Wiggertaler Wälder: Hohe Baumdichte und wenig Totholz

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Der Kanton Luzern hat auf 1800 Flächen die Stabilität und Gesundheit von Bäumen beurteilen lassen.zvg

Dem Luzerner Wald gehts gut. Dies zeigt der Nachhaltigkeitsbericht des Kantons, der Anfang Woche publiziert wurde. Der Luzerner Wald ist in den letzten Jahren kaum von Schadensereignissen erfasst worden – obwohl ihm die Trockenperiode vom Sommer 2015 zusetzte. Dennoch gibt es Luft nach oben. Und für Wiggertaler Wälder: zu wenig Luft rundherum. Die Baumdichte ist nämlich grösser als in anderen Regionen des Kantons.

Basis für diese Daten liefert die erste kantonale Waldinventur. Von 2014 und 2016 hat der Kanton auf 1800 Flächen stichprobenartig Bäume messen, Baumarten bestimmen, und deren Stabilität und Gesundheit beurteilen lassen. Erste Auswertungen der zwölf Luzerner Regionen, vom südöstlichen Gebiet Luzern-Zugersee bis ins nordwestliche Wiggertal, gingen an die zuständigen Revier- und Betriebsförster.

Was bei den Wiggertaler Wäldern auffällt: Die Baumdichte ist im Vergleich zu den anderen Regionen im Kanton gross. Da gebe es Handlungsbedarf, sagt Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) des Kantons Luzern. «Wenn die Baumkrone wenig Platz hat, können sich auch die Wurzeln und folglich der ganze Baum nicht richtig ausbilden», sagt Röösli.

Die Waldböden sind stark versauert
Im Wiggertal gibt es fast 3000 Hektaren Waldfläche, das sind etwa sieben Prozent der Waldflächen des Kanton Luzerns. Am meisten Waldfläche hat es ganz im Süden des Kantons, im Gebiet Escholzmatt-Flühli mit mehr als 9000 Hektaren.

Nicht nur die Baumdichte der Region Wiggertal sticht bei den erhobenen Daten heraus. Auch der Totholzanteil ist verhältnismässig klein. Röösli führt das darauf zurück, dass die Wälder im Wiggertal sehr gut erschlossen seien. So können sie auch besser gepflegt werden. Das Interesse, einen «sauberen» Wald zu haben, sei gross. Im Nachhaltigkeitsbericht hält die Lawa aber auch fest, dass 20 Prozent der im Wald lebenden Tierarten auf Totholz angewiesen seien. Viele davon seien gefährdet. Und: In tieferen Lagen fehlt Totholz, vor allem mit grossen Durchmessern, heisst es weiter.

Mit einer auf vielfältige und standortgerechte Bestände ausgerichteten Bewirtschaftung sollen die Wälder laut Bericht «fit» für den Klimawandel gemacht werden. Grundsätzlich könnten Laubbäume dem Klimawandel besser widerstehen, sagt Röösli. Der Anteil an Laubholz beträgt kantonsweit aber nur 28 Prozent, der Idealwert liegt bei 40 Prozent. Die meistverbreitete Laubbaumart im Kanton Luzern – und auch im Wiggertal – ist die Buche. An zweiter Stelle kommt die Eiche. Für Laubholzarten ist der Boden aber vielfach zu sauer. «Das ist eine grosse Herausforderung», sagt Röösli. Alternative Baumarten gebe es nur beschränkt. Die künftige Zusammensetzung müsse näher untersucht werden. Durch den sauren Boden vermindert sich laut Bericht das Wurzelwachstum, die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität. Bäume werden anfälliger für Krankheiten und Sturmschäden. Zu hohe Stickstoffbelastung in der Luft – durch Verkehr und intensive Tierhaltung – können die Waldböden weiter versauern.

Viele Waldböden im Wiggertal und im Hinterland sind aber schon stark versauert, «weil es ältere Böden sind», sagt Röösli. «Während der letzten Eiszeit waren diese Flächen nicht von Gletschern bedeckt.» Deshalb wachsen dort vor allem Nadelbäume wie Tannen und Fichten.

Schnittstellen besser abstimmen
Potenzial sieht der Kanton auch bei der Holznutzung. Von den rund 340 000 jährlich nutzbaren Kubikmetern Holz wurden in den letzten Jahren nur zwei Drittel geerntet. Der Kanton Luzern verfüge über eine starke Holzindustrie, sagt Röösli. «Nun geht es darum, die Schnittstellen in der Holzverarbeitungskette noch besser abzustimmen.» Die Holzkette, die vom Fällen der Bäume im Wald bis zum Verkauf der fertigen Produkte reicht, spielt im Kanton Luzern eine wirtschaftlich wichtige Rolle. Sie erbringt eine Wertschöpfung von rund 1,4 Milliarden Franken, was über sechs Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung im Kanton Luzern ausmacht und beispielsweise den Tourismus übersteigt.

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