Pilotprojekt enttäuscht: Flüchtlinge bewerben sich kaum für Lehrstellen bei Aargauer Bauern

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Die Ausbildungsplätze in der Landwirtschaft für Flüchtlinge bleiben mehrheitlich unbesetzt. (Bild: KEYSTONE)

Auf die Erfolgsmeldung folgt die Ernüchterung. Innert weniger Wochen hat der Aargauer Bauernverband 20 Landwirtschaftsbetriebe gefunden, die sich bereit erklärt haben, einen anerkannten Flüchtling oder eine vorläufig aufgenommene Person in einer Vorlehre auszubilden. Doch nun zeigt sich: Es lassen sich kaum Teilnehmer finden. Statt für eine einjährige Integrationsvorlehre in der Landwirtschaft interessierten sich die Bewerber für andere Branchen – rund die Hälfte aller Interessierten bewarb sich um einen Ausbildungsplatz in der Logistik. Am zweitmeisten Bewerbungen gingen im Gastrobereich ein.

Das Ziel des vierjährigen Pilotprojekts des Bundes: Anerkannten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen im Alter zwischen 22 und 40 Jahren den Einstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern. Nach der einjährigen Vorlehre sollen die rund 70 Aargauer Teilnehmer imstande sein, eine reguläre Lehre zu absolvieren.

Nur zwei abgeschlossene Verträge
Von einem Abenteuer sprach Fredi Siegrist zu Beginn des Pilotprojekts, für das er beim Aargauer Bauernverband die Verantwortung trägt. Ein Abenteuer, das zumindest fürs erste von vier Jahren noch nicht ans gewünschte Ziel geführt hat. Nur gerade zwei Personen haben bislang einen Lehrvertrag mit Landwirtschaftsbetrieben abgeschlossen. Zwar gab es noch einige wenige Bewerber mehr, doch diese erfüllten die schulischen Anforderungen nicht. Siegrist: «Wir haben immer gewusst, dass es schwierig werden würde. Dass sich nur so wenige Personen für eine Lehrstelle interessiert haben, überrascht uns aber schon.»

Eine Erklärung für das bescheidene Interesse an der Arbeit auf dem Bauernhof hat Fredi Siegrist nicht. Seine Vermutung: «Womöglich haben viele aus ihren Heimatländern ein eher negatives Bild von der Landwirtschaft und eine falsche Vorstellung, was sie bei der Arbeit erwarten würde.» Ob auch die teilweise harte körperliche Arbeit und die langen Tage auf Feldern und in Ställen abschreckend wirkten, könne er nicht beurteilen, sagt Siegrist.

Fest steht: Für eine ganze Klasse am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg wären zwölf Lehrlinge nötig gewesen. Die beiden Teilnehmer werden allerdings trotzdem ihre Ausbildung beginnen und ab Anfang September an zwei Tagen pro Woche in einer Klasse mit Auszubildenden aus verschiedenen Berufen den Unterricht am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg besuchen können. Der eine Betrieb sei vom Schnupperlehrling derart begeistert gewesen, dass dieser ab sofort mit der Arbeit beginnen konnte.

«Wir bleiben dran»
Trotz der Enttäuschung denkt der Projektverantwortliche Fredi Siegrist nicht ans Aufgeben. «Nun ist halt die erste Etappe schiefgelaufen, doch wir bleiben dran.» Bislang ist keiner der 20 Betriebe abgesprungen. Siegrist hofft, dass dies so bleiben wird – und sich nächstes Schuljahr doch noch Flüchtlinge melden werden, die sich zu Landwirten ausbilden lassen wollen. «Vielleicht sorgt die Mundpropagandader bei den Teilnehmern für einen zusätzlichen Schub.»

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