Unsicherheiten wegen Rega und AAA-Heli im Aargau: Jetzt nimmt die Gesundheitsdirektion Stellung

AAA.jpg
Alpine Air Ambulance auf dem Flugplatz Birrfeld (Bild: Chris Iseli)

Die beiden Luftrettungs-Unternehmen Rega und Alpine Air Ambulance (AAA) sorgen im Aargau bei Bevölkerung und Politikern wiederholt für Irritationen - erneut diese Woche. Wer ist für was zuständig? Wer übernimmt welche Kosten? Und wozu überhaupt die Parallelstrukturen bei der Luftrettung? Seit die Heli-Rettung AAA 2013 ins Revier der Rega eindrang, sind kritische Stimmen nicht verstummt.

Die Aargauer Gesundheitsdirektion will sich aus der Debatte heraushalten. Mediensprecherin Karin Müller sagt auf Anfrage der AZ: «Die Rettungseinsätze und die Koordination zwischen Rega und AAA funktionieren sehr gut.» Die Frage, ob sie Handlungsbedarf sieht, beantwortet sie kurz und knapp mit: "Nein."  

Das sieht der Brugger Politiker Martin Brügger ganz anders. Er ärgerte sich über die beiden diese Woche diskutierten Fälle:

  • Auf der Lägern in Wettingen konnte nicht wie vorgesehen ein gelber Helikopter der Alpine Air Ambulance (AAA) aufgeboten werden, weil nur die roten Rega-Helikopter mit einer Seilwinde ausgerüstet sind. Die AAA kommt im ganzen Kanton Aargau bevorzugt zum Einsatz, mit Ausnahme des unteren Fricktals. 

  • Eine Mutter und ein Vater bleiben auf Einsatzkosten von ihrem toten Sohn sitzen, weil die kantonale Notrufzentrale die AAA zum Notfall aufgeboten hatte. Die Rega übernimmt die ungedeckten AAA-Kosten nicht.

Grossrat Brügger verlangt eine Klärung

Diese Fälle würden erneut eines deutlich machen, so Brügger gegenüber der AZ: "Im Kanton Aargau braucht es endlich eine Klärung der Situation." Er will dafür die Kantonsregierung in die Pflicht nehmen. Schliesslich geht es um ihr Hoheitsgebiet.

Brügger versteht die Haltung von Mediensprecherin Karin Müller nicht. Seine Argumente blieben schon früher ungehört. Seine Forderungen hat er in Form politischer Vorstösse kund getan. Auf diese Punkte weist der SP-Grossrat mit Blick auf die Ereignisse hin:

  • Die AAA kann die Helikopter-Rettung im Aargau nur in Zusammenarbeit mit der Rega gewährleisten. Die Rega könnte dies alleine. Nur letztere hat Seilwinden an den Helikoptern für unzugängliche Gebiete, und im unteren Fricktal ist die Rega näher am Geschehen.

  • Im Aargau wurden mit dem Auftauchen der AAA 2013 parallele Rettungsstrukturen aufgezogen. Die Gefahr sei gross, dass dies die Allgemeinheit teuer zu stehen komme. Genau weiss man dies nicht, denn es fehle an Kostentransparenz.

  • Kommt hinzu: Mit den AAA-Helikoptern fliegt jeweils ein Notarzt mit, das ist bei den Rettungsdiensten am Boden nicht der Fall: Ist es deshalb attraktiver, einen Helikopter aufzubieten, obwohl dieser teurer ist?

  • Neu ins Bewusstsein gerückt ist auch: Werden Rega-Gönner von AAA gerettet, bleiben sie auf Kosten sitzen, die die obligatorische Krankenkasse nicht bezahlt. Umgekehrt ist dies anders: Weil eine AAA-Mitgliedschaft eine Versicherung darstellt, werden ungedeckte Rega-Kosten übernommen. Das sei eine absurde Situation für Rega-Gönner.

Für Klärung will die Gesundheitsdirektion nicht sorgen, und zwar in keinem der von Brügger angesprochenen Punkte.Karin Müller sieht für den Kanton keinen Anlass, sich in die Situation zwischen Alpine Air Ambulance und Rega einzumischen.

Luftrettung ist kein Kostentreiber
Dem Aargau erwachse aus der Konkurrenzsituation keine Nachteile. Beide Rettungsdienste verfügen gemäss Müller über «ein Gönner- und Beitragssystem, das die Kosten bei einem Einsatz regelt».

