Vom Mechaniker zum Fluglehrer: Urs Reber bildet seit 35 Jahren Piloten aus

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Bereits als 22-Jähriger begann Urs Reber mit seiner Pilotenausbildung. kathrin aerni
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«Das Wichtigste beim Fliegenlernen ist das gegenseitige Vertrauen», sagt Reber.

Flugplatz Beromünster, Samstagmorgen, 8 Uhr: Ein weiterer Hitzetag des diesjährigen Rekordsommers bricht an. Noch ahnt niemand, dass der 4. August 2018 in die Annalen der schlimmsten Flugzeugunfälle der Schweiz eingehen wird.

Auf dem Flugplatz in Beromünster herrscht emsiges Treiben. Fallschirmspringer sinken der Erde entgegen. Kaum blinkt das orangefarbene Licht nicht mehr, rollt eine Cessna auf die Startbahn. Dann beschleunigt das Kleinflugzeug auf rund 100 Stundenkilometer und hebt vom Boden ab. Ein Mann macht eine Fotos-Serie, um ja nichts zu verpassen.

Dann startet eine ehemalige Flugschülerin mit einer Cessna zu einer Platzvolte – will heissen, sie übt je drei Starts- und Landungen, und einmal startet sie durch. «Das ist quasi eine Auffrischung», erklärt Fluglehrer Urs Reber. «Denn weil in Beromünster das Starten so anspruchsvoll ist, müssen jedes Jahr alle Piloten einen Checkflug machen.» Zuerst mit einem Fluglehrer. Danach alleine. Kein Wunder, ist doch die 400 Meter lange Gras-Startbahn die kürzeste in Europa und gilt entsprechend auch als eine der anspruchsvollsten.

Urs Reber kennt die Tücken der Startbahn in Beromünster wie kaum ein anderer. Seit über drei Jahrzehnten arbeitet der mittlerweile 63-jährige Fluglehrer auf dem überschaubaren Regional-Flugplatz. In dieser Zeit hat er rund 60 Flugschüler auf die Privatpiloten-Lizenz vorbereitet.

«Fliegen bedeutet Freiheit»
Ursprünglich hatte Reber, der im Toggenburg aufgewachsen ist, Mechaniker gelernt. In der Rekruten- und Unteroffiziersschule sei die Ernüchterung gross gewesen, als es ihm nicht zum Militärpiloten gereicht habe. Deshalb liess er sich zum Flugzeugmechaniker bei den Pilatus-Flugzeugwerken in Stans weiterbilden. Parallel begann er, gerade einmal 22-jährig, mit der Fliegerei. Vorerst zum «Plausch», wie er sagt. «Das Fliegervirus hat mich dann aber bald befallen und bis heute nicht mehr losgelassen.» Damals habe er der eigenen Motorfluggruppe der Pilatus-Flugzeugwerke angehört. «Fliegen bedeutet für mich Freiheit, und es ist eine dritte Dimension des Erlebens.»

Tatsache ist aber auch, dass das Fliegen eine kostspielige Sache ist. Dreieinhalb Jahre arbeitete Urs Reber Mitte der 80er-Jahre als Profi-Fluglehrer in Beromünster. Es habe zwar für seinen Lebensunterhalt gereicht. Doch mit Anfang dreissig verspürte er den Wunsch, eine Familie zu gründen. Reber ging zurück zu seinem früheren Arbeitgeber, den Pilatus-Flugzeugwerken in Stans. Seither ist er dort hauptberuflich als technischer Instruktor tätig. Es ist ein Vorteil, neben der fliegerischen Seite auch die technische zu kennen. Kleinflugzeuge beispielsweise müssen genau gleich instand gehalten werden wie grosse Linienmaschinen. «Die Wartung eines Flugzeuges», so Reber, «ist generell viel intensiver als die eines Autos.» Eine Cessna müssten sie nach rund 50 Stunden in die Wartung nach Hausen am Albis geben. Dann folgen weitere Services nach 100 und 200 Stunden.

«Die Luftfahrt ist sicherer als der Strassenverkehr», sagt Urs Reber. Wobei auch er in seiner 35-jährigen Laufbahn als Pilot in zwei Beinahe-Unfälle involviert war. Vor über 30 Jahren, berichtet er, sei er am Nationalfeiertag haarscharf einer Kollision mit einem anderen Kleinflugzeug entgangen. Es gebe auch beim Fliegen einen «Toten Winkel», bei dem man den anderen nicht sehen könne. Und vor drei Jahren geriet er mit einer Schulungsmaschine in sehr starke Turbulenzen. Fehler würden überall passieren – man müsse für sich nur die richtige Lehre daraus ziehen.

«Es regt mich manchmal schon auf, wenn die Medien Flugzeugunfälle so aufbauschen.» Im Vergleich zum Strassenverkehr gebe es beim Fliegen immer noch viel weniger Tote.

Urs Reber will sich nicht auf die Äste hinauslassen, wenn es darum geht, die beiden aktuellsten Flugzeugunfälle in der Schweiz zu kommentieren. Es sei meistens eine Verkettung unglücklicher Umstände, wenn es zu solchen Unfällen kommt, sagt er bloss.

Gegenseitiges Vertrauen
Das Handwerk «Fliegen» müsse von Grund auf erlernt werden, betont Urs Reber. Trotz heute modernsten Navigationsgeräten müssten seine Schüler ganz bewusst mit Karte und Kompass sowie Stoppuhr umgehen können. Der durchschnittliche Schüler braucht ungefähr 45 bis 60 Flugstunden und 200 bis 300 Stunden Theorie. «Das Wichtigste beim Fliegenlernen ist das gegenseitige Vertrauen.» Die grösste Herausforderung seien die Starts und Landungen und der erste Soloflug. Letzterer darf jedoch erst gemacht werden, wenn der Schüler ein gültiges fliegerärztliches Zeugnis vorweisen kann. «Manchmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob der Schüler nun bereit ist für die Prüfung», gesteht Reber. Dann ziehe er jeweils einen anderen Fluglehrer hinzu. Rebers letzter Satz vor dem ersten Soloflug lautet immer gleich: «Erfindsch nüd Nöis.»

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