Hype vorbei und grosse Konkurrenz: Oltner Hanf-Shops unter der Lupe

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Nach dem anfänglichen Hype gehen heute immer weniger CBD-Blüten über die Ladentheken. Trotzdem wollen die Oltner CBD-Verkäufer noch nichts von einer Krise wissen. Symbolbild SEVERIN BIGLER)

Riccardo Sanfilippo hat heute seinen ersten Arbeitstag im Mister Nice. Er strahlt übers ganze Gesicht, wenn er von seinem neuen Eigenprojekt erzählt. Denn Sanfilippo hat den ersten Oltner CBD-Shop an der Marktgasse auf 1. Juli von Georgios Siaminos übernommen. Der hatte nach einem Jahr bereits genug und wird froh sein, mit Sanfilippo einen Abnehmer für sein Geschäft gefunden zu haben. Der Neue sieht nur das Positive: «Den Umsatz habe ich angeschaut. Der ist nicht eingebrochen.

Zwar kommen nicht mehr so viele Kunden direkt in den Laden, dafür boomt der Onlinehandel.» Sanfilippo ist sich sicher: «Die Schweiz hat die besten Hanf-Bauern überhaupt. Bald schon wird CBD in einem Zug mit Schoggi und Uhren genannt, wenn es um Schweizer Qualitätsprodukte geht.» Und sowieso, wenn dann auch das THC-haltige Cannabis in der Schweiz verkauft werden könne, wird er erst recht durchstarten. «In spätestens zwei Jahren wird es so weit sein.»

Gut möglich, dass Sanfilippo schon bald nicht mehr alles durch die rosa Brille sieht. Denn der Druck in der Oltner CBD-Szene ist gross. Sieben Läden verkaufen allein rund um die Oltner Altstadt CBD-Produkte. Der Bundesrat will zwar den Städten trotz Widerstand im Parlament erlauben, im Umgang mit Kiffern neue Wege zu testen (wir berichteten).

Doch im sogenannten Experimentierartikel geht es primär darum, einer kontrollierten und wissenschaftlich begleiteten Abgabe von Cannabis eine rechtliche Grundlage zu geben. Bis zur kompletten Legalisierung ist es noch ein weiter Weg. Ein freier Wettbewerb, der auch Verkäufern wie Sanfilippo Zugang zum THC-Markt gewähren würde, ist eher unwahrscheinlich. Im Hintergrund plant die Schweizer Hanf-Szene mit einer beschränkten Anzahl von Lizenzen für ausgewählte Firmen, eine Teil-Legalisierung von Cannabis voranzutreiben.

CBD-Hanfanbauer nehmen zu
Auch in der Hanfmühle, Oltens zweitältestem CBD-Shop, rechnet Inhaber Moritz Zülli felsenfest damit, dass er bald auch THC-Produkte verkaufen kann. Zülli hat vor einem Jahr seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Im Gespräch wird klar: Der Mann kennt sich aus. «CBD-Brownies zu verkaufen, wie es die Konkurrenz gelegentlich macht, ist nur dumme Promo. Das bringt gar nichts. Das CBD wird nur über die Schleimhäute aufgenommen und zersetzt sich im Magen sofort. Die beruhigende Wirkung bleibt aus», sagt er, während er selbst gebackene Hanf-Länderli serviert. Ohne CBD und ohne THC. Ein einfaches Mailänderli-Rezept mit Hanfmehl. «Weil es so gut schmeckt.»

Züllis Geschäft trägt sich selbst. Trotzdem muss er nebenberuflich als Mechaniker arbeiten, um zu überleben. Auch die Hanfmühle hat einen Onlineshop. Doch dessen Bedeutung ist gering. Sowieso stand das Finanzielle bei Zülli nie im Vordergrund. Er ist einfach froh, dass er sein Hobby zum Beruf machen konnte. «Ich liebe meinen Job. Bei mir gibt es die beste Beratung und die meisten Sorten», sagt er. Mit CBD-Ketten, die in verschiedenen Städten eine Filiale haben, kann Zülli nichts anfangen. «Da haben viele nur den grossen Hype geschmeckt.»

Während es vor einem Jahr nur fünf Schweizer CBD-Hanfanbauer gab, waren es Anfang 2017 bereits 630. Laut eidgenössischem Finanzdepartement ist die Tendenz weiter steigend. Die Entwicklung führte bereits zu Überproduktion und hatte im vergangenen Herbst einen Einbruch des Kilopreises zur Folge. Damals halbierte sich der Zwischenhandelspreis von 5 auf Fr. 2.50 pro Gramm. Seitdem stagniert er. Viele Schweizer Produzenten hoffen jetzt, ihre Produkte im Ausland loszuwerden.