Hinzu komme, dass der Anteil der Helikopter-Rettungskosten an den Gesamtkosten der Unfall- und Krankenversicherer derart klein ist, «dass kein direkter Einfluss auf die Kostenentwicklung nachzuweisen ist». Aus diesem Grunde will Müller kein bodengebundenes Notarztsystem. Das bedeutet: Nur bei der Luftrettung ist ein Notarzt an Board. Am Boden kommen Rettungssanitäter zum Einsatz

Das Problem der Seilwinde
Die AAA-Helikopter haben keine Seilwinde für eine Rettung in unwegsamem Gelände. Ein Einsatz wie am Montag an der Lägern wird deshalb der Konkurrenz überlassen. Daran will die Gesundheitsdirektion nichts ändern. Müller: «Sie nimmt keinen Einfluss auf Helikopterausrüstungen.» Die Zulassung von Helikoptern sei eidgenössisch geregelt, den Kantonen komme keine Kompetenz zu. Hinzu komme, dass im Aargau jährlich nur «ganz wenige Windenrettungen» nötig würden.

Letztlich sind Winden gemäss Müller auch eine Kostenfrage für die Unternehmen: "Die Ausrüstung von Helikoptern im Aargau mit Winden und die damit verbundene aufwendige Personalschulung wäre wirtschaftlich kaum gerechtfertigt."

Versicherung ist Privatsache
Für Unsicherheit sorgte der Fall eines Elternpaares, das für eine Rechnung ihres toten Sohnes aufkommen muss. Der 27-jährige Aargauer war zwar Rega-Gönner, doch zum Notfalleinsatz schickte die Notrufzentrale die AAA. Die Rega übernahm diese Kosten deshalb nicht. Argument: Sie ist keine Versicherung. 

SP-Grossrat Brügger fordert auch diesbezüglich eine Klärung der Situation. Für die Gesundheitsdirektion ist dies Privatsache. Wer die Kosten von boden- und luftgebundenen Rettungen zu tragen hat, das ist im Kranken- und Unfallversicherungsgesetz geregelt. Gemäss Müller liegt es deshalb "in der Eigenverantwortung der Versicherten, die ungedeckten Rettungskosten, die auch bei bodengebundenen Einsätzen anfallen, entweder selber zu tragen oder mittels Zusatzversicherungen abzudecken".

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Was soll das ?

Marcel Meier
schrieb am 20.07.2018 12:55
Typisch Politik...welche Interessen werden hier eigentlich durch die vom Volk gewählten kantonalen Politiker wahrgenommen?
Bitte nicht reden, handeln!!

Rega Mitglied

Heinz Jakob
schrieb am 19.07.2018 21:00
Da ich Rega Gönner bin möchte ich auch von der Rega gerettet und transportiert werden. Die Direktion der Luftrettung AAA 2013 soll sich meine Adresse merken und dannzumal am Boden bleiben!

Bitter

Mättu
schrieb am 19.07.2018 16:53
Da hat uns der Nationalrat Thierry Burkhart etwas schönes eingebrockt und die SVP-Regierungsrätin weigert sich für das Volk eine Lösung zu suchen. Muss ich jetzt dann bei einem Notfall jeweils noch mit angeben, welchen Heli ich will. So im Sinne, eine Plakette um den Hals der den anzurufenden Notfalldienst bestimmt. Das ist doch absoluter Blödsinn. Der Kanton muss da sofort eingreifen udn die Bevölkerung schützen

Luftrettungsunternehmungen

Peter
schrieb am 19.07.2018 15:45
Der Aargau ist eine Schande für die schweizerische Gesundheitsorganisation!
Parallele Rettungsorganisationen werden von den Behörden geduldet aber von den Versicherungen nicht unterstützt. Der in Not geratene Patient muss alles selber berappen!
Somit wird nur die Zweiklassen-Medizin gefördert.
Entzieht der Luftrettung AAA 2013 bitte die Lizenz !!!
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
van Vugt Erik
dipl. Physiotherapeut/in, Mitarbeiter, Oftringen
Standortleiter/in 100%, ,
Neuenschwander AG
Leiter/in Finanzen, 4573 Lohn-Ammansegg, Kader, Ammannsegg
Pamakin GmbH
Servicemitarbeiterin 40-100 %, 4923 Wynau, Mitarbeiter,
Hotel Restaurant Adelboden
Service-Aushilfe, 4806 Wikon, Mitarbeiter, Wikon
Huber Hausmanagement GmbH
Putzfrau gesucht für 4800 Zofingen, , Zofingen
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Regio4Fun
Swiss Chocolate Adventure im Verkehrshaus der Schweiz
Regio4Fun
Film-Brunch im Verkehrshaus
Partner