Wie Sportler mit Verletzungen umgehen - Teil 1 der Sommerserie LEIDENschaft

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Leichtathletin Manuela Roth muss den Sommer grösstenteils auf dem Sofa verbringen. (Bild: pka)

«Ich bin ausgerutscht und hörte einen Knall. Da wusste ich sofort, was passiert war», erinnert sich Manuela Roth. Die 16-jährige Zofingerin erzählt von jenem verhängnisvollen Frühlingsabend im Training des TV Zofingen LA, als sie beim Speerwurf aus dem Stand auf dem nassen Rasen ihr Gleichgewicht verlor. Kurz darauf bestätigten sich ihre schlimmsten Befürchtungen: Kreuzbandriss im linken Knie. Für Manuela Roth ist es ein bitteres Déjà-vu. Bereits im letzten November musste sich die Kantonsschülerin das gerissene Kreuzband operieren lassen. Damals wie heute lag die Ursache im Sport. «Es geschah im Training beim Weitsprung, aber ich habe nichts dabei gespürt», so Manuela Roth, die danach auch noch Hochsprung machte. «Auch nach einer zweitägigen Wanderung war mein Knie nur leicht angeschwollen», sagt Manuela Roth. Schliesslich brachte eine MRI-Untersuchung Gewissheit, dass das vordere Kreuzband und der Meniskus lädiert waren.

Von den daraus resultierenden neun Monaten Pause hatte Manuela Roth zwei Drittel mit einem langen, intensiven Aufbautraining hinter sich gebracht, bis sie der Rasen im Stadion Trinermatten auf schmerzhafte Weise auf Feld eins zurückkatapultierte. «Am Anfang war ich extrem geschockt und dachte: ‹Nein, nicht schon wieder.› Dabei war ich eigentlich guten Mutes, nach dem Sommer wieder Wettkämpfe zu bestreiten», sagt sie. Statt der erhofften Rückkehr auf die Leichtathletik-Bühne sind nun wieder Pause, Stöcke und viel Geduld angesagt. Ironischerweise geht Manuela Roth mit der erneuten Bürde locker um. «Ich erlebe Höhen und Tiefen, aber jetzt weiss ich, was auf mich zukommt», sagt sie. Dank der Sommerferien kann sich die Schülerin zuhause erholen, «und anders als im Winter habe ich weniger Mühe beim Anziehen der Kleider». Die TVZLA-Nachwuchsathletin macht aber keinen Hehl daraus, dass der ein Jahr dauernde Verzicht auf ihre grosse Leidenschaft nur schwer zu akzeptieren ist. Vor allem dann, wenn sie im Training Kraftübungen absolviere und ihren Kolleginnen zuschauen müsse. «Weil ich nie wirklich Schmerzen habe, geschieht viel im Kopf», sagt Roth, die deshalb auch im mentalen Bereich gearbeitet hat.

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Bezüglich ihrer sportlichen Zukunft macht sich Manuela Roth indes keine Sorgen. Obwohl ein dritter Kreuzbandriss gleichbedeutend wäre mit dem Ende des Leistungssports, versucht sie, diese Gedanken zu verdrängen. Zu sehr liegen ihr die vier Trainings pro Woche am Herzen. «Mir ist aber bewusst, dass es jederzeit wieder passieren kann», sagt Manuela Roth gelassen. Schliesslich kennt sich die Zofingerin mit Rückschlägen bestens aus. Neben Problemen mit der Achillessehne und Oberschenkelzerrungen hatte sie in jüngerer Vergangenheit auch wegen ihrer Skoliose – eine Seitabweichung der Wirbelsäule – zu kämpfen. «Ich bin dadurch anfälliger für Verletzungen», sagt Manuela Roth. Trotzdem hofft sie, «dass meine Probleme irgendwann vorbei sind».

