Zweistöckige A1: Giezendanner findets «gescheit», Wermuth befürchtet mehr Verkehr und Lärm

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Screenshot Tele M1

Die Idee ist so neu nicht: Vor drei Jahren sagte SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner im «TalkTäglich» von Tele M1, man sollte «jetzt auch in der Schweiz mit den Highways kommen». Die Bauart, bei der eine Strasse mit einer zweiten Fahrbahn überdacht wird, kennt man vor allem aus den USA. Die Reaktion des Bundesamtes für Strassen (Astra) folgte prompt. Sprecher Thomas Rohrbach sagte damals: «Der Vorschlag ist bestechend – zumindest auf den ersten Blick.»

Am Sonntag wurde er von Astra-Direktor Jürg Röthlisberger wieder aufgenommen. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagte Röthlisberger, man prüfe im Limmattal, «ob wir einen Teil der A1 doppelstöckig führen können». Das Trassee führe durch ein Flachmoor, weshalb man nicht weiter in die Breite bauen könne. Beispielsweise könnte der Verkehr nach Zürich unten und jener nach Bern oben geführt werden – oder Lastwagen unten und Personenwagen oben. «Das schauen wir jetzt im Detail an, wobei punkto Raumplanung und Umweltverträglichkeit sicher noch Hürden zu meistern sind.»

Den Verkehr entflechten
Ulrich Giezendanner freut sich darüber, fügt aber an: «Man muss seriös bleiben.» Die Lösung würde viel Geld kosten und könne nicht flächendeckend eingeführt werden. «Doch für exponierte Orte, wie es jetzt vom Astra vorgeschlagen wurde, dünkt mich das sehr gescheit.» So könne man die Regionen vom Verkehr entlasten, ohne mehr Bauland zu beanspruchen.
FDP-Nationalrat und TCS-Aargau-Präsident Thierry Burkart findet es «gut, dass man sämtliche Optionen prüft». Die Nationalstrasse sei ein sehr effizienter Verkehrsträger und brauche zwingend eine Kapazitätssteigerung. Skeptisch ist Burkart punkto Kosten: «Eine Doppelstockautobahn ist in Bau und Unterhalt sehr teuer. Solange es in der Fläche geht, hat das Priorität.»

Bernhard Guhl (BDP), wie Giezendanner und Burkart Mitglied der nationalrätlichen Verkehrskommission, sagt: «Bei uns in der Schweiz, wo man nicht mehr weiter Land verbauen sollte, kann das Sinn machen.» Visuell wäre die Lösung nichts Schönes, die Lärmbelastung nähme zu. «Doch sie böte die Chance, die Verkehrsströme zu entflechten.» Das würde den Verkehr flüssiger machen. Genauso wichtig sei es, telematische Lösungen zu prüfen. «Wenn Autos künftig miteinander kommunizieren, bringt uns das ebenfalls mehr Kapazität», sagt Elektroingenieur Guhl.

In die falsche Richtung geht der Vorschlag des Astra für Cédric Wermuth (SP). Er sagt: «Nett formuliert ist es eine originelle Idee.» Je mehr Platz man für den Verkehr schaffe, desto mehr nehme dieser zu. «Mit allen technologischen Entwicklungen muss es aber das Ziel sein, unsere Mobilität mit weniger Fahrzeugen sicherzustellen.» Wermuth sieht, dass eine zweite, übergeordnete Spur keine zusätzliche Baufläche beanspruchen würde. «Doch die Zunahme von Verkehr und Lärm würde diesen Vorteil gleich wieder zunichtemachen.»

Tunnel Spreitenbach–Birrfeld?
Laut Astra-Chef Röthlisberger werde zudem statt einer vierten Baregg-Röhre eine neue Linienführung geprüft. Die naheliegendste Option sei, im Limmattal in Fahrtrichtung Bern früher links abzubiegen und bei Spreitenbach einen Tunnel durch den Heitersberg bis ins Birrfeld zu bauen. «Eine ganz gescheite Sache», findet Giezendanner, aber auch hier müsse man die Kostenwahrheit anschauen. Für ihn ist wichtig: «Ich bin einfach sehr froh, dass in Bern endlich Alternativen ernsthaft geprüft werden.» Für Burkart ist die Frage eines solchen Tunnels «tatsächlich eine, die man sich stellen sollte». Guhl findet die Idee «super». Er hatte kürzlich dem Astra selber eine eigene Bypass-Variante zur Prüfung vorgelegt. Auch Wermuth hält die Variante für «prüfenswert».

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