Eine dichte Geschichtslektion: Das war die Premiere des Festspiels zum Landesstreik

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Jugendliche Aktivisten mit sozialistischem Gedankengut mucken auf. (Bild: Zur Verfügung gestellt)
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Szenen anlässlich der Hauptprobe (Bild: Urs Flueeler)
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Szenen anlässlich der Hauptprobe (Bild: Urs Flueeler)
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Szenen anlässlich der Hauptprobe (Bild: Urs Flueeler)
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Szenen anlässlich der Hauptprobe (Bild: Urs Flueeler)

Das Thema Landesstreik für ein Festspiel zu nutzen, ist keine einfache Aufgabe. Entsprechend lange hat deshalb auch die Festspiel-Kennerin und -Regisseurin Liliana Heimberg recherchiert und zusammen mit Raphael Urweider am Stück geschrieben und gefeilt. Die Neugier beim Premierenpublikum am Donnerstagabend in den Alten SBB-Werkstätten in Olten war entsprechend gross.

Das Spiel beginnt auf dem grossen Vorplatz der Alten SBB-Werkstätte an der Tannwaldstrasse in Olten. «Der Krieg ist vorbei», skandieren die Akteure und beleuchten kurz die Situation der Schweiz nach dem grossen Krieg 1914 bis 1918. Das Publikum verlagert sich, zusammen mit den Spielern, ins grosse Hauptgebäude, wo Zuschauertribünen stehen und wo die Basel Sinfonietta musikalisch für Stimmung sorgt. Soldaten sitzen am Boden und packen wieder ihre Siebensachen, da sie aufgeboten wurden, nach Zürich zu kommen, um die streikenden Arbeiter in Schach zu halten.

 

Kriegsgewinnler und -verlierer
Unterdessen fährt General Wille im Auto vor die «Krone» in Solothurn vor. Ihm wird ein Dîner der Solothurner Regierung offeriert. Doch nicht alle haben in diesem Jahr genug zu essen. Suppenküchen verteilen warme Mahlzeiten an die vielen Bedürftigen. Die Kartoffel- und Milchpreise sind hoch wie nie. Doch es gibt neben den ausgebeuteten Arbeitern auch viele Profiteure dieses Krieges: Fabrikbesitzer, Grosshändler, Bauern, Bäcker. Sie erklären, wie sie zu Reichtum gekommen sind – an der herrschenden Ordnung soll sich nichts ändern.

Gewerkschaftliche Gedanken machen sich in der Arbeiterschaft breit und jugendliche Aktivisten mit sozialistischem Gedankengut mucken auf. Die Frauen tun etwas: Sie gründen Soldatenküchen und sammeln Spenden für die Armen; obwohl sie (noch) kein Frauenstimmrecht besitzen.

Die Spanische Grippe verschärft die Nöte und rafft Hunderte, vor allem Junge, hin. «Der Tod hat noch Hunger, trotz Krieg», heisst es. In Bern, Zürich und in Olten wird gestreikt, bald im ganzen Land. Der Nationalrat ist entschlossen, diesen «bolschewistischen Terror» zu bekämpfen. Robert Grimms Forderungen im Nationalrat werden abgelehnt. So kommt es in Grenchen zum Drama: Es wird geschossen, drei Männer sind tot. «Wer hat angefangen mit der Gewalt?» Gerichtsurteile werden gefällt.

«1918.ch» ist ein Bühnenspektakel, das in den Gedanken haften bleibt. Ein Spiel mit einer Fülle von politischen Informationen, von Geschichten, Anekdoten, Akteuren und Schauplätzen. Mit einer immer wieder in Erscheinung tretenden Helvetia, als Anführerin, Friedensstifterin, Richterin. Fast zu viel Information, vor allem für Besucher, die sich mit der Landesstreik-Historie nicht oder nur wenig auskennen.

Aber wie die Spieler als Ensemble den Raum füllen (Choreografie Gisa Maria Frank), wie die unterschiedlichen Figuren (Kostüme Eva Butzkies) ausgewählt und dargestellt sind, wie Licht und Bühnenbild (Lukas Sander), eine stimmungsvolle Musik (Leitung Ludwig Wicki), der Chor (Leitung Sandra Rupp Fischer) eingesetzt sind, ist höchste Festspiel-Kunst. Alles greift ineinander, wird zu einem dichten dramatischen Teppich verwoben.

Eine Hauptrolle nimmt der Spielort, die Alten SBB-Werkstätten, ein. Sie sind eine einmalige, stimmungsvolle Kulisse mit ungeahnten Möglichkeiten. Da wird vor, hinter, auf und unter dem Bühnenraum gespielt. Wände, Stützmauern und ehemalige Arbeitsutensilien kommen zum Einsatz.

Nach dem Spiel ist es möglich, sich Dokumente und Skizzen zur Entstehung des Stückes oder auch über den Landesstreik anzusehen. Alles in allem eine zweistündige Geschichtslektion, die sicher nicht überflüssig ist.

www.1918.ch

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