«Es besteht Handlungsbedarf»: Regierung nimmt Stellung zum Insektensterben im Aargau

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Der schwarze Apollo ist im Aargau 1940 ausgestorben. Früher flog er an den Lägern oberhalb von Wettingen. Heute kommt er nur noch im Schweizer Alpenraum vor (zVg)

«Der Rückgang der Biodiversität wiegt nicht nur aus ethischer, sondern auch aus gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht schwer.» Das schreibt der Aargauer Regierungsrat in seiner Antwort zu einem Postulat von Grünen-Grossrat Hansjörg Wittwer.

Im März forderte dieser von der Regierung, die Tragweite des Insektensterbens im Aargau in einem Bericht aufzuzeigen und wirkungsvolle Gegenmassnahmen zu erarbeiten (die AZ berichtete). Zudem wollte Wittwer wissen, wie die nationalen Strategien zur Erhaltung der Biodiversität im Aargau umgesetzt werden.

Auslöser für Wittwers Vorstoss war die deutsche Hallmann-Studie. Dabei untersuchten Forscher während 27 Jahren den Insektenbestand in 63 Naturschutzgebieten im deutschsprachigen Raum.

Sie stellten fest: Die Masse an Fluginsekten ist durchschnittlich um rund 75 Prozent gesunken, im Hochsommer sogar um 82 Prozent. Witter reagierte schockiert: «Wenn es auch um die Aargauer Insekten so schlimm steht wie um jene in Deutschland, ist das eine krasse Veränderung.»

Besser, als der Bund vorschreibt
Auch die Kantonsregierung nahm in ihrer Antwort Bezug auf die Hallmann-Studie. Mit von Daten aus der Langfristbeobachtung der Artenvielfalt in der Normallandschaft des Kantons Aargau, kurz Lanag, könne man einen Vergleich herstellen.

Die Lanag-Datenerhebung wurde im Jahr 1995 gestartet. «Im Aargau setzte ein bedeutender Verlust der Biodiversität schon früher ein», so die Regierung. Beispielsweise sei ab 1950 der Bestand der Brutvogelarten gesunken. «Dramatisch zurückgegangen ist der Bestand der Feldlerche.»

In der Klasse der Insekten enthält die Lanag nur Daten zu Tagfaltern. Laut der Regierung haben sich diese in den letzten Jahren im Wald und im Offenland positiv entwickelt. Das sei auf das Biodiversitätsförderungsprogramm Labiola zurückzuführen. Jeder Landwirt muss Biodiversitätsflächen bewirtschaften, die nicht gedüngt oder gespritzt werden dürfen. «Im Aargau sind das 16 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche – doppelt so viel wie der Bund minimal vorgibt», so die Regierung.

Weniger Belastung in Bächen
Zurückgegangen sei die Zahl der Tagfalter jedoch im Siedlungsgebiet. Der Grund: «Es gibt immer mehr sterile Steingärten ohne einheimische Pflanzenarten, die kaum Nahrung für Raupen und Falter bieten.» Aus Kostengründen würde meist darauf verzichtet, Strassen- oder Bahnböschungen als extensive Wiesen zu pflegen.

Weiter wurde festgestellt, dass anspruchslose Arten häufiger und anspruchsvolle Arten seltener geworden sind: «Das führt zu einer Vereinheitlichung da die Nutzungen immer ähnlicher und intensiver werden. Mit der Zeit gehen die Artengemeinschaften verloren, die für die einzelnen Landschaften typisch waren», schreibt der Regierungsrat.

Abgenommen haben auch die Anzahl und die Arten jener Insekten, die am Wasser leben. Das zeigt das Untersuchungsprogramm AG-Trend, bei dem die Wasserqualität mittlerer und grosser Bäche an 18 Standorten im Aargau untersucht wird. «Seit Programmstart im Jahr 1996 hat sich jedoch die Wasserqualität in den meisten Bächen verbessert», so die Regierung. Die Belastung durch Pflanzenschutzmittel habe abgenommen und die Artenvielfalt der Wasserwirbellosen sei gewachsen.

«Es besteht Handlungsbedarf»
Im Fazit seiner Antwort kommt der Regierungsrat zum Schluss: «Es besteht weiterhin Handlungsbedarf zur Förderung der Biodiversität.» Mit verschiedenen Programmen zum Umweltschutz sei der Kanton bei der Umsetzung der «Strategie Biodiversität» des Bundes involviert und halte sich an den Aktionsplan. «Der Regierungsrat ist überzeugt, dass der Aargau mit den laufenden Programmen auf dem richtigen Weg ist.»

Ausserdem wolle man im Grossen Rat für zwei Naturschutzprogramme bis im Jahr 2019 je einen Kredit verlangen.

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