Lustwandeln bei eitel Sonnenschein

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Weder Bratwurst- noch Doppelbürgerrechtsdebatte können im Umfeld einer Fussballweltmeisterschaft überraschen. Während bei Landesmeisterschaften Krawalle der «Ultras» das Spiel mit dem runden Leder überschatten, ist es bei einer WM oder EM der Nationalismus.

Auch in einer globalisierten Welt ist die eigene Nation für viele noch immer ein äusserst wichtiger Bezugspunkt. Das kann man schlecht, aber auch gut finden. Der Forderung nach einem exklusiven Bekenntnis zu einem Land, wie sie in der Doppelbürgerdebatte auftauchte, haftet jedoch etwas zutiefst Antiliberales an, wie wir es sonst nur aus religiösen Strömungen kennen.

Tatsache ist, dass die Schweiz einst ein klassisches Auswanderungsland war. Deshalb hat sie ihren Bürgern die doppelte Staatsangehörigkeit von jeher gewährt – im Gegensatz zu anderen Staaten.

Zurück in die Zeit nach der Fussball-WM. Seit Jahresbeginn ist die von der SVP bekämpfte Bestimmung in Kraft, dass sich Terzas und Terzos erleichtert einbürgern lassen können. Zuständig ist dafür alleine der Bund – Gemeinden und Kantone haben lediglich ein Beschwerderecht. Da macht im Zusammenhang mit Doppel-Adler und -Bürgerrecht eine Medienmitteilung des Staatssekretariats für Migration (SEM) leider keine Schlagzeilen – obwohl sie es sollte. Der Schweizer Pass ist bei jungen Ausländerinnen und Ausländern gar nicht begehrt.

Die von der SVP befürchtete Flut an Gesuchen blieb aus. Lediglich 487 Leute, die ihr bisheriges Leben in der Schweiz verbracht haben und in dritter Generation unsere Gebräuche bestens kennen, wollten das Bürgerrecht. So (un)beliebt scheint unser Pass bei Menschen zu sein, die grossmehrheitlich einen solchen eines EU-Lands besitzen. Über die Gründe, welche sich hinter der Zahl verbergen, kann nur spekuliert werden

Fakt ist, dass Doppelbürgerinnen und vor allem Doppelbürger von ihrem Zwitterstatus massiv profitieren. So kann ein junger Mann mit zwei Pässen – die Türkei ausgeblendet – in der Regel frei wählen, in welchem Land er seine militärischen Pflichten mit dem geringsten Aufwand erfüllen kann. Von Ausnahmen abgesehen, wird da Lustwandeln bei eitel Sonnenschein gewählt – und das Studium ohne Unterbrechung absolviert. Keinen Militärdienst zu leisten, ist Spitzensportlern wichtig, um ihre Karriere störungsfrei durchziehen und ihre Millionensaläre kassieren zu können. Auch Roger Federer, neu in Sachen Tennis-Mode Söldner Japans, ist Doppelbürger (Südafrika) – aber kein Drückeberger, sondern militärdienstuntauglich.

Erstaunlich ruhig in der Doppelbürgerdebatte blieb die SVP. Deren Strategen sind Profis und setzen auch auf die Stimmkraft der Auslandschweizer – sehr oft Doppelbürger. Eine Familie aus dem Bekanntenkreis lebt in Australien. Er lebt dort als Secondo mit Deutschkenntnissen. Seine Frau und seine Töchter sprechen keine unserer Landessprachen, nehmen aber an unseren Wahlen und Abstimmungen teil.

2011 war es, als die SVP mit Auslandschweizer-Listen neues Wählerpotenzial erschloss. Gemessen an den Wertvorstellungen der Mutterpartei agierte die SVP-International in den «neuen Märkten» fast frivol: Mit einem Parteiprogramm in Englisch gewann sie auch in Australien Stimmen.

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