Neuer Streckenrekord: Ein Bergrennen wie aus dem Bilderbuch

Wenn er am Start steht und das Visier herunterlässt, hat Thomas Amweg nur noch einen Gedanken: Vollgas geben. «Du hast keine Anlaufzeit und darfst dir keinen Fehler erlauben», sagt der 33-jährige Rennfahrer aus Ammerswil. «Zugleich musst du immer kalkulieren, wie viel es leiden mag bei einem Tempo von bis zu 200 km/h.»

Gestern war nicht nur Thomas Amweg, sondern ganz Reitnau im Rennfieber. Die 53. Ausgabe des Bergrennens Reitnau beförderte das Dörfchen mit 1268 Einwohnern in den Ausnahmezustand: Aufheulende Motoren und Benzingeruch erwarten die Zuschauer, die zu Tausenden an die Rennstrecke strömen. Mitten im Dorf stehen die Wagen aufgereiht, einer getunter als der andere, und warten auf ihren Start. 227 Fahrer absolvieren zwei Trainings und zwei Rennläufe – unter den wachsamen Augen der Streckenposten. Geschützt hinter einem Baum sind Larissa Keller (26) aus Murgenthal und Roberto Ceballos (28) aus Lommiswil stationiert. Sie müssen auf vieles Acht geben: Dass keine Steine auf der Strecke liegen, die Autos die Scheiben nicht runterlassen, die Zuschauer hinter der Schranke bleiben – «da sind sie versichert, zehn Zentimeter weiter vorne nicht», sagt Larissa Keller.

Motorsport ist ein Extremsport
Doch die wichtigste Aufgabe der Posten: Sie helfen, wenn ein Unfall passiert. «Dann musst du einfach handeln. Wie ein Roboter, ohne nachzudenken», sagt Larissa Keller. Sie hat schon mehrere Unfälle miterlebt: «Motorsport ist ein Extremsport. Wenn wir die orange Kleidung anziehen, sind wir auf alles gefasst.»

In einer speziellen Ausbildung und einem jährlichen Wiederholungskurs werden die Posten für den Ernstfall geschult. «Irgendwann kannst du heikle Situationen voraussehen: Wenn ein Fahrer nie auf der Ideallinie fährt, ist etwas faul», sagt Keller, die diese Saison an 28 Renntagen im Einsatz ist. Ein grosses Pensum in einem harten Job – die Posten sind bis zu 14 Stunden im Einsatz, egal, ob es 35 Grad heiss ist oder durchgehend regnet. Doch Keller und Ceballos mögen die familiäre Atmosphäre im Fahrer- und Helferlager: «Wenn die Fahrer nach dem Rennen herunterkommen, winken sie uns zu: Eine einfache Geste, um Danke zu sagen.»

Ans Rennen statt in die Badi
In sicherer Entfernung, aber dennoch direkt an der Rennstrecke steht die Haupttribüne. Sie wimmelt von Zuschauern. Drei davon sind Joana (14), Janine (16) und Lena (13) aus Reitnau und Attelwil. Seit sie klein sind, schauen sie sich jedes Jahr das Rennen an. An diesem heissen Tag stattdessen in die Badi zu gehen, war für sie nie ein Thema: «Das können wir ja das ganze Jahr lang machen! Das Rennen aber findet nur einmal statt.» Die drei Mädchen geniessen die Rennatmosphäre, am coolsten finden sie die driftenden Showwagen. Sie lachen und verdrehen die Augen, als es ein Show-BMW so wild treibt, dass ihm in einem lauten Knall der rechte Hinterreifen platzt.

Dann ist es Zeit für den Start von Thomas Amweg mit dem Lola 99/50 Mader. Zum zweiten Mal in Reitnau dabei, ist er mit Ambitionen angereist: «Ziel wäre ein Platz in den Top 3», erklärt der 33-Jährige vor dem ersten Rennlauf. Noch immer kämpfen er und sein Team mit leichten Schaltungsproblemen, wie schon im ersten Bergrennen der Saison in Hemberg. «Das stört in der Konzentration. Doch ich werde das Beste daraus machen.»

«Bis du nur das Leben riskierst»
Thomas Amweg hat das Benzin im Blut: Er ist der Sohn des legendären «Bergkönigs» Fredy Amweg. Grosse Fussstapfen, in die der Sohn tritt – doch er empfindet den Vergleich mit seinem Vater keineswegs als negativ: «Es ist für mich eher ein Ansporn. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken, ohne seine Erfolge hätten wir manche Sponsoren nicht.»

Thomas Amweg ist seit 2004 Rennfahrer. Seine grössten Erfolge feierte er in der Formel 3 (Rundstrecke), in einem alten Auto vom mehrfachen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel. Besser und immer noch besser fuhr Amweg – bis, wie er selbst sagt, «du irgendwann einfach nur noch das Leben riskierst». So entschied er sich, in die Formel 3000 zu wechseln. Hier fährt Amweg nicht direkt gegen die Konkurrenten, sondern «nur» gegen die Uhr. «Der Konkurrenzkampf ist natürlich auch gross – du siehst immer, wie viel dir auf den Besten fehlt.» Obwohl der Zusammenhalt unter den Fahrern da ist, gibt es auch Misstöne: «Vor allem, weil manche Fahrer nicht so hart arbeiten müssen wie die anderen – nach dem Motto: Papa zahlt alles.» Da komme manchmal Neid auf bei denen, die selber viel Zeit und Schweiss in die Pflege des Autos investieren.

Doch an diesem Sonntag ist Thomas Amweg zufrieden: Trotz der technischen Probleme reicht es für den dritten Rang. «Mit der Zeit bin ich nicht so happy, mit dem Rang aber schon», sagt er nach dem Rennen. Man darf gespannt sein, wo Amweg steht, wenn einmal alles nach Plan läuft. Geschlagen geben muss er sich nur Marcel Steiner, der mit 47,86 Sekunden einen neuen Streckenrekord aufstellt, und dem Letztjahressieger und bisherigen Streckenrekordhalter Eric Berguerand.

«Es hat alles gepasst»
Ein durchweg positives Fazit zieht OK-Chef Thomas Kohler. «Gar keine Zwischenfälle, geschätzte 12 000 Zuschauer, das ist massiv mehr als letztes Jahr, Zeitplan eingehalten – es hat wirklich alles gepasst. Eine Bilderbuchveranstaltung, wie wir sie seit Jahren nicht mehr hatten.»

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