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Vier Jahre nach der Operation im rechten Knie fährt Hansruedi Hohl wieder beschwerdefrei mit dem Mountainbike. (Bild: pka)

 

Dieser Wunsch ist für Hansruedi Hohl in Erfüllung gegangen. Der 62-jährige Zofinger musste sich im Dezember 2014 nach einer langen Leidensgeschichte eine Teilprothese im rechten Knie einsetzen lassen. Den Entscheid hat Hohl zu keiner Zeit bereut. «Dank der Prothese habe ich definitiv neue Lebensqualität gewonnen. Ob am Tag oder beim Schlafen, ich habe keine Schmerzen mehr», sagt er zufrieden. Das sah vor der zweistündigen Operation noch total anders aus, nur schon der Begriff «Prothese» sei für Hansruedi Hohl ein Schock gewesen. «Ich verbinde mit dem Wort den Seebären mit seinem Holzbein», sagt der kürzlich pensionierte Leiter Privat- und Geschäftskunden einer Bank. Seinen Vorurteilen nahm Hohl nach der Diagnose gleich selbst den Wind aus den Segeln: Er befasste sich intensiv mit dem Thema, holte eine Zweitmeinung ein und forschte im Internet nach Informationen zu Prothesen aller Art, Risiken oder möglichen Alternativen. «Zudem habe ich mich mental auf den Eingriff vorbereitet und zu mir gesagt: ‹Du schaffst das›», erzählt Hohl. Als eine Knochenmarkentzündung im Knie den Spitalbesuch früher nötig machte als geplant, konnte er trotzdem gelassen den Gang ins Krankenhaus antreten. Hohl hatte gar Glück im Unglück: «Weil die Bänder und die Kniescheibe noch intakt waren, entschied sich der Arzt für eine Teil- und gegen eine Vollprothese», sagt er, «dadurch ist mein Knie etwas beweglicher.»

Wie bei Manuela Roth lässt sich die Ursache von Hansruedi Hohls Beschwerden im Sport finden. Der verheiratete Vater einer erwachsenen Tochter schaffte es als aktiver Fussballer bis in die 3. Liga, ehe er wegen einer Weiterbildung auf den Tennisplatz umschwenkte. Nachdem Hohl als 45-Jähriger wegen eines Meniskusschadens eine Arthroskopie über sich ergehen lassen musste, erforderte ein Fehltritt während eines Tennisspiels neun Jahre später den nächsten, deutlich happigeren Eingriff. «Nun war auch der Knorpel beschädigt», blickt der ehemalige Präsident des TC Zofingen zurück. Weil sich Wasser im Knie einlagerte, dauerte der Heilprozess rund ein Jahr. «In dieser Zeit kam ich zur Besinnung, dass Tennis und Fussball nicht unbedingt die idealsten Sportarten für die Knie sind», zeigt sich Hohl einsichtig. Aus diesem Grund tauschte er das Tennisracket gegen den Golfschläger ein. «Ohne Ball geht es für mich einfach nicht», erklärt Hohl, der zudem gerne Mountainbike fährt, schmunzelnd. Allerdings blieb er auch auf dem «Grün» nicht von Verletzungen verschont. «Kurz nachdem ich meine Platzreife erlangt und das erste Turnier gespielt hatte, brach die Knieverletzung wegen eines Fehltritts wieder auf», sagt Hohl. Danach habe sich der Einbau der Prothese abgezeichnet.

Brutale Erkenntnis

Manchmal möchte Hansruedi Hohl das Rad der Zeit gerne zurückdrehen und einen Appell an sein früheres Ich richten. «Etwas mehr Vernunft im jugendlichen Alter hätte vieles vermeiden können», sagt Hohl reumütig. Die Erkenntnis, stärker auf die Signale des Körpers zu achten, versucht er der jüngeren Generation zu vermitteln. «Vor allem, wenn man sieht, wie sie ihre Gelenke beansprucht», meint Hohl nachdenklich. Ihm sei aber bewusst, dass im fortgeschrittenen Alter Beschwerden auftauchen können. Seine Erlebnisse hat Hansruedi Hohl mittlerweile verarbeitet. «Die brutalste Erkenntnis für mich war, von heute auf morgen nicht mehr Tennis spielen zu dürfen», verrät Hohl. Wenn er heute das Geschehen beim TCZ mitverfolge, komme leichte Wehmut auf. «Aber», betont Hohl, «ich habe mich damit abgefunden und mit Golfen und Biken zwei gute Alternativen gefunden.»

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Die Teilprothese in Hansruedi Hohls rechtem Knie ist gut erkennbar. (Bild: zvg)
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