Nostalgie im Autokino: Hier treffen Oldtimer- und Filmliebhaber aufeinander

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Stumme Zeugen im Autokino an der Industriestrasse: nirgends gibts mehr öffentliche Privatheit unter freiem Himmel als im eigenen Auto. (Bild: Remo Froehlicher)

Es gibt sie noch heute, die regelrechten Autokino-Profis. Die wissen sozusagen, wie «der Chaare louft». Auch im Autokino an der Industriestrasse 41 in Olten, wo die meisten Gäste «so zwischen 30- und 50-jährig sind», wie Chiara Borner vom organisierenden Verein Autokino Olten sagt. Jahrgänge fernab jener Epoche also, welche als Blütezeit des Autokinos gelten; die 1950er- und 1960er-Jahre nämlich. «Um auf die Frage zurückzukommen, ob wir vom organisierenden Verein Autokino Olten eher Auto- oder Filmfreunde sind: Ich glaube, wir sind Nostalgiker», sagt Stefan von Burg, Compagnon von Chiara Borner.

 

Tja, die Seele der waschechten Liebhaber, die stilgerecht, zumindest was das Auto angeht, auf dem Platz erscheinen; eine gute Stunde vor Filmstart notabene. Ein Zürcher mit Partnerin in einem Cadillac Convertible von 1959 als fahrbarem Untersatz etwa; Länge: knapp sechs Meter. «Nennen wir ihn Cadillac Eldorado; das ist einfacher», sagt der Zürcher grosszügig. «Obwohl: Der Wagen stammt aus der Modellreihe Series 62», schiebt er nach und öffnet dann die Beifahrertür, damit die Partnerin aussteigen kann. «Ich glaub’, das macht er eher des Wagens wegen», lacht sie, geht zum Frittenstand und holt sich eine kleine Portion Pommes, während er sich noch um den Wagen und die Modalitäten des Abends kümmert. Lautsprecher, Billette, Speisekarte. Später werden die beiden auf der vorderen Sitzbank des Cadillacs zusammenrücken und den Film «Ghostbusters» so quasi «cheek to cheek», Wange an Wange geniessen. Auch ein lang währender Kuss ab und an darf nicht fehlen. Was die beiden am Autokino Olten mögen: die ungezwungene Atmosphäre. «Hier muss man sich nicht, wie andernorts, schon Wochen vorher anmelden,» sagt der Zürcher.

Lieber keine Oldtimerclubs

Sie machen sich gut, die Oldtimer in dieser Industrielandschaft mit herbem Charme, auch wenn in der Regel nicht mehr als zwei, drei pro Vorstellung vorfahren. «Wir wollen auch ein Autokino für Gäste mit handelsüblichen Wagen sein», sagt von Burg. Häufig hätten Oldtimerclubs sehr präzise Vorstellungen von ihrem möglichen Auftritt, würden Bedingungen stellen. Dem Verein Autokino aber geht das zu weit. Obwohl sich auch andere Gäste mehr von den Kultfahrzeugen vor Ort vorstellen könnten. Unter anderem die Hauptsponsoren von «Meilenweit», einer Garage in der Wöschnau. Lukas Büchli und Manuel Blattner sagen: «Ja klar wäre das schön, aber auf der andern Seite kommen Oldtimer besser zur Geltung, wenn sie nicht von zu vielen andern konkurrenziert werden.» Auch wahr.

Die allermeisten Besucherwagen aber sind handelsübliche Gefährte. Auch jenes von Matthias Zbinden und Natalie Erismann aus Olten. Das Paar ist eben aus den Ferien zurückgekommen. Warum nicht die schönste Zeit des Jahres noch etwas verlängern und das Autokino besuchen? «Ich hab eigentlich eher zufällig davon erfahren», sagt Zbinden Beim Besuch des Getränkehändlers in unmittelbarer Nachbarschaft zum Autokino nämlich. Und er hat seine Partnerin überzeugen können, mit ihm hinzufahren. Für sie eine Premiere und immerhin die Möglichkeit, einen Film in jener Atmosphäre zu geniessen, die ihnen entspricht: «Häufig sind mir Kinogäste zu unruhig, das lenkt ab», sagt Natalie Erismann. Da verspricht das Autokino unter freiem Himmel schon mehr Autonomie. Und eine Glace essen kann man ebenfalls dabei. Auf Wunsch wird die Bestellung während des Films auch zum Auto gebracht. Popcorn, Fritten, Nuggets, Süssgetränke etwa. Die Wagen sind alle mit einer Nummer versehen, was diese Art von Service überhaupt erst möglich macht.

Pause für soziale Kontakte

Dass die Filme jeweils für eine knapp zehnminütige Pause unterbrochen werden, mag überraschen. Natürlich wollen die Organisatoren auch Esswaren und Getränke verkaufen. Obschon: Stefan von Burg kennt noch einen andern Grund, der für eine Pause spricht. «Das Autokino ist naturgemäss eine eher anonyme Veranstaltung. Mit der Pause wollen wir den Gästen auch Gelegenheit geben, sich untereinander auszutauschen, ins Gespräch zu kommen. Man muss die Möglichkeit nicht nutzen, aber man kann.»

Von Burg sagt, die zweite Auflage des Autokinos sei so etwas wie die Nagelprobe. «Etwa 20 Fahrzeuge pro Vorstellung brauchen wir, um am Schluss eine schwarze Null schreiben zu können», räumt er ein. Und sie bräuchten mehr Mitglieder im rund 12-köpfigen Verein, die Ideen einbringen, welche die Attraktivität des Events steigern helfen. Auch wenn die Spielzeit eben erst angelaufen ist: Von Burg vermittelt den Eindruck, als gäbe es auch im Sommer 2019 ein Autokino Olten. «Man muss alles dreimal machen, um zu erkennen, ob ein Event zum Erfolg reifen kann oder zum Scheitern verurteilt ist», erklärt er.

Es hat durchaus seinen Reiz, das Autokino. Man muss sich einfach mal unvoreingenommen darauf einlassen wollen, auf dieses Destillat von öffentlicher Privatheit zwischen Frontscheibe und Rückenlehne. Dann vielleicht spürt man: Das Elvis-Figürchen, welches vom Innenspiegel des Cadillac Convertible baumelt, gerät in Schwingung. Und das liegt nicht daran, dass der Vordermann eben eine satte Rauchwolke durch offene Fenster ins Freie bläst. Dann nämlich sind die goldenen Fünfzigerjahre zurück, die man nur vom Hörensagen kennt. Vielleicht auch ein Glück.

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