Momentan ein Traumberuf: Schuften bei sibirischer Kälte

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Arbeit in der Kälte Rame Osmanaj aus Nebikon hat einen Job, bei dem ihn die gegenwärtige Wetterlage wenig stört: Er arbeitet für die Galliker Frigo-Logistics im Tiefkühllager. Die Temperatur: minus 24 Grad. Thermounterwäsche ist dennoch kein Thema: «Denn wenn ich schwitze, ist die Gefahr des Erkältens nur noch grösser», so Rame Osmanaj. FOTO: KATHRIN AERNI
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Dick angezogen: Der Tiefkühl-Logistiker Rame Osmanaj arbeitet bei minus 24 Grad. Kathrin Aerni

Dick vermummt, fährt Rame Osmanaj mit dem Stapler zu einem Tiefkühl-Regallager. Ausgestattet mit Mikrofon und Kopfhörer, nimmt er Aufträge entgegen. Dann rüstet er tiefgefrorene Backwaren. Paket um Paket. Die Abnehmer sind verschiedenste Kunden. Osmanaj kommissioniert und überprüft sorgfältig die Sendungen auf den Paletten. Bevor diese ausgeliefert werden, umwickelt der junge Mann jedes Palett mit einer Plastikfolie, damit nichts verrutscht. Denn anschliessend kommen die Paletten aufs Förderband.

Arbeiten bei Minus 24 Grad ist für Rame Osmanaj Alltag. Er ist nämlich seit fast vier Jahren im Tiefkühllager tätig. Nach 90 Minuten gibt es die erste Pause – 20 Minuten. Ursprünglich hatte Osmanaj, der albanische Wurzeln hat, eine Anlehre als Sanitär-Installateur absolviert. Danach hatte er in verschiedenen Bereichen gearbeitet, unter anderem auch auf der Baustelle. Schliesslich habe ihm sein Bruder, der ebenfalls bei der Galliker AG im Logistikcenter arbeitet, zu seinem Job verholfen. «Ich wollte unbedingt eine Festanstellung und habe die Chance gepackt», blickt Osmanaj zurück. Er habe am Anfang kleinere, einfachere Arbeiten erledigen müssen wie Reinigen, Etikettieren und Kommissionieren. Allmählich habe ihm aber sein Abteilungsleiter immer mehr Verantwortung übertragen. Osmanaj führt mittlerweile eine Gruppe von neun Mitarbeitern und ist für das Lager im Erdgeschoss verantwortlich. «Mir macht die Arbeit Spass, und wir sind eine tolle Truppe.» Am Vortag hätten sie rund 500 Paletten mit Backwaren und Lebensmitteln ausgelagert, erzählt Osmanaj stolz. Am Montag, Mittwoch und Freitag ist jeweils im Logistikcenter 3 am meisten los; dort befinden sich drei Etagen Lager und Umschlagsmöglichkeiten für Tiefkühlprodukte. Gesamthaft arbeiten 29 Mitarbeiter im Tiefkühllager Logistikcenter 3.

16 000 Palett-Plätze
Abteilungsleiter Reto Pozzi hat nur lobende Worte übrig für seinen jungen Mitarbeiter: «Rame ist immer freundlich, motiviert und sehr pflichtbewusst.» Er sei ein «grosser Mehrwert» für die Firma. Darüber hinaus sei es hilfreich, dass er nebst der robusten Gesundheit auch ein technisches Verständnis mitbringe, so Pozzi. Das Galliker-Tiefkühllager in Altishofen ist mit einem vollautomatisierten Hochregallager und 16 000 Palett-Plätzen eines der grössten derartigen Tiefkühllager schweizweit und ermöglicht eine ideale Lagerbewirtschaftung. Die Bedeutung der Tiefkühllagerung habe in den letzten Jahren stark zugenommen, erklärt Reto Pozzi. Mit ein Grund seien die vielen Einzelhaushalte in der Schweiz. Ein Job in der Kälte ist nicht jedermanns Sache. Es ist nicht ganz einfach, Mitarbeitende in diesem Sektor zu finden, da viele mit den eisigen Temperaturen nicht zurechtkommen. Wie geht Rame Osmanaj mit der beissenden Kälte um? Am Anfang musste sich sein Körper an die kalten Temperaturen gewöhnen. Mit der Zeit war dies jedoch gar kein Problem mehr. Sein Rezept: «Ich trinke während der Arbeit viel Wasser und esse pro Tag mindestens eine warme Mahlzeit.» Zudem habe er herausgefunden, dass es besser sei, unter der Schutzausrüstung keine warme Thermokleidung zu tragen. «Denn wenn ich schwitze, ist die Gefahr des Erkältens nur noch grösser.» In der Freizeit gehe es dann darum, sich von den körperlichen Strapazen zu erholen. Zu seinen grössten Hobbys zählen: Tischtennisspielen, Reisen und Spazierengehen.

Gewaltiger Temperaturunterschied
Mittlerweile ist es 10.20 Uhr: Endlich geht es für die coolen Männer zurück in den Sommer – in die Kantine oder nach draussen an die wärmende Sonne. Ein Kafi, eine Zigarette oder einfach ein Aufwärmen und Durchatmen. Der Temperaturunterschied ist riesig und beträgt an sehr heissen Sommertagen bis zu 60 Grad Unterschied. In den Ferien zieht es Rame Osmanaj übrigens – wer will es ihm verdenken? – am liebsten in den Süden zu seinen Verwandten. Die leben immer noch in Albanien.

SERIE

In unserer Sommerserie  «Extremberufe» stellen wir Luzernerinnen und Luzerner vor, die in ungewohnter Umgebung arbeiten.

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