Blick in die erzo: Auch Feuer dient dem Recycling

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Jacques Hartmann, Geschäftsleiter der erzo, schaut in den Kehrichtbunker, wo Abfälle gemischt und für den Ofen kurzfristig bevorratet werden. bkr
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Eine KVA ist ein Kraftwerk und eine chemische Fabrik. Links wird Kehricht ins System gefüllt und gelangt in den Ofen (bunt dargestellt). Es folgen Dampfkessel und Turbine zur Stromproduktion. Die Asche wird gewaschen und Wertstoffe ausgeschieden – die Abluft über viele Stufen gereinigt.
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Im Kommandoraum wird die Anlage und deren Abschnitte überwacht.
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Ein Reisswolf zerkleinert den angelieferten Abfall, bevor er in den Bunker kommt.
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Detektoren kontrollieren, ob sich im Abfall radioaktive Stoffe befinden.

Die Jahresrevision ist abgeschlossen. Im Ofen der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Oftringen lodert wieder Feuer – sieben Tage die Woche während 24 Stunden. Am Rand der Anlage türmt sich ein Berg von Abfallballen. Sie enthalten den Kehrichtrückstau der Revisionstage und sind auch ein Brennstoffpuffer für Wochen, in denen für einen kontinuierlichen Betrieb zu wenig neues Material angeliefert wird. Zu wenig Kehricht? Die «berühmten» Überkapazitäten im Ofenpark der Branche?

Jacques Hartmann, Geschäftsleiter der erzo, zu der auch eine grosse Abwasserreinigungsanlage und eine Kadaversammelstelle gehören, lacht: «Rund um den Bereich KVA gibt es viele falsche Annahmen, um nicht zu sagen Märchen. Die Schweizer KVA sind voll ausgelastet.» Weshalb dann der Import von Kehricht aus dem Ausland? «Die Politik will eine maximale Auslastung der Anlagen, was zu einem grossen Wirkungsgrad führt.» Ist der hoch, liefert eine Anlage viel Strom und grosse Mengen Wärme für Fernheiznetze und – zusätzlich in Oftringen – auf niedrigem Temperaturlevel Abwärme zum Beheizen eines Gewächshauses. Hartmann stellt sich längerfristig die Frage, ob er weiterhin Platz für ausländischen Kehricht hat. «Die Schweiz exportiert mehr Abfälle, als sie importiert.» Ist eine der KVA in Revision und fällt eine andere unplanmässig aus, komme die Branche ins Schleudern.

Ist für die Verbrennung Glas nötig?

Was gibt es rund um das Thema Kehrichtverbrennung sonst noch an irrigen Annahmen? «Dass wir für eine gute Verbrennung Glas im Kehricht benötigen. Glas brennt nicht. Und hätte es bei der Verbrennung irgendeinen Nutzen, dann müsste man es auch im heimischen Cheminée dem Brennstoff zufügen», sagt Hartmann als ausgebildeter Chemiker.

Apropos Brennstoff. Kehricht, wie er als Haushaltsabfall vorliegt, brennt ausgezeichnet. «Wir benötigen weder zusätzliches Papier, noch Öl oder Gas. Kehricht lässt sich mit einer Lötlampe entzünden.»

Dass KVAs Energie rückgewinnen ist bekannt, weniger aber deren Umweltleistung. Sie verbrennen nicht nur Abfall, sie nehmen Schadstoffe aus dem Kreislauf und gewinnen Metalle zurück. So findet man in der Schlacke einen grossen Anteil an Eisen, aber auch Aluminium – meist sind hier Kochpfannen die Quelle. Blei, Kupfer, Zink, aber auch Kadmium und Quecksilber werden abgeschieden. Batterien? «Die sind heute ohne Quecksilber» sagt Hartmann. Dennoch sei die Menge im Kehricht konstant. Ein Rätsel.

Dann ein Rundgang durch die Anlage. Dem Ofen schliesst sich – kombiniert mit einem Kraftwerk – eine veritable chemische Fabrik an, in welcher Nutz- und Schadstoffe abgetrennt und gefiltert werden. Was aus dem Kamin kommt, ist CO2 und Wasserdampf.

BLICK HINTER DIE TÜR

In unserer losen Sommerserie ermöglichen wir Ihnen Einblicke in Häuser und Gebäude, die nicht öffentlich zugänglich sind. Heute in den Ofen der Kehrichtverbrennungsanlage der erzo.

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