Ende der Sonntagsidylle: Heute vor 68 Jahren stürzte in Olten ein Flugzeug ab

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Das Kleinflugzeug des Typs Auster stürzte an der Unterführungsstrase in Olten ab (zVg/Bundesarchiv Bern)
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Willy Studer, verunglückter Pilot (zVg/Bundesarchiv Bern)
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In diesem Bereich stürzte das Flugzeug ab (Google Streetview Screenshot)

Sonntag, 2. Juli 1950, kurz vor Mittag. Ein Kleinflugzeug stürzt an der Unterführungsstrasse ab, alle drei Insassen sind sofort tot. Beim Piloten handelte es sich um Willy Studer, bei den beiden jugendlichen Passagieren um Lilly und René Bitterli-Wyss. Andere Personen kamen nicht zu Schaden. Die wenigen Passanten, die sich auf der Strasse befanden, konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Der Pilot Willy Studer war beim Crash erst 25 Jahre alt. Er war an der Feigelstrasse in Olten aufgewachsen und Kaufmann von Beruf. Er lebte in der senegalesischen Hauptstadt Dakar und weilte zur Zeit des Flugunfalls nur ferienhalber in der Schweiz. Seine fliegerische Ausbildung hatte er in der Pilotenschule des ehemaligen Chefpiloten der Ad Astra, Alfred Comte, in Spreitenbach AG sowie in der Sportfliegerschule Bern erworben. Am 7. Mai 1947 erhielt er das Brevet I für Tourismusflugzeuge mit der Qualifikation «gut bis sehr gut». Dies, nachdem er die theoretische Prüfung wegen ungenügenden Kenntnissen hatte wiederholen müssen.

Anschliessend bildete er sich in Frankreich und England weiter. Bei seiner Rückkehr liess er sich am 26. Mai 1950 aufgrund der französischen und englischen Papiere eine schweizerische Lizenz als Privatpilot ausstellen. Mit dem Flugzeug Auster HB-EOH war Willy Studer in 13 Starts bereits total 1 Stunde und 20 Minuten geflogen.

Flugzeug geriet ins Trudeln
Am Unglücktag charterte Willi Studer bei der Sektion Olten des schweizerischen Aero-Clubs (AeCO), wo er nicht Mitglied war, ein Kleinflugzeug des britischen Herstellers Auster Aircraft. Der AeCO hatte den Dreiplätzer erst vor kurzem von den Auster-Werken erworben. Um etwa 11.15 Uhr startete Studer mit der Maschine

HB-EOH vom Flugfeld im Gheid. Mit an Bord waren seine Freunde Lilly und René Bitterli-Wyss, die er zu einem Rundflug eingeladen hatte. Nach dem Abheben zog Studer den Flugapparat auf eine Höhe von rund 350 Meter, flog einige Schleifen über Olten und steuerte dann den Meisenhard an, um seinen Passagieren die Häuser einiger ihrer Freunde von oben zu zeigen. Über dem Quartier flog der Pilot drei sehr enge Kurven und stellte das Flugzeug in eine vertikale Neigung.

Durch den an- und abschwellenden Motorenlärm entstand der Eindruck, Willy Studer mache Kunstflugübungen, erinnerten sich Zeugen. Nach der dritten Kurve drosselte Studer den Motor, zog das Flugzeug hoch und fuhr die Landeklappen aus. Die Zeugen berichteten, der Apparat sei einen Sekundenbruchteil still gestanden und dann brüsk in ein unentrinnbares Trudeln geraten. Nach drei oder vier vertikalen Schraubendrehungen, dem sogenannten Vrill, zerschellte das Flugzeug auf dem Trottoir der Unterführungsstrasse, wenige Meter unterhalb der Einmündung der Florastrasse. Fussgänger wurden keine getroffen, obwohl ein Passant, Spenglermeister Emil Glur, sich keine 15 Meter von der Absturzstelle entfernt befand.

Der Bericht des Eidgenössischen Luftamtes, das Büro für Flugunfalluntersuchungen, hält fest, dass der Pilot wegen der zu eng geflogenen Kurven in Schwierigkeiten geraten sei und das Flugzeug in eine unvorteilhafte Position manövriert habe, worauf es ins Trudeln geriet. Studer sei wahrscheinlich von der Härte des Abgleitens in die vertikalen Schraubendrehungen überrascht worden und habe es nicht mehr geschafft, den Apparat vor dem Aufprall auf dem Boden aus der Rotation zu befreien. Generell galten die Auster aber als Flugzeuge, die nur schwer ins Trudeln gebracht werden konnten. Der Motor des Unglücksflugzeugs funktionierte bis zum Aufprall gut; auch andere technische Mängel kamen keine zum Vorschein.

Flugzeug war schon mal beschädigt
Offenbar entstanden Gerüchte, denen der AeCO mit einem Presse-Communiqué entgegnete. Das Flugzeug sei neu und in einem tadellosen Zustand, auch vollgetankt gewesen, der Pilot mit dem Flugzeug eigentlich vertraut, teilte der AeCO via Presse der Öffentlichkeit mit. Tatsächlich war die HB-EOH am 4. Juni «anlässlich einer Capotage», das heisst, bei einem Überschlag, beschädigt worden. Das Flugzeug wurde jedoch in der Swissair-Werft in Kloten repariert und durch das Luftamt wieder zugelassen.

Der AeCO hatte aus dem Absturz einige finanzielle Konsequenzen zu tragen. Der Verein hatte das Flugzeug zum Neuwert von 16 000 Franken versichert, musste jedoch einen Selbstbehalt von zehn Prozent übernehmen, für welchen der Verursacher des Schadens nicht mehr haftbar gemacht werden konnte.

Quellen: Stadtbibliothek Olten und Bundesarchiv Bern

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