Haus auf dem Dach: Auf diesem Getreidesilo wird bald eine Familie wohnen

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Auf dem Dach des ehemaligen Getreidesilos am Bahnhof Wikon wird bald eine 6,5-Zimmer-Wohnung gebaut (Bild: Kurt Buchmüller)
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Eine prächtige Aussicht auf das Wiggertal bietet sich Richtung Norden ... (Kurt Buchmüller)
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... und Richtung Süden (kubu)
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Sandra und Clemens Noser besichtigen ihre zukünftige Wohnung. In der Mitte der Liftschacht. (kubu)

Seit November 2017 ist das Getreideumschlagsilo beim Bahnhof Brittnau-Wikon von einem Mantel umhüllt. Dahinter geschieht Ausserordentliches: Der 1936 erbaute über dreissig Meter hohe Turm soll zuoberst eine 6½-Zimmer-Wohnung erhalten. Nicht innerhalb des Baukörpers, sondern zusätzlich obendrauf, zweigeschossig. Die neue Wohneinheit steht zurzeit fast fertig auf der Westseite des Silos. Es ist eine Konstruktion von Scheiber Metallbau (Ettiswil) mit einem Grundriss von 12 mal 12 Metern. Damit ragt das Einfamilienhaus auf drei Seiten über den Siloturm von 8 mal 10 Metern hinaus.

Die Sicherheit in dieser Wohnung war nur eines der vielen Probleme, die in diesem Bauvorhaben gelöst werden mussten. «Der Zugang zur Wohnung führt über das Treppenhaus im Silo und die Fenster sind gesichert», erklärte Clemens Noser, der mit seiner Frau Sandra und den Kindern Ben (7) und Kevin (5) Ende 2018 die Wohnung beziehen wird.

Langwierige Studien
Die Idee zur Aufstockung des Silos kam Clemens Noser, Juniorchef der Firma chrom-line AG beim Bahnhof. Deren Spezialität ist die Herstellung von versenkbaren Hubboden-Pools und anderer Wasserbecken aus Edelstahl. Noser, wohnhaft in Wikon, fährt täglich am Silo vorbei und hatte sich schon lange Gedanken über die Umnutzung des leerstehenden Gebäudes gemacht, das früher tausend Tonnen Getreide fasste. Dann gab es eine zufällige Begegnung mit Martin Wächter-Röthlisberger, einem Spross der Gründerfamilie Wächter, die 1893 die veraltete Mühle übernommen, schrittweise modernisiert und ausgebaut hatte. Zuletzt gehörte sie zum Konsortium Intermill AG, die ab 2004 mit der Groupe Minotories SA zusammenarbeitete. 2007 stellte die Brittnauer Mühle die Produktion ein. Clemens Noser zeigte Interesse am Erwerb des Silos, vorläufig ohne konkrete Vorstellungen über die Nutzung. Im Hintergrund standen jedoch der Bau einer Wohnung zuoberst und die Einrichtung eines Materiallagers für die chrom-line AG unten. Vorerst wurde auf der Grundlage einer Bestandesgarantie des Silos ein Kaufvertrag abgeschlossen. Während dreier Jahren folgten fundierte Abklärungen über die notwendigen baulichen Veränderungen: Einbau eines Liftes und einer Treppe hinauf zur Wohnung sowie die Einrichtung eines Materiallagers. Eine besondere Knacknuss war der Wohnungsbau. Eine herkömmliche Bauweise wäre wegen der grossen Höhe sehr aufwendig gewesen, also kam nur eine leichte Metallkonstruktion zum Zug. Ende August soll sie von der Firma Faber Kran (Schötz) mit einem der grössten Krane der Schweiz an ihren Standort gehoben werden, Gewicht 110 Tonnen.

Drei Jahre dauerte auch das behördliche Bewilligungsverfahren. Beteiligt daran waren im Kanton Luzern die Gebäudeversicherung und das Amt für Raum und Wirtschaft sowie die Denkmalpflege. Es ging stets um Ausnahmebewilligungen. Eine von vielen Fragen waren die Farbe und die neue Metalloberfläche der Fassade. Die Verhandlungen mit den Wikoner Behörden hätten sehr lange gedauert; Einsprachen habe es aber keine gegeben, stellte Clemens Noser fest. Ganz zuoberst verfügt die Wohnung noch über eine Dachterrasse. Die Rundsicht ist fantastisch, zum Alpenkranz im Süden, zur Jurakette im Norden und seitlich nach Wikon und Brittnau.

ZUR GESCHICHTE DES GETREIDESILOS

Wichtig war der Bahnanschluss

Der Weltkrieg 1914/18 stürzte die Schweiz in kriegsbedingte Versorgungsengpässe. Auf dem Höhepunkt der Krise 1918 zahlte man – auf heutige Einkommen umgerechnet: 5.20 Franken für ein Kilo Kartoffeln, 6.30 Franken für einen Liter Milch und 12.80 Franken für ein Kilo Brot. Um Import-Engpässe in Zukunft zu vermeiden, erliess der Bundesrat das sogenannte «Fruchtgetreidegesetz zur Förderung des inländischen Brotgetreideanbaus und zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung in Zeiten von gestörten Importen». Die Schweizer Mühlen wurden zur Lagerhaltung von Getreide verpflichtet. Das löste einen Bauboom für Getreidesilos aus. Wichtig war dabei ein Bahnanschluss, damit Getreide aus der ganzen Schweiz eingelagert werden konnte. 1936 liess Fritz Wächter, der damalige Besitzer der Brittnauer Mühle, das Silo beim Bahnübergang erbauen. Ausgeführt hatte den Auftrag in Rekordzeit das Baugeschäft Gottlieb Müller in Zofingen. Fortan wurde das Getreide vom Silo zum Mahlen mit einem Fuhrwerk zur Mühle geholt. Die schweren Mühlirosse machten jeweils von sich aus Halt vor dem Bahnhofrestaurant, damit der Fuhrmann seinen Durst löschen konnte. (KBB)

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