«Ende Kulturerbe-Jahr 2018 möchten wir pro Kanton 1000 Bänkli registriert haben»

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Renate Albrecher ist Gründerin und Präsidentin des Vereins Bankkultur. Die 43-Jährige ist in Österreich aufgewachsen und lebt mit ihren Kindern in St-Sulpice VD am Genfersee. (zVg)

Was fasziniert Sie an Bänkli?

Renate Albrecher: Die Bänkli tun unglaublich viel für die Gesellschaft. Sie sind stille Diener, die bescheiden dastehen und ihren Dienst umso besser erfüllen, je weniger man sie sieht. Erst wenn man drauf sitzt, und seinen Blick in die Ferne schweifen lässt, versteht man, was das Bänkli einem anbietet: Eine speziell schöne Aussicht zum Beispiel. Und je mehr Menschen gleichzeitig auf einem Bänkli sitzen, umso besser erfüllt es seinen sozialen Zweck.

Haben Sie selber ein besonderes Bänkli-Erlebnis?

Ich bin in Österreich sehr abgelegen aufgewachsen. Unser Haus stand alleine, die nächsten Nachbarn waren weiter weg. Aber unten an der Strasse stand ein Bänkli. Als Teenager habe ich mich jeweils auf das Bänkli gesetzt und gehofft, dass jemand vorbeikommt, mit dem ich ein bisschen plaudern kann. Wenn ich heute eine Wanderung plane, wähle ich die Wanderstrecken immer nach den Bänkli aus. Diese markieren in der Schweiz die schönsten Plätze in der Natur.

Was ist das Ziel der Bänkli-Challenge, die dieses Jahr läuft?

Wir möchten möglichst viele Bänkli dokumentieren und so aufzeigen, dass sie ein immaterielles Kulturgut sind. Schön wäre, wenn im Laufe des Kulturerbejahres 2018 pro Kanton 1000 Bänkli auf www.bankgeheimnisse.ch registriert werden. Umso mehr Personen bei der Bänkli-Challenge mitmachen, umso eher können wir nachweisen, dass Nutzen und Aufstellen von Bänkli in der Schweiz eine gelebte Tradition ist. Die Forschung wird erst möglich, wenn viele Bänkli dokumentiert sind.

Wie viele Bänkli gibt es in der Schweiz?

Das ist schwierig zu sagen. Wir vermuten, dass es mindestens 200 000 Bänkli gibt. Dabei gehen wir von einem Durchschnittswert von 30 Bänkli pro Gemeinde und 800 pro Stadt aus. In Neuchâtel war ich beispielsweise mal zwei Stunden mit dem Velo unterwegs und habe in dieser Zeit 600 Bänkli fotografiert.

Sind Sie zufrieden mit der Beteiligung an der Bänkli-Challenge?

Ja, ich bin sehr zufrieden. Wir sind als kleines Projekt gestartet, es läuft zu 98 Prozent ehrenamtlich, ohne Werbung. Es ist schön, wie viele Menschen sich beteiligen, Bänkli hochladen und von speziellen Momenten auf den Bänkli, aber auch von den Anlässen, warum es diese Bänkli gibt, erzählen.

Die Challenge läuft auf ehrenamtlicher Basis?

Ja – ich arbeite rund 40 Stunden pro Woche für das Bänkli-Projekt, habe aber daneben einen 30-Prozent-Job und Kinder. Durch den Erfolg der Challenge ist das Projekt sehr aufwendig geworden. Ich kontrolliere beispielsweise jedes Bänkli, das hochgeladen wird, jeden Kommentar und versuche, die Benutzerfreundlichkeit der Bänkli-Landkarte zu verbessern. Wir haben von Swisslos Schwyz, Uri, Graubünden und St-Gallen Beiträge zugesagt bekommen, um einen Teil der Ausgaben zu decken. Nun müssen wir die langfristige Finanzierung der Bänkli-Landkarte sichern. Das Projekt soll weiterhin non-profit sein, aber die Aufwände müssen gedeckt werden.

Wie viele Bänkli sind bis jetzt registriert worden?

Heute sind mehr als 3400 Bänkli auf www.bankgeheimnisse.ch registriert. Jeden Tag kommen an die 80 neue dazu, plus eine grosse Menge an Texten und Fotos zu den bereits erfassten Bänkli. Ich bin realistisch: Alle 200 000 Bänkli der Schweiz werden wir nie registrieren können. Aber jedes Bänkli ist wichtig, auch dasjenige, das keine bombastische Aussicht bietet.

Wie viele Personen haben bereits ein Bänkli hochgeladen?

Es sind derzeit knapp 500 aktive Nutzer, die Bänkli hochladen und gewissenhaft beschreiben – und täglich werden es mehr. Es kann aber jeder die Bänkli-Landkarte nutzen, ohne dass er sich registriert.

Kennen Sie die Menschen, die sich an der Bänkli-Challenge beteiligen?

Ich habe schon vor der Challenge eine Community mit bänkli-affinen Leuten aufgebaut. Ausserdem sind viele meiner Freunde im Bänkli-Fieber. Daher kenne ich die Namen von vielen, die an der Challenge mitmachen. Getroffen habe ich aber von der Online-Community noch kaum jemanden. Fürs nächste Jahr planen wir aber eine besondere Veranstaltung: Ein Bänkli, das durch die Schweiz wandert, und bei dem wir uns endlich persönlich treffen können.

Sind Bänkli speziell für die Schweiz? Sie hatten ja bei Ihnen in Österreich auch ein Bänkli am Strassenrand.

Bänkli gibt es ziemlich überall auf der Welt. Auf Instagram sehe ich Bänkli aus Japan, Kanada, Polen usw. In der Schweiz scheint mir die Dichte an Bänkli jedoch unvergleichlich gross, und sie werden nicht nur aus praktischen Gründen aufgestellt, sondern aussergewöhnlich oft aus persönlichen und touristischen Motiven. Ich finde, dies zeigt die Verliebtheit der Schweizer in ihr Land und die Achtung vor der Natur.

Auf der Bänkli-Landkarte sind im Aargau über 700 Bänkli verzeichnet, Schweizer Rekord. Liegt dies an Michael Fuchs?

Ja, der Aargauer Michael Fuchs ist, wie er selbst sagt, schon fast Bänkli-süchtig. Er hat sehr viele Bänkli hochgeladen, nicht nur im Aargau. Dass der Aargau die Rangliste anführt, ist aber sicher sein Verdienst. Man muss beachten: Ein Bänkli auf der Seite hochzuladen, ist aufwendig. Bei jedem Bänkli muss erfasst werden, wo es steht, was man sieht oder wie es erreicht werden kann.

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