SBB fährt nach Sommerfahrplan – Das befürchtete Chaos bleibt vorerst aus

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Sommerfahrplan SBB am Banhof Olten. Die Fahrgäste werden App, Durchsage und Bildschirme am Bahnhof über duie Neuerungen informiert. (Bild: Bruno Kissling)

Basel, 6:59 Uhr. Eine junge Frau schreit in ihr Handy. «Wenn du dich beeilst, schaffst du’s vielleicht noch.» Die Kollegin am anderen Ende der Leitung hört das Wort Sommerfahrplan gerade zum ersten Mal. Schmerzlich muss sie erfahren, dass ihr angepeilter 7.04-Uhr-Zug über Olten nach Luzern nicht fährt und sie den Ersatzzug verpasst. Oder doch nicht? Eigentlich hätte der Zug nach Olten schon vor zwei Minuten abfahren sollen, doch noch rollt kein Rad.

7.01 Uhr, Basel. «Oh, jetzt fährt er grad los.» Der Zug wartet offensichtlich nicht. Die Zuspätkommerin am Telefon wird den Anfang ihres Fotografie-Kurses in Luzern verpassen. Das Lästern beginnt. «Es regt mich schon auf, dass ich jetzt den ganzen Sommer immer in Olten umsteigen muss.» ... «Wie wird das echt, wenn auf dem Heimweg alle verschwitzt stinken.» ... «Zum Glück habe ich immerhin einen Sitzplatz gefunden.»

7.12 Uhr, Liestal. Niemand muss stehen. Auch die Passagiere, die in Liestal zusteigen, finden alle einen Sitzplatz. So mancher kann es sich sogar erlauben, seine Tasche auf den Nebenplatz zu stellen. Die Massnahmen der SBB, verlängerte Züge und Doppelstock-Wagen, wirken.

7.18 Uhr, Läufelfingen. «Diese Strecke ist auch schön. Es freut mich, wieder einmal hier vorbeifahren zu können», sagt ein älterer Herr zum Kondukteur. Der lächelt zurück. Der befürchtete Pendlerstress ist bisher ausgeblieben. Die meisten Passagiere wussten vom Sommerfahrplan und haben sich darauf eingestellt. Ach die durch den Sommerfahrplan getrennten Freundinnen tratschen am Handy mittlerweile über ihre Wochenendausflüge.

7.28 Uhr, Olten. Drei Minuten nach der geplanten Ankunftszeit kommt der Zug in Olten an. Die reine Fahrzeit war trotz des Halts in Liestal nur drei Minuten länger als die Direktverbindung. Wie an jedem Morgen strömen die Pendler aus und in die Züge. Mehr als sonst, scheinen es nicht zu sein. Nur wenige halten stirnrunzelnd vor den Anzeigebildschirmen in der Unterführung an und studieren die Neuerungen, die der Sommerfahrplan mit sich bringt. Zwei SBB-Mitarbeiter helfen ihnen weiter. «Bis jetzt ist alles ruhig geblieben», sagt eine der beiden. Auch für die Kassierein am Kiosk ändert sich kaum etwas: «Bis jetzt merken wir nichts vom Sommerfahrplan. Die Leute sind immer gestresst. Heute nicht mehr als sonst auch.»

8.30 Uhr, Olten. Üblicherweise fährt der IC61 um diese Uhrzeit auf Gleis 7 ein, um zwei Minuten später die Fahrt Richtung Liestal fortzusetzen. Meist trifft der Intercity mit leichter Verspätung im Baselbiet ein. An diesem Sommermorgen steht der Zug ungewohnt früh im Oltner Bahnhof, obwohl der Sommerfahrplan dem IC61-Reisenden eine Minute schenkt.

Exakt um 8.33 Uhr rollt der Zug aus dem Oltner Bahnhof. Augenblicke später steigt er nach einer scharfen Linkskurve durch Trimbach dem Hauenstein-Scheiteltunnel entgegen. Dem östlich in den Berg führenden Basistunnel bleibt für die Sommermonate die Nebenrolle. Wegen der Wartungsarbeiten zwischen Tecknau und Gelterkinden bleibt auf diesem 4,3 Kilometer langen Streckenabschnitt nur ein Geleise offen. Die SBB ersetzt zwischen den Baselbieter Ortschaften Schotter, Schwellen und Schienen.

8.39 Uhr, Läufelfingen. Nach der kurzen Fahrt durch den 160 Jahre alten Hauenstein-Scheiteltunnel schlängelt sich der Zug wieder durch die Idylle des Oberbaselbiets. Die Fernverkehrszüge bewegen vorübergehend auf den den Spuren des Läufelfingerlis. Erst im vergangenen Jahr. sprach sich das Baselbieter Stimmvolk mit 65 Prozent dagegen aus, die Regionalbahn einzustellen. Die SBB hätte die Alternativstrecke durch den alten Hauenstein ohnehin aufrechterhalten. Der aktuelle Sommerfahrplan zeigt weshalb.

8.52 Uhr, Liestal. Fünf Minuten später als es der reguläre Fahrplan vorsieht – dafür pünktlich – hält der IC61 im Kantonshauptort und zieht weiter Richtung Basel.

Der Sommerfahrplan der SBB gilt seit dem 30. Juni und noch bis zum 26. August. Es kommt zu grösseren Einschränkungen im Regional- und Fernverkehr. Der Bahnhof Olten ist besonders betroffen:

Die Fernverkehrszüge IC21/IR26 Lugano/Erstfeld–Olten-Basel fallen in beiden Richtungen zwischen Olten und Basel aus. Reisende von Basel nach Luzern müssen in Olten umsteigen.

Die Fernverkehrszüge IC6/IC61 Bern–Olten–Basel verkehren auf einer alternativen Strecke via Läufelfingen. Die Fahrzeit der Züge verlängert sich dadurch um fünf Minuten. Achtung. die betroffenen Züge fahren einige Minuten früher in Basel ab.

Die IR27 Luzern–Olten–Basel verkehren ebenfalls via Läufelfingen und halten nicht in Gelterkinden an. Die S9 Sissach–Läufelfingen–Olten wird durchgehend durch Bahnersatzbusse ersetzt. Die Reisezeit mit den Bussen dauert bis zu 20 Minuten länger.

Die S3 Porrentruy/Laufen–Basel–Olten verkehrt zwischen Gelterkinden und Tecknau im Stunden- statt im Halbstundentakt. Für die ausfallenden Züge fahren ebenfalls Bahnersatzbusse.

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