20 Prozent mehr Mittelschüler: Zwischen Aarau und Baden solls eine neue Kanti geben

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Bildungsdirektor Alex Hürzeler in angeregtem Gespräch mit Sechstklässlerinnen aus Rohr anlässlich des ersten Schultages in der neuen Kreisschule Aarau-Buchs. (Bild: SANDRA ARDIZZONE)
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Wohin Kanti-Schüler verschoben werden könnten (AZ)

In allen Aargauer Kantonsteilen gibt es Mittelschulen. Ausser im Fricktal. Das hat zur Folge, dass von den insgesamt 660 Fricktaler Mittelschülerinnen und -schüler 500 die Mittelschulen in den beiden Basler Halbkantonen besuchen. Die interkantonale Zusammenarbeit habe sich bewährt und funktioniere in der Praxis gut, versicherte Bildungsdirektor Alex Hürzeler an der Medienkonferenz des Bildungsdepartements zum Schuljahresbeginn.

Trotzdem will nun die Regierung die Situation im Fricktal überdenken. Denn in den nächsten Jahren werden die Schülerzahlen weiterhin stark steigen. Die Mittelschulen im Kanton Aargau werden deshalb schon bald zusätzlichen Schulraum brauchen.

Kanti Fricktal ist gesetzt

Bereits 1981 wurde im Schulgesetz festgelegt, dass auch das Fricktal eine Mittelschule erhalten soll. Als Standort war damals Stein vorgesehen; es war ein Kompromiss, da sich Rheinfelden und Frick nicht einigen konnten. Doch lange war das Schülerinnen- und Schülerpotenzial für eine Fricktaler Mittelschule nicht gegeben.

Zudem konnte mit den Basler Halbkantonen eine gute Lösung gefunden werden. Doch nun ist das Potenzial vorhanden, das Versprechen könnte nun endlich eingelöst werden und die Fricktaler Schüler müssten nicht mehr in den Nachbarkantonen zur Schule gehen. Mit den aktuell 660 Mittelschülern wäre die Fricktaler Kanti schon jetzt grösser als die Schule in Zofingen.

Auch die beiden Basler Kantone wären nicht unglücklich, wenn die Fricktaler künftig im Fricktal zur Schule gingen. So strebt der Kanton Basel-Landschaft im Zeitraum von zehn Jahren eine erhöhte Konzentration der Bildungsangebote an; das Wegbleiben der rund 350 Schülerinnen und Schüler aus dem Fricktal ergäbe ganz neue Möglichkeiten bei der Planung, denn auch in den Nachbarkantonen steigen die Schülerzahlen.

Gegenwärtig besuchen knapp 150 Schülerinnen und Schüler aus dem Fricktal Mittelschulen im Kanton Basel-Stadt. Mit einem Mittelschulstandort im Fricktal ist davon auszugehen, dass diese Jugendlichen zukünftig nicht mehr in Basel zur Schule gehen werden. Aber auch in Basel-Stadt würden keine Überkapazitäten entstehen, auch in Basel steigen die Schülerzahlen und der Platz wird knapp. Der Wegfall der Fricktaler wäre allenfalls sogar willkommen. Deshalb ist für Hürzeler klar: «Eine bedarfsgerechte und langfristige Planung ist nur möglich, in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Partnerkantonen.»

Zusätzliche Kanti notwendig

«Mit einer Fricktaler Mittelschule kann zwar die Fricktaler Situation gelöst, aber nicht die Raumnot an der andern Mittelschule behoben werden», erklärte Bildungsdirektor Hürzeler, der selber Fricktaler ist.

In den letzten zehn Jahren ist die Schülerzahl an den Mittelschulen insgesamt um 20 Prozent gewachsen. Die Folge waren Zumietungen von Schulräumen in Wettingen und Aarau sowie der Bau von Schulprovisorien in Baden und Wohlen. Einzig die Kantonsschule in Zofingen ist nicht voll ausgelastet, da ihr Einzugsgebiet kleiner ist. In den nächsten Jahren verstärkten sich die Engpässe im Aargauer Mittelschulsystem, sagte Hürzeler. Die Prognosedaten lassen weiter einen stetigen Anstieg der Abteilungszahlen erwarten. So ist zu erwarten, dass bis ins Jahr 2040 74 zusätzliche Abteilungen notwendig sind, für die aber erst noch Platz geschaffen werden muss.

Damit gibt es unabhängig von der Entwicklung im Fricktal auch im Aargauer Mittelland weiteren Raumbedarf. Wo denn die zweite neue Kantonschule gebaut werden könnte, ist noch offen, Bildungsdirektor Hürzeler sprach von einem Standort «im Gebiet Aargau, Brugg, Baden, Lenzburg.» Letztmals wurden Mitte der Siebzigerjahre in Wohlen, Wettingen, Aarau und Zofingen neue Kantonsschulen gegründet.

In einem Planungsbericht wird nun der Regierungsrat die Entwicklungsabsichten für die Mittelschullandschaft im Kanton Aargau für die nächsten 25 Jahre aufzeigen. Der Bericht soll bis Mitte 2019 vorliegen und dem Grossen Rat zu Beratung und Beschlussfassung unterbreitet werden. Der Bericht wird auch Auskunft über die finanziellen Konsequenzen für den Kanton geben.

Berufsschulen: Die Reform ist bereits wieder unterwegs

Zweimal ist die Reform der Berufsschulen im Grossen Rat schon gescheitert. Regionale Interessen siegten stets gegen pädagogische und finanzpolitische Argumente. Dies, obwohl Einigkeit darüber herrscht, dass es sinnvoll wäre, die über den ganzen Kanton verstreuten Berufsschulen in Kompetenzzentren umzuwandeln. Genau dies fordert auch eine Motion von FDP, CVP und GLP. Zudem ist die Reform der Berufsfachschulen ein Modul im Rahmen der Sanierung der Kantonsfinanzen. Der Kanton hat inzwischen eine breite Anhörung mit den Vorständen und Rektoren der Schulen durchgeführt; mit am Tisch waren auch Vertreter der Branchenverbände sowie die Standortgemeinden. Dazu gab es eine Umfrage bei Berufsverbänden, Lehrbetrieben und Berufsfachschulen. Bis Ende Jahr soll nun der Lösungsvorschlag des Regierungsrats vorliegen. Entweder als Anhörungsvorlage oder allenfalls gar schon als Botschaft an den Grossen Rat. Die Vorzeichen stehen gut, dass die Reform beim dritten Versuch tatsächlich gelingen könnte. (jm)

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