Die neue Bahnhof-Stimme ist halb Mensch, halb Maschine

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Hier spricht bald ein PC: Durchsagen zum Einsteigen an den Bahnhöfen von SBB und BLS. (Bild: SEVERIN BIGLER)

In einem Büro tippt ein SBB-Mitarbeiter eine Störungsmeldung in den Computer. Kurze Zeit später erschallt die Meldung über die Lautsprecher: «Gleis 1: Einfahrt des Interregio 36 nach Zürich». Und nicht mehr in zusammengesetzten Sprachfetzen, wie dies heute der Fall ist, sondern in einer natürlichen Sprechmelodie. So sieht die Zukunft der Durchsagen in Zügen und an Bahnhöfen aus. Ende März schrieben die SBB das Projekt aus.

Nun ist klar, wer die technische Grundlage dazu liefern soll. Es ist die deutsche Firma Aristech mit Sitz in Heidelberg. Die Firma hat ein sogenanntes Text-to-Speech-System entwickelt, das auch schon bei der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) im Einsatz ist. Der Vorteil der neuen Software: Jeder nur erdenkliche Satz kann generiert werden.

In Österreich bereits im Einsatz
Das heutige Durchsage-System der SBB greift auf 10'000 einzelne Satz- und Wortfragmente zurück. Diese wurden von professionellen Sprecherinnen während Monaten eingesprochen. Das Problem dabei neben dem enormen Anfangsaufwand: Braucht es für Durchsagen ein neues Wort, musste dies wiederum aufgenommen werden. So etwa, wenn die SBB eine neue Haltestelle bauen. Das wird mit der neuen Text-to-Speech-Software nicht mehr nötig sein. Denn sie ist in der Lage, selber Wörter und Sätze zu bilden. Das funktioniert, indem einzelne Lautkombinationen aneinandergereiht werden. Die Schwierigkeit liegt darin, dass eine natürliche Sprachmelodie erzeugt wird.

Auch wenn die Sprache in Zukunft digital hergestellt wird, am Anfang steht noch immer die Stimme eines Menschen. Denn auch bei der neuen Software ist die Grundlage das Einsprechen von einzelnen Sätzen. Die werden dann von der Software ausgewertet und im Anschluss dazu verwendet, künstliche Ansagen zu generieren. Noch ist nicht klar, ob die SBB auf die bestehenden Sprecherinnen zurückgreifen. «Welche Stimmen künftig zu hören sein werden, war nicht Gegenstand dieser Evaluation», schreibt SBB-Sprecher Oliver Dischoe auf Anfrage. Dies soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Selbstverständlich seien die SBB aber mit den aktuellen Sprecherinnen in Kontakt.

Bei der ÖBB wurde auf eine bekannte Stimme gesetzt. Die Schauspielerin Chris Lohner erklingt dort seit fast vierzig Jahren aus den Lautsprechern. Dies wird sie weiterhin tun, auch weil ihre Stimme nun synthetisch erzeugt werden kann. Es ist realistisch, dass bei den SBB wie bisher mehrheitlich Frauenstimmen in den Zügen und an den Bahnhöfen erklingen. Laut einem Blogeintrag der SBB zeigten Studien, dass weibliche Tonlagen bei den Passagieren sympathischer wirken. Und das bei beiden Geschlechtern.

30'000 Ansagen pro Tag
Bereits im Frühling 2019 soll ein erstes Pilotprojekt gestartet werden, um das System zu testen, wie die SBB in Unterlagen zum Projekt im März schrieben. Pro Tag laufen in der Schweiz zwischen 20'000 und 30'000 Ansagen über die Lautsprecher. Dies an rund 800 Bahnhöfen der SBB, an 130 der BLS und in Tausenden Zügen von SBB und BLS. Das Ziel der SBB laut Sprecher Oliver Dischoe: «Wir erhoffen uns durch das neue System eine noch höhere Qualität der Durchsagen.» Ausserdem ermögliche der Einsatz eines Text-to-speech- Systems einen flexibleren Einsatz von Durchsagen.

In einem weiteren Schritt wollen die SBB, dass das neue System weit- gehend automatisch situations-, zeit- und bedürfnisgerecht die Passagiere informiert, wie es in den Unterlagen heisst. Allerhand von Daten werden dann automatisch in Sprachnachrichten umgewandelt.

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