Die Debatte um schlankere Strukturen nimmt Fahrt auf

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So sähen die neuen Gemeindegrenzen nach einem Vorschlag von Peter Gehler aus. Er ist Präsident des Verbandes Wirtschaft Region Zofingen (WRZ). Die Gemeinde Rothrist-Aare (rot) umfasst die heutigen Gebiete von Rothrist, Murgenthal, Vordemwald und Strengelbach (ca. 18000 Einwohner); Zofingen-Wiggertal (gelb) vereint Brittnau, Zofingen, Oftringen und Aarburg (ca. 37000 Einwohner); Kölliken-Suhrental (blau) würde die heutigen Gemeinden Kölliken, Safenwil, Uerkheim, Bottenwil, Wiliberg, Reitnau (inkl. Attelwil), Staffelbach, Kirchleerau und Moosleerau umfassen (ca. 15000 Einwohner). «Das gäbe drei kraftvolle, autonome Gemeinden mit einem grossen Handlungsspielraum», sagt Gehler dazu. «Es liessen sich Steuergelder in Millionenhöhe sparen, die heute in überflüssige Strukturen investiert werden.» Die Steuerfüsse würden sinken, ist Gehler überzeugt. Gleichzeitig wären – trotz der Einsparungen – Investitionen in Sportanlagen, Freizeitanlagen, kulturelle und gesellschaftliche Infrastrukturen möglich. Grafik: Philipp Muntwiler/d-maps.com
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Der Vorschlag von Zofingens Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger umfasst vier Verwaltungseinheiten: 1. Oftringen und Aarburg (gelb); 2. Rothrist, Vordemwald und Murgenthal (rot); 3. Zofingen, Strengelbach, Brittnau, Uerkheim, Bottenwil, Staffelbach, Reitnau (mit Attelwil), Wiliberg, Kirchleerau und Moosleerau (grün); 4. Safenwil und Kölliken (blau). Grafik: Philipp Muntwiler/d-maps.com

Das Thema kam am 6. Juni auf den Tisch: Peter Gehler, Präsident des Verbandes Wirtschaft Region Zofingen (WZR), äusserte sich ungewöhnlich kritisch zur Entwicklung im Bezirk Zofingen: Viele Gemeinden hätten sehr hohe Steuerfüsse, böten ihren Einwohnerinnen und Einwohnern aber eher wenig. Damit werde die Profilierung der Region Zofingen aktiv behindert. «Wir verkommen immer mehr zum Hinterland von Olten und Aarau.» Die Strukturen im Bezirk seien «nicht von gestern, sondern von vorgestern.» Der regionale Wirtschaftsförderer Andreas Brändle doppelte nach: Die Ansiedlungsdynamik im Bezirk sei zu schwach, das Arbeitsplatzwachstum zu mager. «Wir verlieren mehr Unternehmen als wir hinzugewinnen». Auch Zofingens Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger plädierte am «Tag der regionalen Wirtschaft» für grössere Verwaltungseinheiten. Die Kleinräumigkeit behindere die Entwicklung: «Im Prinzip schwächen wir uns so, indem wir Strukturen erhalten, die nicht überlebensfähig sind.»

Diese Zeitung publizierte vorgestern Gehlers und Hottigers Vorschläge für grössere Verwaltungseinheiten (siehe Karten rechts). Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Die Redaktion gab allen Ammännern im Bezirk die Möglichkeit, sich zu den Vorschlägen zu äussern. Zwei Beiträge publizieren wir auf dieser Seite: einer stammt von Max Moor, dem Gemeindeammann von Vordemwald, der andere von Stephan Wullschleger, Ammann in Strengelbach.

«Im Prinzip äussert sich Hans Ruedi bereits zur Strategie von Vordemwald. Ich kann diese Aussagen nur bekräftigen.

Wir haben uns vor einigen Jahren entschieden, nur noch mit einer Gemeinde zusammenzuarbeiten. Wir haben das Modell «fokussierte Zusammenarbeit» genannt. Die Wahl ist nach einem intensiven Auswahlverfahren auf Rothrist gefallen. Wir arbeiten mit Rothrist mittlerweile in vielen Bereichen eng und sehr gut zusammen, Beispiele sind die Elektrizitäts- und Wasserversorgung, die Bauverwaltung, die Sozialen Dienste, das Betreibungsamt sowie die gesamte Oberstufe samt Musikschule.

