Arbeiten in ungewöhnlicher Umgebung: Ein Schlosser auf Tauchgang

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Miklos Erismann fixierte bei der Zuger Seesichttreppe die 17 Tonnen schwere Stahltreppe ans Fundament. zvg

Ein laues Lüftchen weht. Der Blick schweift auf den idyllischen Vierwaldstättersee und die herrliche Bergkulisse. Auf dem Wasser herrscht reger Schiffsverkehr, aus der Ferne ertönt ein Schiffshorn.

Kein Wunder, entdeckte Miklos Erismann, der in der Stadt Luzern aufgewachsen ist, bereits als Kind die Liebe zum Wasser. «Jede freie Minute habe ich am See verbracht.» Nach dem Jugendbrevet der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft absolvierte Erismann mit 16 Jahren seinen ersten Tauchgang. In seiner Freizeit frönte der gelernte Schlosser seinem grössten Hobby – dem Sporttauchen. Er habe durch einen Bekannten einen Berufstaucher kennen gelernt. Erismann behauptete mit seiner losen Zunge: «Das kann ich auch.» Und so kam Miklos Erismann im Alter von 30 Jahren zu seiner ersten Anstellung als Taucher. Damit bewies er, dass er nicht nur ein lockeres Mundwerk hat, sondern auch die Voraussetzungen zum Berufstauchen: handwerkliches Geschick, mehrjährige Tätigkeit als Sporttaucher, robuste Konstitution und geistige Belastbarkeit.

Kein Tag ist wie der andere
Berufstaucher sind spezialisierte Bauhandwerksleute, die unter Wasser arbeiten. Ihre Aufträge erhalten sie vor allem von Gemeinden und privaten Baufirmen. Für ihren Job sind sie mit hydraulischen, pneumatischen und mechanischen Werkzeugen ausgestattet. Unter Wasser fallen Tätigkeiten wie Montagen, Reparaturen, Sanierungen, Reinigungen oder Betonier- und Schweissarbeiten an. Der Wasserbau umfasst aber auch den Bau und Unterhalt von Stegen, Werft- und Hafenanlagen. «An meinem Beruf schätze ich die Vielseitigkeit», sagt Miklos Erismann. Der Grossteil seiner Arbeit sei aber das Eisenlegen, «Schalen» und Betonieren.

Wer an Tauchen denkt, dem kommen Ferienbilder in den Sinn: Sonne, Wärme und Meer. Doch bei Miklos Erismann ist das anders. «Tauchen ist zwar mein Traumberuf, aber auch ein Knochenjob.» Es sei auch schon vorgekommen, dass das Wasser zugefroren war, sagt Erismann. Dann müsse man eben ein Loch schlagen. Das sei etwa am Ägerisee der Fall gewesen, als er und sein Team Schweisserarbeiten zu erledigen hatten. Da brachte auch die beste Taucherausrüstung nicht viel, sagte er und lacht.

Als vollamtlicher Berufstaucher arbeitet Miklos Erismann rund sieben Monate im Jahr – von Oktober bis April. Es gibt in diesem Beruf kaum einen Ganzjahresjob, weil in den Sommermonaten aus Umweltgründen weniger getaucht wird. Das stört ihn kaum, weil er es im Sommer etwas entspannter angeht. «Ich kann dann längere Reisen oder auch Töfftouren mit Kollegen antreten.» Nebenbei bietet er sich als Freelancer für verschiedenste Handwerksarbeiten an. «Das Bauhandwerk unter Wasser ist eine grössere Herausforderung als über dem Wasser», sagt der Taucher mit sichtlichem Stolz. Nicht zuletzt wegen der gröberen Maschinen und der über 50 Kilogramm schweren Taucherausrüstung. Dazu gehört eine Maske mit Helm und Funk, um mit dem Maschinenführer kommunizieren zu können. «Die Teamarbeit ist anspruchsvoll, weil ich dem Maschinenführer zu hundert Prozent vertrauen muss.» So sei er von den richtigen Anweisungen abhängig, weil er bei den meisten Unterwasserarbeiten kaum etwas sehen könne, wie zum Beispiel in einem Klärschlammbecken. Hinzu komme, dass ein Werkstück bis zu drei Tonnen wiege, und das Montieren müsse auch unter Wasser millimetergenau sein.

Unter drei Metern wirds mühsam
Während der Hauptsaison absolviert er mindestens vier Tauchgänge pro Tag, die rund zwei Stunden dauern. Die längsten Einsätze dauern fünf Stunden und die mühsamsten Tiefen beim Bautauchen liegen unter drei Metern und die Maximaltiefen betragen um die 15 Meter. Miklos Erismann behauptet, dass das Risiko beim Tauchen nicht grösser sei als beim Velofahren («das Wichtigste ist die Erfahrung und die volle Konzentration»). Doch das ist Untertreibung. Berufstaucher können ihre Arbeit jedenfalls nicht bis zur Pensionierung ausüben. Wenn die körperliche und geistige Leistungsbereitschaft nachlässt, erhöht sich das Risiko eines Unfalls. Alle Berufstaucher müssen sich deshalb jedes Jahr beim Hausarzt auf Herz und Nieren prüfen lassen. Miklos Erismann kann sich aus diesem Grund vorstellen, dass er ab 50 nur noch als Supervisor arbeitet – also Betriebsabläufe optimiert und seine Erfahrungen den jüngeren Berufstauchern weitergibt. Solange der 47-Jährige aber noch in seinen Vierzigern ist, lebe er für seinen Job.

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