Unterschiedliche Konzepte
Zurück in die Oltner Altstadt. Vor acht Monaten eröffnete dort mit Smokee ein Dampfwarenladen eine Filiale. Smokee gehört zu den Ketten, die Zülli und Co. das Leben schwermachen. Inhaber Janick Rohner weiss das. Er ahnt, dass sein besserer Standort an der Hauptgasse im Vergleich zum Mister Nice den Rückzug von Oltens erstem CBD-Shop Betreiber veranlasst haben könnte. Weil er neben CBD-Produkten auch andere Rauchwaren aller Art anbietet, ist Rohner nicht vom legalen Gras abhängig und muss auch nicht ums Überleben kämpfen.

Im Gegenteil: Vier Mitarbeiter kann sich der Jungunternehmer heute bereits leisten. Wie alle CBD-Shops hat auch Rohner seine Stammkunden. «Viele sind von der älteren Generation. Die fühlen sich in Kifferrümli nicht wohl und kommen lieber zu mir», sagt Rohner. «Ausserdem schicken Ärzte ihre Patienten hier vorbei, wenn diese etwas zur Beruhigung brauchen.»

Erst im Januar hat der jüngste der Oltner CBD-Shops eröffnet. Bei Mrs. Green, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, an der Ziegelfeldstrasse ertönen entspannende Klänge. Mit viel Liebe hat sie mit ihrem Bruder den Laden eingerichtet. Bisher läuft es besser als erwartet. Vor allem der Onlineshop. Neben CBD-Produkten verkauft Mrs. Green auch selbst gemachte Teemischungen. Zudem wirbt sie mit den besten Preisen für Zigarettenpapier. Ihr Konzept ist klar: «Wir sind grün im Denken, produzieren nachhaltig und umweltfreundlich.» Damit hebt sie sich von den anderen CBD-Shops ab.

Auch von dem am Hausmattrain. Dank eines grossen Transparents an der Hausfassade sieht man sofort, wo der Oltner CBD-Coffeeshop ist. In seiner abgedunkelten Bar verkauft Inhaber Murat seine Produkte. In der Zeitung will er sich lieber nicht über sein Geschäft äussern.
Anders als zu vermuten war, sind die Oltner Hanffreunde trotz der Konkurrenz und trotz stagnierendem Markt zuversichtlich. Sie hoffen, dass die vom Verein Legalize it geplante Volksinitiative anders als noch 2008 diesmal erfolgreich sein wird und ihre CBD-Shops als THC-Shops dann so richtig durchstarten. Der grüne Traum lebt weiter.

Cannabis: Was bei uns legal ist und was nicht

CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol. THC steht für Tetrahydrocannabinol. Beide Stoffe unterscheiden sich weder im Aussehen noch im Geruch. Anders als THC sorgt CBD nicht für einen Rausch, sondern wirkt nur beruhigend. Seit August 2016 ist die Herstellung von CBD-Hanf in der Schweiz legal. Wer mindestens 18 Jahre alt ist, kann CBD-Öle, -Tees, -Pulver, -Pasten oder -Joints in Hanfläden, Onlineshops, bei privaten Kiosken oder Tankstellen kaufen. Sämtliche Cannabisprodukte mit einem THC-Gehalt von unter 1 Prozent unterliegen der Tabaksteuer. Sie beträgt für Cannabisblüten etwa 25 Prozent des Verkaufspreises. Der Anbau, Besitz, Handel und Konsum von Cannabisprodukten mit einem höheren THC-Gehalt sind gemäss Betäubungsmittelgesetz nach wie vor verboten. Doch ganz so einfach ist es nicht. «Wer nur eine geringfügige Menge eines Betäubungsmittels für den eigenen Konsum vorbereitet oder zur Ermöglichung des gleichzeitigen und gemeinsamen Konsums einer Person von mehr als 18 Jahren unentgeltlich abgibt, ist nicht strafbar», heisst es in Artikel 19b des Betäubungsmittelgesetzes. Als geringfügige Menge gelten 10 Gramm. Bei der Interpretation dieses Absatzes scheiden sich die Geister. Während Konsumenten argumentieren, dass der Besitz von geringen Mengen nicht strafbar ist, teilt der Bundesrat in einer Mitteilung mit, dass die Polizei in solchen Fällen eine Ordnungsbusse aussprechen darf. Je nach Kanton wird das unterschiedlich streng gehandhabt (siehe Grafik).

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