Der Lehrplan 21 nach Aargauer Art

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Letzte Woche fieberten die Brugger ihrem Rutenzug, die Aarauer ihrem Maienzug und die Zofinger ihrem Kinderfest entgegen (das Lenzburger Jugendfest folgt diesen Freitag), um sich danach in den Sommerferienmodus zu begeben. Bevor dies Bildungsdirektor Alex Hürzeler tat, präsentierte er den Aargauer Lehrplan 21, der ab Sommer 2020 gelten soll. Revolutionäres umfasst dieser nicht, bringt der Schule Aargau aber die eine oder andere Neuerung – macht sie noch kompatibler zu den Schulsystemen der anderen Kantone.

Die 21 hinter dem Lehrplan steht für unser Jahrhundert, aber auch für die 21 Kantone, welche 2006 von ihren Bürgerinnen und Bürgern in einer Volksabstimmung den Auftrag zur Harmonisierung ihrer Schulen bekamen. Ein wichtiger Teil der Umsetzung sind gemeinsame Lehrziele, die in allen Kantonen nach gleich vielen Schuljahren erreicht werden müssen. Es darf nicht mehr sein, dass ein Kind schulische Probleme bekommt, nur, weil dessen Eltern den Wohnsitz über eine Kantonsgrenze hinweg verschieben. Wir benötigen eine «Schule Schweiz», in der es keine Rolle spielt, in welchem Kanton das Kind ein bestimmtes Schuljahr besucht.

Der Lehrplan 21, dessen Rahmen die kantonalen Bildungsdirektoren 2014 skizzierten, geht einen Schritt weiter. Er stellt einen eigentlichen Paradigma-Wechsel dar, der sich im Begriff «Kompetenzorientierung» manifestiert. Kompetenzorientierung meint, dass nicht mehr Mittel und Wege vorgegeben werden, sondern das Ziel. Der Lehrplan soll einen Beitrag dazu leisten, dass die Kinder dieses Landes zu mündigen, diskussionsfreudigen und kritischen Bürgern herangezogen werden. Letzterem lebt der Aargau voll und ganz nach, indem er als bisher einziger Kanton das Thema Politik zum Pflichtfach macht.

Nichts als pragmatisch ist es – wie in anderen Kantonen – bereits in der fünften Klasse mit dem Frühfranzösisch zu beginnen. Das ist übrigens die einzige Massnahme, die nicht kostenneutral ausfällt. Der Regierungsrat beantragt dem Grossen Rat für diesen Ausbau der Stundentafel drei Millionen Franken pro Jahr.

Wie gesagt: Revolutionäres findet sich im neuen Lehrplan nicht. Entsprechende Zähne wurden gezogen – Überbordendes über die Reling geworfen. Da mitgeholfen hat sicher auch die Volksinitiative «Ja zu einer guten Bildung – Nein zum Lehrplan 21», welche die Stimmberechtigten 2017 in Bausch und Bogen – mit 69 Prozent Nein – abgelehnt haben. Die Initianten – auffällig viele traditionell humanistisch gebildete Leuten der Generation Ü 65 – hatten zwar den Finger auf den einen oder anderen tatsächlich wunden Punkt gelegt, unter dem Strich aber die Absicht verfolgt, das gegenwärtige Fächerangebot der Volksschule in Stein zu meisseln – der Schule Aargau ihre Entwicklungsmöglichkeiten zu nehmen und aus ihr etwas Statisches zu machen.

Die Schule ist Teil der Gesellschaft. Sie muss zwar nicht jeder Mode nachrennen, aber auf Veränderungen reagieren können. Das gilt für den Inhalt des Unterrichts wie auch dessen Ausrichtung auf das Zielpublikum. Fakt ist: Zu viele Schulabgängerinnen und -gänger treten weder eine weiterführende Schule noch eine Berufslehre an. Das ist die bittere Wahrheit, die Angst vor künftigen gesellschaftlichen und sozialen Konflikten macht.

Betroffen sind insbesondere Abgängerinnen und Abgänger der Realschule. Der Regierungsrat will dieses Problem angehen, indem er heutige Freifächer zum Pflichtunterricht macht – kostenneutral, wie er betont. Geht das auf? In der Realschule sitzen etliche Leute, die dem Unterricht aus sprachlichen Gründen kaum folgen können, ja als bildungsunwillig eingestuft werden müssen. Ohne Unterstützungslektionen, ohne zusätzliche Stellenprozente, droht eine Verschlechterung der Bildungssituation für lernwillige Jugendliche.

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