Wegen der Dürre droht den Aargauer Kühen frühzeitig die Schlachtbank

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Archivbild ZT

Bis zu zwei Monate Regen fehlt im Aargau. Wegen der anhaltenden Trockenperiode verschärft sich die Situation für Aargauer Viehhalter zunehmend: Das Tierfutter geht aus. «Es sieht nicht gut aus, die Bauern werden immer nervöser», sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbands. «Wir schicken die Kühe zwar in der Nacht auf die Weide, sie kommen jedoch mit leeren Mägen wieder nach Hause.» Bucher geht von Ertragsausfällen zwischen 20 bis 30 Prozent aus. Es fehlen zwei von jährlich fünf Schnitten auf den Wiesen.

Auch auf Buchers Hof ist die Situation angespannt. Der CVP-Grossrat betreibt in Mühlau einen Bauernhof mit 27 Kühen. Weil das Futter knapp ist, schickte er gestern Morgen eine Kuh zum Schlachter – fünf Monate früher als geplant. Im Gegensatz zu anderen Betrieben kann er nicht auf Futterreserven aus dem letzten Jahr zurückgreifen. Um weitere Schlachtungen zu verhindern, versucht er nun, weitere Kühe an andere Betriebe zu verkaufen.

Die aktuelle Situation sei noch prekärer als im Hitzesommer vor 15 Jahren. «2003 hatten wir immerhin ab und zu etwas Gewitterregen. Dieses Jahr fast gar nichts.» Damals sei die Lage zumindest im Freiamt entspannter gewesen. Zudem konnten Aargauer Bauern gutes Futter aus der Innerschweiz beziehen, die dieses zu einem solidarischen Preis an die Bauern verkauften. Doch heuer sind auch deren Felder braun und ausgetrocknet.

Immer mehr Landwirte sehen sich deshalb gezwungen, ihrem Vieh Heu zu verfüttern, das eigentlich für den nächsten Winter vorgesehen ist. Futterengpässe im kommenden Winterhalbjahr und damit auch höhere Futterpreise sind vorprogrammiert. Bucher schätzt die Schäden für die Aargauer Landwirtschaft im mehrstelligen Millionenbereich.

Heupreise werden steigen
«Wir appellieren nun an diejenigen Bauern, die noch mehr Futterreserven haben, sich analog zum 2003 solidarisch zu zeigen.» Das heisst: nicht das grosse Geschäft zu suchen und ihre Reserven zu horrenden Preisen an andere Bauern zu verkaufen. Der Heupreis dürfte dennoch in die Höhe schiessen. Die Viehalter müssen nun abwägen, ob sie Futter zukaufen oder ihre Tiere zum Schlachter bringen. Entscheidet sich Ralf Bucher selbst für zusätzliches Tierfutter, kostet ihn das mit 27 Kühen pro Tag 200 Franken. Ein gesundes Tier vorzeitig zu schlachten, sei aber das Letzte, was man eigentlich tun wolle.

Zirka 33 000 Kühe leben im Aargau. In einem normalen Jahr werden etwa 6500 Kühe geschlachtet, das entspricht 125 Tieren pro Woche. «Es wird aller Voraussicht nach aktuell eine Erhöhung der Schlachtzahlen geben.» Wie stark diese ansteigen, kann er noch nicht abschätzen. Bringen immer mehr Bauern ihre Tiere in dieser Notsituation früher zum Schlachthof, fällt der Schlachtpreis zusammen. Wichtig ist laut Bucher, den Markt zu verfolgen und Fleisch einzulagern für Zeiten, in denen es fehlen wird. «Und diese Zeit kommt spätestens nächstes Jahr.» Mit Einlagerung soll ein Preissturz für alle Rindviehhalter verhindert werden, also auch Muni- und Rindermäster. «Gleichzeitig soll auch nichts mehr importiert werden dürfen», betont Bucher.

Schlachter rechnet mit Rekord
Von einem Import-Stopp will Peter Schneider, Geschäftsleitungsmitglied von Proviande, noch nicht sprechen. Die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft überwacht auch die öffentlichen Schlachtviehmärkte. Klar ist: «Das Angebot wird spürbar zunehmen», so Schneider. Bereits für nächste Woche herrsche ein gutes Angebot, was eine Preiskorrektur ausgelöst habe. Angebot und Nachfrage haben Einfluss auf den Preis und somit auch auf den Erlös für den Produzenten. Sinkt der Schlachtpreis, verdienen die Bauern weniger pro Kilo Fleisch. Vorwiegend würden erst Kühe, also ältere Tiere, vorzeitig zum Schlachter gebracht.
«Der Verwaltungsrat von Proviande berät sich alle vier Wochen. Er wird die aktuelle Lage laufend beobachten und den nächsten Beschluss am 31. August fällen.» Würde sich die Angebotssituation auf dem Rindviehmarkt weiter verschärfen und damit auch der Preisdruck, seien Importbeschränkungen aber denkbar.

Auf dem Schlachthof in Würenlingen spürt Geschäftsführer Michael Büttner noch nichts von der Nervosität der Viehhalter. Die Schlachtungen hätten bisher nicht zugenommen. «In den nächsten Wochen wird die Zahl der zu schlachtenden Rinder aber sicher in die Höhe schiessen.» Seit elf Jahren betreibt er das Unternehmen. Für dieses Jahr rechnet er mit einem Schlachtrekord.
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