob schneller auch besser ist. Aber aufhalten lässt sich das natürlich nicht.»

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