In tiefen Gewässern: mit Selbsthypnose die Schlafqualität verbessern

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Ein Viertel der Schweizerinnen und Schweizer hat Mühe, nachts durchzuschlafen. UNSPLASH

Herr Rasch, warum brauchen wir den Schlaf?

Björn Rasch: Fest steht: Wir brauchen den Schlaf. Tiere, die keinen Schlaf bekommen, sterben. Und Selbstversuche bei Menschen zeigen, dass tagelanges Wachbleiben Halluzinationen und andere Störungen hervorruft. Warum die Evolution den Schlaf «erfunden« hat, ist bis anhin nicht eindeutig geklärt. Sehr wahrscheinlich erfüllt der Schlaf mehrere überlebenswichtige Funktionen gleichzeitig: Zum Beispiel haben hormonelle Vorgänge im Schlaf einen förderlichen Einfluss auf unser Immunsystem. Schlafmangel kann sich auch negativ auf den Energiehaushalt und das Körpergewicht auswirken. Zudem räumt das Gehirn im Schlaf auf. Es werden wahrscheinlich bestimmte Abbauprodukte entsorgt und gleichzeitig Nervenzellverbindungen geschwächt oder ganz abgebaut, wodurch wieder Platz geschaffen wird, um neue Informationen zu speichern. Zudem gibt es eine wichtige Verbindung zwischen dem Schlaf und den kognitiven Leistungen.

Und wie viel Schlaf brauchen wir?

Einigen reichen 5 Stunden Nachtruhe, andere wiederum schlafen 9 bis 11 Stunden. Das ideale Schlafmass gibt es nicht und muss jeder für sich selbst finden. Tendenziell haben wir allerdings eher zu wenig Schlaf. Die Krux dabei ist: Meist merken wir nicht, dass wir eigentlich mehr schlafen sollten und wir danach leistungsfähiger wären.

Neben der Quantität zählt ja auch die Qualität. Wie gut schlafen die Schweizerinnen und Schweizer?

Rund ein Viertel der Bevölkerung hat Schlafstörungen, bekundet Mühe mit dem Einschlafen, schläft nachts unruhig oder erwacht mehrmals. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer. Nur gerade fünf Prozent schlafen ruhig und ohne Unterbrüche durch – so die Zahlen der Schweizerischen Gesundheitsbefragung aus dem Jahr 2012. $

Was passiert, wenn wir langfristig schlecht schlafen?
Die Daten der Befragung zeigen auch: Personen mit mittleren bis pathologischen Schlafstörungen sind in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Das Immunsystem ist geschwächt und die mentalen Fähigkeiten nehmen ab. Heisst: Die Konzentrationsfähigkeit ist schlechter, man hat Mühe damit, sich auf etwas zu fokussieren; die Wissenschaft vermutet zudem eine Verbindung zwischen Schlafstörungen und Alzheimer. Auch erhöht Schlafmangel die Anfälligkeit für Stresserkrankung und reduziert die Selbstkontrolle, das heisst, ich gebe eher meinen Gelüsten nach, obwohl ich doch eigentlich auf Schokolade verzichten wollte.

Immer wieder ist von Managern die Rede, die kaum Schlaf benötigen und dennoch Höchstleistungen erbringen.

Eine Illusion. Natürlich, es gibt immer Ausnahmen, aber in der Regel lässt sich wenig Schlaf mit hohen Leistungsanforderungen langfristig nur schwer vereinbaren. In vielen Köpfen herrscht immer noch die Meinung vor, dass Leute, die wenig Nachtruhe brauchen, produktiver sind – ein Trugschluss. Guter Schlaf ist eine Voraussetzung für gute Leistung.

Braucht es hier ein Umdenken?

Das Bewusstsein wächst. So gibt es bereits Unternehmen, die Schlafräume für ihre Mitarbeiter einrichten. Allerdings sollte das Umdenken noch stärker werden. Insbesondere die Anforderung, 24 Stunden am Tag erreichbar sein zu müssen, sehe ich als problematisch an und könnte mit ein Grund für die vielen Schlafstörungen sein.

Ihre Forschung widmet sich den Schlafstörungen von Personen im Alter ab 60 Jahren.

Wir erforschen, inwiefern ältere Personen ohne Medikamente ihre Schlafqualität verbessern können. Viele Senioren fühlen sich durch einen unruhigeren Schlaf gestört, greifen zu Medikamenten. Über einen längeren Zeitraum ist davon abzuraten. Wir konnten nun nachweisen, wie Senioren mit hypnotischen Suggestionen eine bessere Schlafqualität erreichten und danach ihre Leistungen in Gedächtnisaufgaben verbessern konnten.

Wie hypnotisierten sich die Personen selbst?

Die Studienteilnehmenden hörten sich eine CD an, in der sie einem Fisch immer weiter in die Tiefen des Wassers folgten. Dadurch hat sich ihr Tiefschlaf noch weiter vertieft. Wer sich dafür interessiert: auf besserschlafenmitselbsthypnose.de gibt es professionell angeleitete Selbsthypnosen zum Download, entwickelt und gesprochen von Dr. med. Heinz-Wilhelm Gössling, leitender Klinikarzt und Schlafexperte.

Wirkt die Selbsthypnose auch bei schweren pathologischen Schlafstörungen?

Selbsthypnose allein reicht hier wahrscheinlich nicht. Bei chronifizierten Schlafstörungen braucht es professionell angeleitete, wirksame psychologische Interventionen. Dann gilt es herauszufinden, was die Nachtruhe stört. Schlafstörungen können auch ein Indikator dafür sein, dass ein anderes Problem vorliegt. Beispielsweise ein Konflikt, der belastet, oder eine bestimmte Lebensweise, die uns nicht zur Ruhe kommen lässt. Um den Schlaf wieder zu verbessern, kann es auch helfen diese Ursachen zu verändern.

Was bräuchte es Ihrer Meinung nach auf gesellschaftlicher Ebene, um wirksam der hohen Zahl an Menschen mit Schlafstörungen zu begegnen?

Wichtig wären niederschwellige Angebote, so eine Art Schlafberatung, analog der Elternberatung. Ein Beispiel: Schlafstörungen im Alter nehmen zu. Das ist ein normales Phänomen. Viele Senioren haben jedoch den Anspruch, acht Stunden am Stück tief und fest durchschlafen zu müssen. Die Sorge darüber, nachts immer wieder zu erwachen, lässt viele ältere Menschen noch unruhiger schlafen. Eine Beratung kann beschwichtigen, den Senioren Gelassenheit vermitteln und Tipps für eine bessere Schlafqualität geben.

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