Dodo: «Es fühlt sich a wie Feriä»

Der letzte Heitere-Tag startete mit dem Tessiner Duo Make Plain und Folk-Country-Rock’n’Roll vom Feinsten. Mit auf der Bühne standen ein Grammophon und ein kleines Schaukelpferd, welches die Band als «John Cavallo» vorstellte. Schade nur, dass das Publikum kurz nach 11.15 Uhr noch etwas zu verschlafen war, um es vollends aus der Reserve locken zu können. Dass es trotz der frühen Uhrzeit möglich ist, das Publikum in Stimmung zu bringen, bewies der Zürcher Latin-Pop-Sänger Loco Escrito. Der 28-Jährige mit kolumbianischen Wurzeln singt auf Spanisch und wurde auf der Bühne von einem DJ begleitet. Escrito sorgte bei perfektem Wetter für ein angenehmes Sommerfeeling. Der Musiker mit «Züri-Schnurre» redete viel, kam jedoch sehr sympathisch und authentisch rüber. Etwas zu viel des Guten wurde es erst, als er demonstrativ sein T-Shirt hochhob, um seinen Oberkörper zu zeigen, und als er auf der Bühne eine Videobotschaft an eine grössere Plattenfirma aufnahm, welche ihm doch bitte eine internationale Karriere ermöglichen sollte.

James Gruntz bot bewährten Sound. Der Singer-Songwriter aus dem Mittelland überzeugte mit seiner Charakterstimme, seiner lockeren, sympathischen Art. Der Grosscousin der Jazzlegende George Gruntz bezauberte aber vor allem mit seinem berührenden Soul. Dass bei seinen tanzbaren Beats das Publikum nicht wie gewohnt abging, hing mit der Mittagshitze zusammen. Dennoch bewies James Gruntz, das Stillstehen bei seinem Sound nicht möglich ist und der 31-Jährige selber musikalisch auch nicht stillsteht und sich auch nicht erschöpft – bis zum letzten Takt.

Es war eine Meisterleistung, was das Publikum bei Dodo leistete. Unter der brütenden Hitze harrten die Fans aus, ja, tanzten, sangen und klatschten gehörig mit. Der Schweiss lief nur so, aber nicht nur beim Publikum, sondern auch bei Dodo, der Vollgas gab – und das nicht nur mit seinem «Hippiebus». Er hatte ein paar Freunde mitgebracht. Gemeinsam mit Dodo schmetterten sie jeweils einen Song, danach performten die Gäste einen eigenen. Marc Sway sang «Severina», Nemo gab sein «Du» zum Besten und nicht zu vergessen die beiden, die die Chartspitze 21 Wochen lang für sich eingenommen hatten: Lo & Leduc. Klar, dass da «079» kommen musste. Mit dabei waren auch De Luca und Carla Puccini. Auch Rita Roof unterstützte Dodo mit ihrer starken Stimme, nicht nur beim Kracher «Hardbrugg». Und wer den Heitere-Song 2018 «Helga» noch nicht gehört hatte, wusste spätestens ab dann, dass dieser aus Dodos Feder stammt. Heute geht im Aargau zwar die Schule los, aber bei dieser Stimmung ging einem etwas durch den Kopf, das man am besten mit Dodos Worten sagt: «Es fühlt sich a wie Feriä.»

Ist es sinnvoll, wenn ein Sänger bei einem Konzert seinen grössten Hit bereits ganz am Anfang verpulvert? JP Cooper aus Manchester hat dies mit «She’s on My Mind» getan und es war kein Fehler, zumal er das Publikum von 0 auf 100 auf seiner Seite hatte. Cooper ist keiner, der auf der Bühne viele Worte verliert. Die gute Stimmung entstand bei diesem herzlichen Musiker automatisch. Und auch stimmlich war er einer der besten Acts des ganzen Festivals. Sympathisch wirkte auch, dass er bei einigen Songs kurz die Geschichte dahinter erzählte. So war ein Lied seinem Sohn gewidmet, ein weiteres allen Leuten und eines für welche, die in einer Beziehung sind, in der sie nicht sein sollten. JP Cooper stach an diesem Festival sehr positiv heraus.

Für Hecht ging mit ihrem Auftritt ein Traum in Erfüllung. Früher seien sie oft als Gäste ans Festival gekommen. Vor einigen Jahren hätten sie dann sogar mal hier spielen dürfen – es habe nur leider niemanden interessiert. Doch vor zwei Jahren wurden sie wieder eingeladen – und spielten ein fulminantes Konzert auf der Parkbühne. «Und jetzt sogar auf der Hauptbühne», freute sich Sänger Stefan Buck. Die Freude war auch im Publikum riesig. Egal ob «Fiji», «Carlotta», «Adam + Eva» oder «Gymnastique», der ganze Platz sang mit. Sie füllten die ganze Bühne mit ihrer Energie und steckten alle damit an. Es ist bekannt, dass Hecht tolle Liveshows machen und sie wurden ihrem Ruf mehr als gerecht.

«Grüezi Heitere! Habt ihr Bock zu tanzen?» So eröffnete Carolin Niemczyk vom Duo Glasperlenspiel das Konzert. Die Sängerin bezog das Publikum von Anfang an mit ein. Sie versuchte sich sogar in Schweizerdeutsch. Bei «Echt» ging die Deutsche auf Tuchfühlung und liess sogar einen Fan ins Mirko singen. Niemczyk nahm die Bühne komplett ein, sprang mit, wenn sie das Publikum zum Springen aufforderte und selbst eine La-Ola-Welle fehlte nicht. Schliesslich gab es auch noch eine kurze Tanzlektion: Zwei Schritte nach rechts, zwei nach links. «Das sieht cool aus», freute sich Niemczyk. Den kurzen Tanz band sie gleich in die neuste Single «Schloss» mit ein und war mit dem Resultat sichtlich zufrieden. Als Glasperlenspiel ihren wohl grössten Hit, «Geiles Leben», spielte, gaben die Festival-Besucher nochmals Vollgas und tanzten und sangen ausgelassen mit, bis die letzten Töne verklungen waren. 

Den Schlusspunkt am Sonntagabend setzte James Blunt. Der britische Singer-Songwriter mit der samtigen Stimme holte die Leute wieder runter, die den ganzen Tag gefeiert hatten. Blunt überzeugt nicht nur mit seinen Hits wie «You’re Beautiful», «Bonfire Heart» oder «Goodbye My Lover», sondern auch mit seinem feinen Humor. «Someone Singing Along» sei ein Lied über einen berühmten Amerikaner, sagt er. Doch auf seiner Nordamerika-Tour habe er dies dem Publikum nie gesagt, da sie sonst vielleicht nicht mitgemacht hätten. Bei diesem Song sollen die Zuschauer ordentlich Lärm machen. Inhaltlich geht es darum, seine Stimme gegen Ungerechtigkeit zu erheben. Und beim «berühmten Amerikaner» handelt sich natürlich um Donald Trump. Das Publikum teilte seine Meinung und war auch sonst sehr angetan vom Sänger. Auch wenn dieser Headliner der ruhigste von allen war, war die Stimmung immer noch bestens. Mitsingen und Klatschen war Ehrensache. Und James Blunt selbst schien auch sehr gut gelaunt. In seinem Song «Stay The Night» heisst es «Und wenn es das ist, was wir haben, dann ist das, was wir haben, Gold.» Das fasst die Stimmung zum Abschluss des Heitere Open Airs wunderbar zusammen.

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