Aus unserer Sicht ist es eine Win-Win-Situation, da wir so diese Bereiche professionell abdecken können, viel Sicherheit in der Versorgung erhalten und mit nur einem Ansprechpartner schnelle und klare Prozesse in der Zusammenarbeit führen können. Als «kleine» Gemeinde könnten wir diese Dienste gar nicht mehr eigenständig führen, unter anderem weil in allen Bereichen die Komplexität deutlich und konstant zunimmt. Rothrist kann seinerseits die Bereiche gut und effizient auslasten. Wir sind überzeugt, dass wir damit einen guten Entwicklungsschritt gemacht haben, ohne gleich eine Fusion anstreben zu müssen.

Klar ist, dass in einer gezielteren Zusammenarbeit unter den Gemeinden noch sehr viel Potenzial steckt. Dies ist allerdings aus meiner Sicht nicht auf «Befehl» und von heute auf morgen umsetzbar, sondern muss als Prozess betrachtet werden, welcher Zeit benötigt, sich entwickeln muss und politische wie kulturelle Gegebenheiten berücksichtigt. Die Gemeinden sind gefordert und müssen Veränderungen aktiv angehen. Ein sehr gutes aktuelles Beispiel ist die Regionalisierung der Spitex. Vordemwald ist offen und interessiert für weitere Entwicklungen in der Region.» Max Moor, Gemeindeammann Vordemwald

 

«Wenn auch die meisten Gemeinden einer Fusion nie zustimmen würden - das heisst momentan und auch in naher Zukunft nicht - könnte eine nächste Generation eine ganz andere Meinung dazu haben. Diesen eventuellen künftigen Veränderungen möchten wir uns stellen.

Für mich stellt sich die Frage, ob wir einen Zusammenschluss anstreben, damit wir einfach schnell grösser sind und glauben, nur durch die Grösse eine regionale Wahrnehmung ausstrahlen zu können. Oder wachsen wir langsam zusammen, nutzen die Synergien, fördern die Zusammenarbeit - und als Letztes kann wie in einer Beziehung ein Zusammenschluss entstehen. Mit anderen Worten: eine populistische Fusion oder eine partnerschaftliche Fusion.

Eine Gemeinde kann Spuren hinterlassen, die eine strategische Ausrichtung erkennen lässt. Die Gemeinde Strengelbach wird demzufolge nie über die Berge gehen und einen Zusammenschluss mit Vordemwald, Murgenthal und Rothrist eingehen. Unser Anschluss bleibt im Tal und zeigt klar Richtung Zofingen. Unser Mitwirken mit anderen Gemeinden wird sich hauptsächlich aufs Wiggertal beschränken.

Neben der Forderung nach gemeinsamen Verwaltungsaufgaben und überregionalen Projekten sind uralte Einflüsse für eine Zusammenarbeit zu beachten. Dies sind geografische Gegebenheiten wie Berge und Täler, Fliessrichtungen der Gewässer und die optimalen Verbindungswege zueinander. Bei einer guten Zusammenarbeit will man einander sehen und in kürzester Zeit treffen können. In der Höhe entsteht das Kleine und der Wasserlauf zeigt uns die Richtung zum Grossen. Dieses Gefühl der Vernetzung bestand schon immer und lenkt uns auch heute noch, bewusst oder nicht bewusst. Ebenfalls müsste bei einer Optimierung kein Halt an der Bezirks- oder Kantonsgrenze gemacht werden, sondern der gesamtheitliche Nutzen betrachtet werden.

Aus diesem Grund kann ich keinem der beiden Vorschläge die Zustimmung geben, weil noch nicht alle Gegebenheiten und Optimierungen berücksichtig wurden. Wir haben zu viele grosse Gemeinden in unserer Region, die einen schnellen strategischen Entscheid für ein grosses Gebilde nicht zulassen oder auch nicht wollen. Es wird längerfristig in unserer Region durch gute wachsende Vernetzung und Zusammenarbeit zu partnerschaftlichen Fusionen kommen, aber eher in zwanzig Jahren als in fünf Jahren.

Die Gemeinde Strengelbach hat ihren Weg eingeschlagen und mit unseren Visionen und der strategischen Ausrichtung bis 2035 diesen Veränderungen Rechnung getragen. Durch die momentane Eigenständigkeit und den Synergieoptimierungen in der Region möchten wir für die Nachkommen eine gute Ausgangslage schaffen und Spuren legen für eine eventuelle neue zukünftige Ausrichtung.

Auch wenn am vergangenen 6. Juni, am Tag der regionalen Wirtschaft, unsere Ausrichtung falsch interpretiert und demzufolge falsch wiedergegeben wurde, stehen wir zu unseren Grundsätzen, sind gerne ein Teil der Region Wiggertal und helfen auch weiterhin die Region mitzutragen.» Stephan Wullschleger, Gemeindeammann Strengelbach

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