Der Zweigenerationenlehrer geht in Pension

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Franz Widmer an seinem Lehrerpult an der Schule Reiden: «Ich hatte viele geniale und selbstständige Klassen.» (Bild: Ronnie Zumbühl)

Als die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4c am Dienstag mit Aufräumen angefangen haben, hat ihr Klassenlehrer Franz Widmer bereits einige Ordner nach Hause genommen. Am Freitag wird er noch den Rest zusammenpacken und die Tür zum Container-Schulzimmer hinter sich abschliessen. Er schliesst damit nicht nur die Tür zum Zimmer, sondern auch seine Berufslaufbahn als Lehrer ab – nach 42 Jahren. Während den 38 Jahren in Reiden hat er zwei Generationen unterrichtet. In seiner aktuellen Klasse ist ein Schüler, dessen Vater in Widmers ersten Klasse war.

1976 das Lehrerseminar abgeschlossen, unterrichtete er zuerst in Marbach und Eich, bevor er 1980 nach Reiden kam. «Wenn ich die Stelle in Reiden nicht bekommen hätte, hätte ich vielleicht die Branche gewechselt», sagt Widmer, der zuvor noch in einer Fabrik gearbeitet hat, da er wegen des damaligen Lehrerüberflusses keinen Job als Lehrer fand.

Der Start in Reiden war nicht einfach: 32 Schülerinnen und Schüler sassen damals, 1980, im Klassenzimmer. Die eine oder andere Klasse habe grosse Defizite gehabt, sagt Widmer und schmunzelt. Und die Arbeitsmoral sei auch nicht bei allen toll gewesen. Das schmälerte seine Motivation aber nicht. Gute Arbeitskolleginnen und -kollegen und seine Frau, die er hier kennen gelernt habe, sorgten dafür, dass er den Rest seines Arbeitslebens in Reiden verbrachte. «Zudem hatte ich auch viele geniale und selbstständige Klassen», sagt der Langnauer.

Paarungsunfall bei Rennmäusen
Erinnerungen aus früheren Schulstunden gibt es noch genügend: An Reidens Abschlussabend vor rund zwei Wochen, als die vier Lehrpersonen Irene Thürig, Margrit Frank, Jürg Delabays und Franz Widmer in die Pension verabschiedet worden sind, kamen einige zutage. «Viele konnten sich beispielsweise an das Aquarium mit Fröschen erinnern», sagt Widmer. «Oder, dass ich manchmal streng war.» Trotz einer gewissen Strenge sei ihm aber auch Fairness und ein gutes Klassenklima wichtig gewesen. Zudem konnten sich viele an die Rennmäuse-Geschichte erinnern. Widmer kaufte für den Unterricht drei Rennmäuse und richtete ihnen im Schulzimmer ein Zuhause ein. Nach wenigen Wochen gab es Nachwuchs, was den Lehrer erstaunte; dachte er doch, er hätte drei weibliche gekauft. So war es aber nicht, also trennte er die Weibchen von den Männchen. Wochen später gab es wieder Junge. Bis Widmer merkte, dass die Kinder die Mäuse heimlich tauschten. Darauf gab er das Männchen weg.

Gesellschaftliche Veränderung
Seine vierte Klasse entlässt er morgen in die Ferien, sich selbst in die Frühpension. Dutzende Klassen, Lehrplanänderungen und die Digitalisierung haben den 63-Jährigen in Bewegung gehalten. Der Computer habe zwar vieles einfacher gemacht, aber heute müsse man auch vielmehr Papierkram erledigen. Der Stellenwert von Lehrpersonen sei gesunken, die Anforderungen stiegen jedoch. «Früher hatte man mehr Zeit, Schule zu geben», sagt Widmer. Die grösste Veränderung sei die Gesellschaft. «Wir sind vielmehr Erzieher geworden und müssen versuchen, erzieherische Defizite aufzuholen.» Aber auch die Kinder müssten viel mehr können – vor allem im Bereich Informatik und Medien. Das Einmaleins und die Rechtschreibung seien aber nach wie vor wichtig, sagt Widmer. Die Fächer Mathematik sowie Mensch und Umwelt hat er am liebsten unterrichtet.

Veränderungen gab es auch im Lehrkörper. Als er 1976 das Lehrerseminar absolvierte, seien fünfzig Prozent der Lehrerschaft Männer gewesen. Nun sind es 80 Prozent Frauen auf der Primarstufe 2. Die eine oder andere seiner Schülerinnen sei auch eine Berufskollegin geworden, sagt Widmer. Das Kollegium werde er am meisten vermissen.

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